Covid-Impfung könnte Wirkung von Krebstherapie verbessern
Im Kampf gegen Krebs könnte die Covid-Impfung ein Schlüssel sein: Krebspatienten, die vor Start einer Immuntherapie gegen Covid-19 geimpft wurden, lebten signifikant länger.

„Ich halte diese Daten für außergewöhnlich“: So kommentiert der US-Krebsforscher Ryan Sullivan jene Studienergebnisse, die auf einem Krebskongress in Berlin präsentiert wurden. Die Ergebnisse zeigen einen bis dato unbekannten Nebeneffekt der Covid-19-Impfung: Krebspatienten, die vor oder nach Beginn einer Immuntherapie eine Impfung gegen Covid-19 erhalten haben, lebten wesentlich länger als Patienten, die keine Covid-Impfung erhielten.
Die Forscher rund um Adam Grippin und Steven Lin, Onkologen am MD Anderson Cancer Center der University of Texas, analysierten die Daten von mehr als 1000 Krebspatienten, die aufgrund von fortgeschrittenem Haut- oder Lungenkrebs behandelt wurden. Die Arbeit wurde im renommierten Fachjournal „Nature“ veröffentlicht. Jene Patienten, die innerhalb von 100 Tagen ihres Therapiestarts mit einer Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren eine Covid-19-Impfung erhielten, lebten signifikant länger: Bei Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs verdoppelte sich die mittlere Überlebensrate beinahe, sie stieg von 20,6 Monaten auf 37,3 Monate.
Impfung „entfesselt das Immunsystem“
Die Forscher erklären den Effekt, den sie im Labor auch bereits an Mäusen nachgewiesen haben, dadurch, dass der mRNA-Impfstoff dabei hilft „die Kraft des Immunsystems zu entfesseln“, so Adam Grippin. Der mRNA-Impfstoff löst eine starke Immunantwort aus, es werden spezielle Immunzellen (Typ-1-Interferon) freigesetzt, die, vereinfacht gesprochen, auch Krebszellen angreifen und bekämpfen. Die Impfung könnte Tumorzellen so empfänglicher für die Immuntherapie machen.
Auch Jeff Coller, Molekularbiologe an der Johns Hopkins University, kommentierte in einem Artikel von „Science“, dass die Möglichkeit, mit einer bestehenden Impfung wie der Covid-19-Impfung das Immunsystem im Kampf gegen Krebs anzukurbeln, „wirklich sehr aufregend“ ist. Wenn sich das bestätigt, könnte man bestehende Impfstoffe schneller nutzen, um Krebstherapien zu optimieren – ohne komplett neue „Krebsimpfstoffe“ entwickeln zu müssen.
Weitere Untersuchungen sind notwendig
Die vorhandenen Studiendaten, das betonen auch die Forscher selbst, müssen nun in weiteren Untersuchungen bestätigt werden. Auch ist noch unklar, bei welchen Patienten und Tumoren eine solche Kombination aus Immuntherapie und mRNA-Impfung am besten wirkt. Für eine Therapieempfehlung sei es jedenfalls noch zu früh – doch die Hoffnung ist groß.
