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Die eigenen Batterien aufladenSo erholen Sie sich nicht nur im Urlaub

Daheim oder am Strand: Endlich abschalten und die Akkus aufladen. Doch warum fällt Erholung so schwer? Und wieso hat sie so einen schlechten Ruf? Experten haben nachgefragt und aus den Daten ein Rezept für Erholung erstellt.

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© Patrizia Tilly - stock.adobe.com
 

Es ist ein bisschen wie mit dem pinken Elefanten im Zimmer. Denk’ ja nicht an das überquillende Postfach. Denk’ ja nicht an den verschobenen Termin oder die Pflanzen, die daheim in der Sommersonne verglühen, denn im Urlaub muss man sich erholen. Doch das fällt oftmals schwerer als gedacht. „Wir haben dem Ausruhen gegenüber zwiespältige Gefühle“, schreibt auch die britische Psychologin Claudia Hammond in ihrem aktuellen Buch über die Kunst des Ausruhens. „Wir sehnen uns nach Ruhe, doch dann befällt uns die Angst, wir könnten womöglich faul sein. Wir könnten nicht das Beste aus unserem Leben machen.“

Gemeinsam mit Forschern aus verschiedensten Disziplinen untersuchte sie daher, welche Tätigkeiten als entspannend empfunden werden. 18.000 Menschen aus 135 Nationen nahmen an diesem „Ruhe-Test“ teil. Anders als der Schlaf sei das „Ausruhen“, so Hammond, nicht ausführlich erforscht. Wohl auch, weil es so individuell ist. So gab es bei den Auswertungen der Daten durchaus überraschende Ergebnisse.

Person und Buch

Am sogenannten „Ruhe-Test“ nahmen 18.000
Menschen aus 135 Ländern teil.
Die Studie wurde von Wissenschaftlern (Psychologen, Neurowissenschaftlern, Historikern, Dichtern und Geografen) der Universität Durham
durchgeführt. Claudia Hammond gehörte zum Expertenteam, sie ist Dozentin für Psychologie an der Boston University in London.
Die Kunst des Ausruhens. Wie man echte Erholung findet, Claudia Hammod, Dumont, 320 Seiten, 22,70 Euro.

„Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen“ oder „Gartenarbeit“ haben es zum Beispiel nicht unter die zehn am meisten entspannenden Beschäftigungen geschafft. Anders als erwartet, wurde das Lesen am weitaus öftesten genannt. Gefolgt von „Zeit in der Natur verbringen“ oder „Allein sein“. Claudia Hammond und ihre Kollegen haben die zehn Punkte jedenfalls genauer analysiert und ein Rezept des Ausruhens erstellt – ganz ohne Risiken, aber mit entspannenden Nebenwirkungen.

So kommen Sie besser zur Ruhe

  1. Ruhepausen.
    Laut den Experten sind durchschnittlich fünf Stunden in der Woche die optimale Zeit, um sich zu erholen. Aber auch hier macht die Dosis das Gift. Beim Ruhe-Test schnitten beim Punkt „Wohlbefinden“ sowohl jene mit zu wenigen, aber auch jene mit zu vielen Ruhepausen schlecht ab. Es kommt durchaus darauf an, ob man sich „freiwillig“ ausruht und nicht etwa, weil man durch Krankheit oder Arbeitslosigkeit dazu gezwungen ist.
  2. Zutaten.
    Finden Sie heraus, was Sie entspannt und auch, wann Sie es am besten umsetzen, ohne dass daraus ein neuer Stressfaktor entsteht. In der Studie zeigten sich folgende „Zutaten“ für Entspannung:
    + „Sich von anderen zurückziehen“,
    + „geistig und körperlich entspannen“,
    + "Sport“,
    +„sich von Sorgen ablenken“,
    +„die Gedanken schweifen lassen“ und
    +„sich gestatten, nichts Besonderes erreichen zu müssen“.
  3. Erlaubnis.
    Erlauben Sie sich selbst eine kleine Pause, wenn Sie sie brauchen.
  4. 15 Minuten gönnen.
    Wenn einmal gar nichts mehr geht, hilft es, sich 15 Minuten jener Tätigkeit zu gönnen, die einen entspannt. In Hammonds Fall ist das Gartenarbeit. „Danach bin ich leistungsfähiger.“
  5. Würdigen.
    Tatsächlich haben wir mehr Ruhepausen, als uns selbst bewusst ist. Diese sollte man nicht ungenutzt verstreichen lassen. „Würdigen Sie das Befriedigende, Erholsame des Werkelns und Herumtrödelns“, so der Rat der Expertin.
  6. Ansichtssache.
    Deuten Sie erzwungene Pausen einfach um. Es hilft, aus „lästiger Wartezeit“ beim Arzt oder auf den Zug eine Ruhepause zu machen und sie mit Tagträumen zu füllen.
  7. Lösen Sie sich.
    Im Laufe der Jahre tritt man Vereinen bei, macht Koch- oder Tanzkurse, die sich aber zu einer zusätzlichen Belastung entwickeln. Rat von Claudia Hammond: Gehen Sie Ihre To-Do-Liste ganz genau durch und lösen Sie sich von Verpflichtungen, die sie belasten. Vorsicht, streichen Sie nichts, das Ihnen Kraft gibt!
  8. Nein sagen.
    Wir neigen dazu, zu denken, dass in einigen Wochen weniger zu tun sein wird, wenn Kollege X wieder aus dem Urlaub zurück oder dieses Monster-Projekt endlich erledigt ist. Ein Trugschluss, so die Expertin. Daher sollte man sich auch bei weit entfernten Terminen vorstellen, sie würden in den kommenden zwei Wochen stattfinden. Und dann entscheiden, ob sie sich ausgehen oder nicht.
  9. Pausen eintragen.
    Machen Sie sich Termine mit sich selbst aus und tragen Sie diese auch in den Kalender ein. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Mikropausen nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch Arbeitsleistung und Kreativität steigern.
  10. Umwege nehmen.
    Gönnen Sie sich ein ausgiebiges Bad statt einer schnellen Dusche. Oder spazieren Sie durch den Park, statt mit dem Auto zu fahren und sich dann über den Stau zu ärgern. Manchmal verschönern die kleinen Umwege den Alltag.

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