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Für Körper und GeistWarum wir gerade jetzt mehr lachen sollten

Fasching ist und wir brauchen es derzeit mehr denn je: Lachen. Es ist ansteckend und die beste Medizin. Warum es die Wunderwaffe von Babys ist, wie man es in der Geschäftswelt einsetzen sollte und warum es Erwachsene nur noch selten tun.

Happy senior husband and wife relaxing in bedroom
© Yakobchuk Olena - stock.adobe.co
 

Stefan Verra, Körpersprache-Experte und Coach
Stefan Verra weiß, warum wir Fremde anlächeln und man besser über die Witze des Chefs lachen sollte.

Wenn wir Lachen, hat der Zygomaticus Major alle Hände voll zu tun – denn er ist es, der unsere Mundwinkel anhebt. Aber warum lächeln wir überhaupt? Ganz einfach: Weil es funktioniert. Körpersprache-Experte und Coach Stefan Verra: „Babys erfahren mehr Schutz, wenn sie lächeln und sie erkennen schon früh, dass dieses Verhalten soziale Vorteile und Geborgenheit bringt.“ Im Erwachsenenalter verwandelt sich das Lächeln zum Eisbrecher und zur Geste. „Wir signalisieren damit: Ich mache dir deinen Rang nicht streitig.“

Nur eines ist echt

18 Varianten zu Lächeln hat der amerikanische
Anthropologe Paul Ekman kategorisiert. Nur eine davon ist „echt“: die, bei der sich Krähenfüße um die Augen zeigen.

Die Steigerungsstufe des Lächelns, das Lachen wirkt ebenso als soziales Bindemittel– auch in der Geschäftswelt. Verra hat hier einige Tipps. „Es gibt den Spruch: Die Witze einer Führungskraft sind immer lustig. Es ist natürlich ein Affront, den man sich leisten können muss, etwas nicht lustig zu finden.“ Vorsicht ist auch bei Witzen geboten. „Hier rate ich, sich an die 3:1-Regel, zu halten. Machen Sie drei Scherze über sich selbst, dann erst einen auf die Kosten anderer. Menschen werden nahbarer, wenn sie über ihre eigenen Schwächen lachen.“ Weiters schade es bei geschäftlichen Treffen nicht, Lächeln sowie Lachen gezielt einzusetzen, um die Stimmung zu heben. „Egal, ob Chef oder Mitarbeiter – wenn das Gespräch mit einem breiten Lächeln beginnt, hat man das Level der Leichtigkeit gesetzt. Wenn man hingegen ernst startet, ist der Weg zum ersten Lachen ein sehr weiter.“

Das Lachen: Die verschiedenen Arten

Wenn die Mimik asymmetrisch ist (in unserem Fall Lächeln), dann signalisiert das Gehirn: Ich weiß noch nicht, ob ich es positiv oder negativ sehen soll. Das wirkt unentschlossen und auch zynisch. Überzeugende Mimik ist immer symmetrisch.

Warum wir Tränen lachen sieht man an diesem Foto. Der Musculus Orbicularis Oculi (Aigenringmuskel) aktiviert sich stark und drückt damit auf die Tränendrüse, die rechts oberhalb des Augapfels, unter der Augenbraue liegt.

Ein Körpersprachesignal, welches zu zögerlich gemacht, erzielt die gegenteilige Wirkung: Ein zögerliches Lächeln wirkt nicht offen und einladend, es wirkt distanziert und überheblich.

Lächeln mit geöffneten Lippen wirkt einladender und offener als mit geschlossenen.

 

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Verena Vondrak, künstlerische Leiterin der Cliniclowns
Verena Vondriak, alias Frau Dr. Tupfen-Topfen verbreitet in der Kinderkrebsstation Leichtigkeit in schweren Stunden.

Verena Vondrak weiß, dass auf ihre Clownin Verlass ist. Frau Dr. Tupfen-Topfen habe eine gewisse Leichtigkeit, mit jenen Situationen umzugehen, an denen sie, Verena Vondrak, einfach nur zerbrechen würde. Wenn Kinder Schmerzen leiden oder es nicht schaffen, den Krebs zu besiegen. Seit 1992 besucht die 59-Jährige als Cliniclown die Kinderonkologie, gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie ein Clowntheater in Wien. Sie kennt die vielen Spielarten des Lachens – wie es sich ankündigt, ziert, schwerfällt und dann doch platzen kann wie eine prall gefüllte Wasserbombe.

Verena Vondrak als Frau Dr. Tupfen-Topfen Foto © (c) Severin Wurnig
„Es gibt keine guten oder schlechten Lacher“, sagt die künstlerische Leiterin der Cliniclowns. „Manche Kinder sind traumatisiert. Und dann kommen da auch noch Clowns . . . Aber irgendwann zeigt sich vielleicht ein ganz kleines Lächeln um die Mundwinkel – das ist für mich genug. Ein Clown ist in so einer Situation mit allem einverstanden, weil es so spezielle Begegnungen sind.“

Der Blutdruck sinkt

17 Gesichtsmuskeln sind beim Lachen involviert, von Kopf bis Fuß sind es 300. Nach dem Lachen entspannt sich der Körper, die Arterien weiten sich, der Blutdruck sinkt.

Es gehe nicht um lautes Lachen, es gehe vor allem darum, für alle eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, Leichtigkeit zu verbreiten. Für das Personal, die Familien und die Kinder. Manchmal kommt es vor, dass Angehörige aus Freude zu weinen beginnen, weil ihr Kind für einen kleinen Moment wieder Kind ist und nicht Patient. „Der Clown als Figur ist jemand, der immer Kontakt sucht. Wir haben eine kleine Bühne, ein Krankenzimmer, hier können wir uns begegnen, uns treffen und sehen, wo es uns hintreibt.“ 

Michael Titze, Lachforscher
Die Lage ist katastrophal, aber nicht ernst“: Michael Titzes Devise – Weniger denken, sondern lachen.

Mit Witzen kann Michael Titze nicht so viel anfangen. Will sich der deutsche Lachforscher amüsieren, greift er schon lieber zu Experten wie „Dick & Doof“ oder Hans Moser. Denn mit Lachen, so der Experte, tut man Körper und Geist Gutes. Der Stresspegel sinkt, die Abwehrkräfte werden gestärkt und Glückshormone ausgeschüttet.

Lachen wirkt

Drei Ebenen sind beim Lachen beteiligt: die motorische, die emotionale, die kognitive. Man kann über jede ins Lachen einsteigen. Das ist das Prinzip von Lachyoga – aus unechtem Lachen, wird ein echtes: „Fake it, until you make it!“

„Lachen ist Ausdruck vollkommener Spannungslösung. Im Lachen steigen wir aus der Selbstkontrolle aus. Wir überlassen uns der Weisheit des Körpers – so wie das auch ein neugeborenes Kind tut. Damit kann die ursprünglichste Lebensfreude fließen“, so Titze. Wenn aber Lachen die beste Medizin ist – warum machen wir es als Kinder noch so oft und als Erwachsene so selten? „In der Humorforschung gibt es einerseits die Welt des Kindes, des affektiven Ichs, und andererseits das Erwachsenen-Ichs, das von rationalen, normativen Vorgaben geprägt wird. Der Ernst des Lebens. Ein Kind zeigt seine affektive Befindlichkeit an, lernt aber, dass es nicht immer klug ist, seine Gefühle offen zu legen. Man verlernt das Lachen und zeigt ein Pokerface.“
Michael Titze, Lachforscher Foto © (c) Tobias Bugala
Michael Titzes Rat lautet daher:
Weniger denken, sich auf den Moment einstellen und dem inneren Kind die Chance geben, etwas Anregendes zu empfinden. Und notfalls kann auch Hans Moser nachhelfen. „Es ist in unsere Entscheidung, ob ich mir Anregungen für positive Gefühle suche.“

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