Sie gehören zu den Medikamenten, die in Österreich am häufigsten verschrieben werden: Protonenpumpenhemmer (PPI), umgangssprachlich Magenschutz genannte. Ihre Aufgabe: Sie verhindern die Säurebildung im Magen und werden deshalb vor allem bei Sodbrennen eingesetzt.

Dass diese weit verbreiteten Medikamente keineswegs frei von Nebenwirkungen sind, hat nun eine hochrangig publizierte Studie der Med Uni Wien gezeigt: Magenschutzmedikamente können Allergien verstärken oder sogar auslösen. Das wurde aus den Verschreibungsdaten der Österreicher ermittelt.

Das Risiko dafür eine allergische Reaktion zu entwickeln, die es nötig machen Anti-Allergie-Medikamente einzunehmen, wird verdoppelt bis verdreifacht. Die Ergebnisse wurden nun im Top-Journal Nature Communications veröffentlicht.

Allergie-Risiko: Zwei- bis dreifach erhöht

Magensäureblocker reduzieren die Produktion von Magensäure, lindern Sodbrennen und unterstützen das Abheilen einer geschädigten Magenschleimhaut. Sie werden oft zur Unterstützung von Medikamententherapien verschrieben, zur Vermeidung eines Magengeschwürs oder gegen Völlegefühl eingesetzt. Auch bei Stressreaktionen, die zu Reflux (Sodbrennen) führen, sind sie oft das Mittel der Wahl. Im Jahr 2013 wurde in Österreich an 1.540.505 Personen auf Kassenkosten zumindest eine Packung eines PPI verschrieben.

Nun hat eine landesweite Studie der MedUni Wien einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Magenschonern vor allem aus der Familie der Protonenpumpenhemmer und der nachfolgenden Verschreibung anti-allergischer Medikationen bestätigt.

 Der Zusammenhang war deutlich, erklärt Erstautorin Galateja Jordakieva: „Wer magenschonende Mittel wie Protonenpumpenhemmer einnimmt, erhöht sein Risiko für behandlungsbedürftige allergische Symptome um das Zwei– bis Dreifache“.

Magensäure spaltet Proteine

Die Magensäure erfüllt eine wichtige Funktion im Verdauungstrakt. Die darin enthaltenen säureabhängigen Enzyme spalten Proteine der Nahrungsmittel auf und führen sie der Weiterverwertung zu. Außerdem dient sie als Barriere gegen Bakterien und andere Krankheitserreger.

Wenn diese Funktionen nun aufgrund der geblockten  Magensäureproduktion reduziert sind, können Allergene unverarbeitet in den Darm vordringen. Das kann Allergien auslösen und die Symptome bei Menschen, die bereits unter bestehenden Allergien leiden, noch verstärken.

Mikrobiom verändert sich

Studienleiterin Erika Jensen-Jarolim warnt vor unkontrollierter Einnahme: „Die sogenannten ‚Magenschoner‘ sollte man nicht länger als nötig einsetzen. Sie verhindern die Proteinverdauung, verändern das Mikrobiom im Magen-Darm-Trakt und erhöhen das Risiko für allergische Reaktionen. Sobald sie ihre medizinisch verordnete Aufgabe erfüllt haben, sollte man sie rasch wieder absetzen.“

Magensäureblocker bekämpfen auch nur die Symptome und nicht die Ursache eines Leidens. „Behandelnde Ärzte sollten daher die kürzest mögliche Einnahme eines Magenschutzes festlegen. Bei der Behandlung von Stressreaktionen wie Sodbrennen empfiehlt sich eher eine Änderung des Lebensstils bzw. der Work-Life-Balance“, so Jensen-Jarolim.