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Vaginal Seeding Brauchen Kaiserschnitt-Babys eine Bakterien-Abreibung?

In verschiedenen Studien schmieren Forscher Babys nach einem Kaiserschnitt mit Vaginal-Sekret ihrer Mütter ein. Warum sie das tun, welche Diskussion dahinter steht.

Brauchen Kaiserschnitt-Babys eine Bakterien-Abreibung?
Brauchen Kaiserschnitt-Babys eine Bakterien-Abreibung? © Kati Finell - stock.adobe.com
 

Brauchen Babys, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, eine Abreibung mit den Bakterien aus der Vagina ihrer Mutter?

Dieser Frage gehen momentan mehere Untersuchungen nach, wie Nature berichtet. Dahinter steckt die Vermutung, dass Kinder, die nicht auf natürlichem Weg zur Welt kommen auch mit einer unterschiedlichen bakteriellen Besiedelung durchs Leben gehen - und das könnte Auswirkungen auf die Gesundheit im späteren Leben haben.

Allergien und Übergewicht im späteren Leben

Diese Vermutung beruht auf einer Untersuchung aus dem Jahr 2010, die zeigte: Die bakterielle Besiedelung, also das Mikrobiom von Kaiserschnitt-Babys sieht anders aus als jenes von Kindern, die auf natürlichem Weg zur Welt gekommen sind. Daraus resultierte der Verdacht, dass diese mikrobiellen Unterschiede die Erklärung dafür sind, warum Kaiserschnitt-Babys im späteren Leben häufiger gesundheitliche Probleme haben: Übergewicht, eine schwächeres Immunsystem mit einem größeren Risiko für Allergien, Asthma und Darmerkrankungen zählen dazu.

Die Erklärung: Wenn Babys den vaginalen Geburtskanal passieren, nehmen sie auch ein "Bakterienbad" - die Mikroben aus der Vagina der Mutter siedeln sich am Neugeborenen an und bilden so die Basis für das Mikrobiom, das einen zentralen Einfluss auf unser Immunsystem hat.

Doch bisher ist dieser Erklärungsansatz nicht viel mehr als eine Vermutung - die Studien, die nun laufen, sollen das ändern. Bis dato ist die Bakterien-Abreibung auch unter Medizinern noch stark umstritten. So warnen manche Experten davor, Babys nach dem Kaiserschnitt mit Vaginalsekret einzuschmieren: Es könnten dabei auch gefährliche Keime übertragen werden - daher werden jene Mütter, die nun an den laufenden Studien teilnehmen, auf gefährliche Keime hin untersucht.

Die Beweise fehlen

Außerdem fehle die wissenschaftliche Grundlage für das Vaginal Seeding: "Bisher ist dieses ganze Konzept in einem Status der Unsicherheit", kritisiert David Aronoff, Infektionsspezialist an der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee. “Ein logisches Argument zu formulieren, ist einfach. Aber es könnte sein, dass diesem keine soliden Daten zurgrunde liegen."

Experten warnen auch dringlich davor, das Bakterienbad selbst, ohne medizinische Rücksprache an seinem Kind durchzuführen - laut Richtlinien der US-Fachgesellschaft für Gynäkologie soll diese Methode des Vaginal Seeding, so der Fachbegriff, nur im Rahmen von kontrollierten Studien durchgeführt werden.

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