Diese Folge des Podcasts "Corona Update" steht unter dem Motto: Sie fragen, wir suchen die Antworten. Wir haben Kleine-Zeitung-Leser dazu aufgerufen, uns ihre Fragen zum Impfstoff gegen Covid-19 zu schicken – zahlreiche Mails sind bei uns eingegangen. 

All jene Fragen, die sich mit Ablauf und der Organisation der Impfung beziehen, wollen wir in diesem Podcast beantworten. Dazu haben wir Clemens Martin Auer als Gesprächspartner bei uns: Auer ist Covid-Sonderbeauftragter im Gesundheitsministerium und ist einer der Leiter des Steuerungsboards der Europäischen Kommission zur Impfstoffbeschaffung in der EU. 

>> Hören Sie hier das ganze Gespräch!

Auszug der Fragen aus dem Podcast

In Großbritannien soll noch heuer geimpft werden. Wann sind wir dran?


Für die Zulassung ist die Europäische Arzneimittelbehörde zuständig. „Diese hat kürzlich mitgeteilt, dass es im zuständigen Gremium eine Empfehlung für die Zulassung am 29. Dezember für Biontech/Pfizer geben wird. Für Moderna, den zweiten Kandidaten, der schon sehr weit ist, am 12. Jänner“, erklärt Clemens Martin Auer, Covid-Sonderbeauftragter im Sozialministerium.

Clemens Martin Auer 
© APA/HERBERT NEUBAUER


 Was heißt das für Österreich?
Auch hierzulande wird man sehr rasch mit dem Impfen beginnen. „Wir tun organisatorisch alles, dass wir im Jänner mit den Impfstoffen der Firma Biontech/Pfizer und jenen der Firma Moderna beginnen können“, betont Auer.


Wie ist der genaue Zeitplan?

Es gibt einen Impfplan, der in Österreich in drei Phasen abläuft. In Phase 1 im Jänner werden nur Impfstoffe der Firmen Biontech/Pfizer und Moderna zu Verfügung stehen, erklärt der Experte. In dieser Phase wird ausschließlich in den Kranken- und Pflegeheimen, in den Krankenanstalten und im engeren Sinn im Gesundheitssektor geimpft. Phase 2 soll anschließend folgen. „Ich gehe davon aus, dass wir dann zusätzlich schon einen anderen Impfstoff von Astra Zeneca dazunehmen können“, betont Auer. Hier kann dann auch von niedergelassenen Ärzten geimpft werden. Alle Menschen über 65 Jahre sollen von ihren Hausärzten eingeladen werden, sich impfen zu lassen. „Wenn wir noch ausreichend Impfstoff zur Verfügung haben, wird zusätzlich in den kritischen Infrastrukturen geimpft, wie Polizei, der Justizwache, aber auch Lehrer und Betreuer in Kindergärten“, so der Experte weiter. In der Phase 3 sollte dann genug Impfstoffe für die Masse zur Verfügung stehen. „Das wird allerdings nicht vor April sein“, betont Auer. Man wolle mit den Impfungen direkt in große Unternehmen gehen, aber auch mit den Gemeinden gemeinsam Impfstraßen aufbauen.


Kann mir aussuchen, von welchem Hersteller meine Impfung kommen wird?
Nein, das hängt von der Verfügbarkeit und der Beschaffenheit der Impfstoffe ab. „Ich gehe davon aus, dass die Impfstoffe, die in Europa zugelassen werden, alle gute Impfstoffe sind, sonst würden sie keine Zulassung bekommen“, betont Auer. „Wir werden am Beginn den Biontech und den Moderna-Impfstoff haben, die sind sehr kompliziert in der Handhabung, siebrauchen eine Minus 80 Grad-Lagertemperatur. Daher werden wir diesen Impfstoff nur im organisierten Bereich einsetzen können, also in Alten- und Pflegeheimen, in Krankenhäusern und wahrscheinlich auch in den gut organisierten Impfstraßen“, erklärt der Experte. Impfstoffe von Astra Zeneca und Johnson & Johnson – das sind Vektor-Impfstoffe – seien einfacher in der Handhabung und könnten im auch im Bereich der niedergelassenen Ärzte verabreicht werden.


Wird es eine Impfpflicht geben – eventuell für einzelne Berufsgruppen?
„Es wird sicherlich keine gesetzliche Impfpflicht geben, für niemanden, auch nicht für einzelne Berufsgruppen. Das hat der Nationalrat noch nie beschlossen, weil es keinen politischen Konsens darüber gibt. Es gibt in Wahrheit einen Grundkonsens, dass keine Impfpflicht kommen soll“, stellt Auer klar.


Wenn ich geimpft bin, brauche ich dann keine Maske mehr?
Es können nicht alle Menschen in Österreich gleichzeitig geimpft werden, daher wird die Maske weiterhin wichtig sein. „Wenn wir eine hohe Durchimpfungsrate von 65 Prozent oder darüber erreichen und die Epidemiologen sagen, jetzt haben wir einen Zustand erreicht, wo die Ansteckungsgefahr nicht mehr so groß ist, dann werden wir auf die Maske verzichten können“, sagt Auer. Die Maske werde uns aber sicher noch tief bis ins Jahr 2021 begleiten.


Wie werden Risikopatienten verständigt, wann sie dran sind?


Bereits im Frühjahr wurden Risikogruppen definiert. Man werde diese Gruppe durch ihre Ärzte aktiv ansprechen und sie einladen – so bei ihrem Krankheitszustand eine Impfung ratsam ist – sich impfen zu lassen. „Ich kann mich als Betroffener aber auch bei meinem Arzt oder bei meiner Betreuungsstelle melden und und aktiv nachfragen“, betont der Experte.


Was ist mit Kindern? Wann werden sie geimpft?


Jene Impfstoffe, die am Anfang in Europa zur Verfügung stehen werden, haben zum momentanen Zeitpunkt keine Zulassung für Kinder. „Sie werden daher nicht geimpft werden können, weil die Impfstoffe keine Zulassung dafür haben. Ob sich das ändert, kann ich heute noch nicht sagen, denn das ist eine Angelegenheit von entsprechenden Studien und der Zulassungsbehörde“, erklärt der Experte.


Sollte es zu Impfschäden kommen, wer kommt dafür auf?

Das sei gleich, wie bei allen öffentlichen Impfaktion. In Österreich gibt es ein Impfschadengesetz, wo Ersatzleistungen genau definiert sind. „Falls so etwas passiert, was niemand hofft, dann greift das Impfschaden-Gesetz und der Staat, also die Gemeinschaft, übernimmt das Risiko“, sagt Auer.


Wie kann ich etwa bei Fluglinien nachweisen, dass ich bereits geimpft wurde?
Es wird Teil der Impfdokumentation sein, die wir ja alle haben. „Es wird im Impfpass vermerkt werden“, so Auer.


Wird die Impfung etwas kosten?
Nein, wird sie uns nicht. „Die Impfung wird dem Steuerzahler etwas kosten, aber nicht uns als Individuum. Die Republik Österreich kauft diese Impfstoffe und wird sie auch kostenfrei verteilen auch die Kosten für die Verimpfung übernehmen“, beruhigt Auer.

All jene Fragen, die sich auf medizinische Themen beziehen, wurde bereits in einem Podcast mit Markus Zeitlinger,  Vorstand der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie an der Med Uni Wien behandelt. >> Hier geht es zum Nachhören!