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Virus-MutationKinderärzte weiter für Prävention statt Schulschließungen

Auswirkungen von britischer Mutation auf Kinder könne, so Experten, noch nicht seriös eingeschätzt werden. Es gibt auch keine Belege für stärkeren Beitrag von Kindern zum Infektionsgeschehen. Die Fachgesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde plädiert daher für eine Schulöffnung mit Sicherheitsauflagen.

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© Helmut Weichselbraun
 

Es ist wohl eine der am hitzigsten debattierten Fragen der Pandemie: Welche Rolle spielen Schulen respektive Kinder für die Ausbreitung des Coronavirus? Die österreichische Gurgelstudie, in deren Rahmen 10.000 Schüler und Lehrer an Volksschulen, Mittelschulen und AHS-Unterstufen regelmäßig auf das Virus getestet werden, lieferte nun neue Daten – aber keine endgültigen Antworten.

„Unsere Studie zeigt, dass sich in Schulen Mitte November dasselbe Infektionsgeschehen abspielte wie in der Gesamtbevölkerung“, sagt Robert Krause, Mitautor der Studie und Infektionsspezialist an der Med Uni Graz. „Wir können aufgrund der Daten aber nicht sagen, ob die Schulen öffnen sollen oder nicht – wir haben noch nicht untersucht, wo die Ansteckungen stattgefunden haben“, so Krause weiter. 

Dunkelziffer nicht größer als in Gesamtbevölkerung

Für den Kinderarzt Volker Strenger (Fachgesellschaft Kinder- und Jugendheilkunde) zeigen die Zahlen der Gurgelstudie, dass die Covid-19-Dunkelziffer unter Kindern nicht größer ist als in der Gesamtbevölkerung – die Fachgesellschaft plädiert daher weiterhin dafür, Schulen mit Sicherheitsauflagen (Maske tragen, regelmäßig Lüften) offen zu halten.

Die mehrfach berichtete Theorie, wonach Kinder und Jugendliche von der britischen Virusvariante vermehrt betroffen seien, sei bisher noch nicht belegt, betont Volker Strenger. "Weitere Analysen sind notwendig, bevor eine seriöse Aussage über die Bedeutung dieser Virus-Variante für bestimmte Altersgruppen getroffen werden kann", so Strenger. Der Anteil an Kindern und Jugendlichen unter den Sars-CoV-2-Infizierten sei zwar in Großbritannien zuletzt gestiegen, laut Gesundheitsbehörden seien davon allerdings sowohl Infektionen mit der neuen als auch der ursprünglichen Virus-Variante betroffen.

Kinder zeigen weniger Symptome

Laut Strenger stimmt auch weiterhin der Befund, dass Kinder nach einer Infektion mit dem Corona-Virus seltener Symptome zeigen als Erwachsene. Das ist insofern relevant, weil mehrere aktuelle Studien zeigen würden, dass - entgegen früherer Annahmen - asymptomatische Personen das Virus deutlich seltener weitergeben. Sie sind demnach bis zu 25-fach weniger ansteckend als symptomatisch Erkrankte.

Studie zeigt: Nur 7,7 Prozent von Kindern angesteckt

Symptomatische Erkrankungen unter Kindern fallen zumeist mild aus und auch im Falle von Symptomen seien Kinder als Infektionsquelle weniger relevant, so Strenger mit Verweis auf eine große indische Studie mit einer halben Million untersuchter Kontaktpersonen. Laut dieser Untersuchung wurden 92,3 Prozent der infizierten Kontaktpersonen von Erwachsenen angesteckt, aber nur 7,7 Prozent von Kindern.

Wie sich Schulschließungen auf die Ansteckungszahlen unter Kindern und Jugendlichen bzw. der Gesamtbevölkerung auswirken, sei nicht seriös zu beantworten, so Strenger. Immerhin sei die Umstellung auf Fernunterricht auch international in zeitlichem Zusammenhang mit anderen Maßnahmen passiert. Selbst die Autoren von Modellierungsstudien würden aber infragestellen, ob die errechneten Effekte von Schulschließungen nicht eher darauf zurückzuführen seien, dass die Eltern zur Kinderbetreuung daheimbleiben müssen. "Es wäre jedoch bedenklich, wenn die Bildung einer ganzen Generation leidet, nur um die Kontakte der Elterngeneration zu reduzieren", so Strenger. Dazu komme, dass anders als im ersten Lockdown Eltern diesmal weniger zuhause bleiben können und Kinder damit allein gelassen, in die Schulbetreuung geschickt oder doch von der Großelterngeneration betreut würden.

In Schule werden Hygienemaßnahmen kontrolliert

Der Schulbetrieb bietet für Strenger unterdessen den Vorteil, dass dort Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen kontrolliert und eventuell intensiviert werden können, während sich Kinder und vor allem Jugendliche bei zunehmender Pandemie-Müdigkeit stattdessen im privaten Bereich treffen würden - und zwar ohne Einhaltung von Schutzmaßnahmen.

In den ersten Monaten der Pandemie habe es zwar ohne entsprechende Sicherheitsmaßnahmen relevante Ausbrüche an Schulen gegeben. Unter Einhaltung von Maßnahmen (etwa keine Durchmischung von Klassen, Abstandhalten, Maskentragen, Lüften etc.) würden Übertragungen innerhalb der Einrichtungen allerdings "nur in geringem Ausmaß" beobachtet.

Gleichzeitig seien Kinder von den pandemiebedingten Maßnahmen extrem betroffen. Außerhalb von Gastronomie/Hotellerie, Kultur, Handel und einigen anderen Bereichen laufe das Berufsleben der Erwachsenen großteils unter Einhaltung entsprechender Maßnahmen weiter. "Warum sollten dann unter all diesen oben genannten Aspekten gerade Schulen langfristig komplett geschlossen gehalten werden?", fragt Strenger - vor allem, wenn ein Ende der zweiten Welle frühestens in einigen Monaten zu erwarten sei.

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