Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 steigt seit Jahrzehnten kontinuierlich an, das Versorgungsangebot hält nicht Schritt. Darauf hat die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) aufmerksam gemacht. Es gebe zu wenige Personalstellen für die multidisziplinäre Betreuung in den Spezialzentren mit Ambulanz. Die zusätzliche mobile Betreuung sei nur in der Steiermark vollständig umgesetzt.

Diabetes mellitus Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, die zu Insulinmangel führt. Sie betrifft häufig Kinder und Jugendliche und sollte nicht mit der „Volkskrankheit“ Diabetes mellitus Typ 2 verwechselt werden. In Österreich sind rund 3.500 Personen bis 14 Jahre betroffen. „Die jungen Menschen müssen mit einer Insulintherapie umgehen lernen, die sie ihr gesamtes Leben begleiten wird“, sagte ÖDG-Präsident Peter Fasching. Die ganze Familie müsse ein komplexes Selbstmanagement in den Alltag integrieren, dafür sei viel Unterstützung nötig.

„Wir erreichen die Zielwerte nicht“

Die Blutzuckerwerte der jungen Patientinnen und Patienten sollten möglichst immer im Normbereich liegen, der Langzeitzuckerwert HbA1c etwa unter sieben Prozent. Die Zeit im Zielbereich, ein Parameter bei der Glukosemessung, soll zumindest mehr als 70 Prozent betragen. „Diese Werte sind entscheidend, um Spätkomplikationen zu vermeiden und Akutkomplikationen vorzubeugen. Leider erreichen wir diese Zielwerte heute nicht“, berichtete Birgit Rami-Merhar von der Medizinischen Universität Wien, sie leitet die Diabetesambulanz für Kinder und Jugendliche im AKH. Das Kindesalter sei bei Diabetes Typ 1 immer noch ein Risikofaktor für eine verkürzte Lebenserwartung.

Laut Fachliteratur sollte ein Team für 100 Kinder und Jugendliche aus einer Kinderärztin bzw. -arzt mit Diabetologischer Zusatzausbildung, einer Diabetesberatungsfachkraft und 0,3 Vollzeitäquivalenten für Psychologie sowie Kinderkrankenpflege bestehen, weiters einer halben Stelle für eine Fachkraft für Ernährung und 20 Prozent einer sozialarbeiterischen Vollzeitstelle sowie administrativen Unterstützung. „Diese Zahlen erreichen wir in keinem einzigen der 34 pädiatrischen Diabeteszentren in Österreich“, kritisierte Rami-Merhar. In fast allen Fällen stehe nicht einmal die Hälfte zur Verfügung. „Ich möchte betonen, dass es dabei nicht um den generellen Personalmangel im Gesundheitsbereich geht, sondern einfach die Stellen nie geschaffen wurden.“

Um die 3.500 Betroffenen leitlinienkonform zu versorgen, wäre die Erweiterung der Planstellen auf 35 Kinderärzte/Diabetologinnen, 35 Diabetesberater bzw. -beraterinnen, zwölf Psychologinnen und Psychologen sowie zwölf Kinderkrankenpflegepersonen sowie 17 Fachkräfte für Ernährung und sieben Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter nötig. Das sei keine Herausforderung für das Gesundheitssystem, aber für diese jungen Patienten entscheidend für eine gesunde Zukunft, wurde betont.

Ein weiteres „Nadelöhr“ sei die mobile Betreuung, die bis jetzt nur in Wien in einen Regelbetrieb übergeführt ist. In der Steiermark gibt es ein Pilotprojekt DiAB-Kids, das bisher nicht regelfinanziert wird.