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Folgen der CoronakrisePsychiater: "Gesunde leiden mit Zeitverzögerung"

Pro Mente Austria-Präsident Klug: „Jetzt kommen auch immer mehr psychisch stabile Menschen ins Trudeln!“

© (c) francesco chiesa - stock.adobe.com
 

Covid-19 bzw. SARS-CoV-2 bringen mit Zeitverzögerung auch psychisch sonst Gesunde in Probleme. Psychiater Günter Klug, Präsident von pro mente Austria, erklärte: "Jetzt kommen auch immer mehr psychisch stabile Menschen ins Trudeln!"

Nicht nur Wissenschaft und Forschung würden im Hinblick Covid-19 als unzuverlässig empfunden, auch die wirtschaftlich-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen führten zu Unsicherheit und psychischen Problemen. Klug: "Schon vor der nun alles dominierenden Pandemie haben wir uns in Zeiten gewaltiger Veränderungen befunden. In der Wirtschaft wird seit geraumer Zeit zunehmend auf Digitalisierung gesetzt – und die Pandemie hat dies noch verstärkt. Aber niemand weiß genau, wie sich die Arbeitsplätze in einer Wirtschaft 4.0 entwickeln, wie viele Arbeitsplätze in Zukunft überhaupt noch gebraucht werden. Sicher ist nur, dass es ohne stabile Ausbildung, lebenslanges Lernen und enorme inhaltliche, zeitliche und örtliche Flexibilität für den Einzelnen nicht mehr gehen wird."

Zunehmende Individualisierung

Gleichzeitig verändere sich die Gesellschaft. Es komme zu einer immer stärker werdenden Individualisierung, immer mehr Menschen lebten alleine, arbeiten unter Umständen im Home Office und hätten immer weniger "reale" soziale Kontakte. Dazu komme eine steigende Zahl von Alleinerziehern und das Problem der Versorgung älterer pflegebedürftiger Menschen.

Neues "Biedermeier", chronischer Stress

Hätte diese Gemengelage bisher vor allem Menschen mit psychischen Problemen außer Tritt geraten lassen, kämen nun auch psychisch und vom Selbstwert her stabile Menschen in Probleme. Der Psychiater: "Wir beobachten hier zwei Trends: Einerseits führt die Verunsicherung dazu, dass die Menschen sich zurückziehen und den Covid-Rückzug zum Teil bewusst, zum Teil unabsichtlich fortsetzen. Oder aber sie kippen in die andere Richtung und leben jetzt nach dem Motto "Eh schon egal!"." Sie vernachlässigten Ausbildung und Job und lebten als gäbe es kein Morgen. Das Ergebnis sei ein neues "Biedermaier"-Verhaltensmuster mit einem deutlichen Anstieg von psychischen Belastungen und chronischem Stress.

Klug forderte mehrere Maßnahmen in diesem Zusammenhang, darunter: Kein Spielen mit Ängsten, um einzelne Interessensgruppen zu bedienen, Beruhigung des Ausbildungssystems und mehr Maßnahmen für Berufsperspektiven für junge Menschen. Hinzu sollte die Vorbeugung, Früherkennung und Versorgung von Menschen mit psychischen Problemen verbessert werden. Schließlich müsste die Situation in der Betreuung der älteren Generation einen Schwerpunkt der Bemühungen bilden. In der Arbeitswelt dringend notwendig: klare Regelungen für Home Office.

Der Psychiater: "Die Covid-Krise hat die bestehenden Probleme nicht hervorgebracht, sondern nur verstärkt und deutlicher aufgezeigt. Hoffentlich hat sie den Nutzen, dass die Probleme nun auch erkannt und ernsthaft angegangen werden."

Kommentare (6)

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hbratschi
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"kein spielen mit ängsten"...

...vollkommen richtig. aber wenn man sich hier die kommentare zum thema covid19 durchliest, dann hat man den eindruck manche "gieren" richtig nach den täglichen "horror"zahlen. ein "samro" zb kann gar nicht genug davon bekommen und wenn er sie mal übersieht oder ein bisserl "zu spät" entdeckt, kommt sofort sein einforderndes geheule: "wo sind die zahlen! in leoben soll es auch einen fall geben!". und die politik und die medien schüren das noch und füttern schön brav die "bedürftigen". als ob das ganze nicht eh auch ohne aufstachelei schon beschixxen genug wäre. verkehrte welt...🙈

tenke
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Und wer bitte schert sich um die schon lange chronisch psychisch Erkrankten??

Keinen interessiert es, keiner nimmt Rücksicht, keiner unterstützt. Und dann soll noch einer wagen zum Arzt zu gehen, sich zu "outen", wenn man schon von vorn herein den Stempel bekommt, unfähig zu sein, Misstrauen zu erwarten hat, man könnte ja doch nur simulieren...

Stony8762
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Solange die Betriebe für dich Förderungen bekommen, passt alles. Danach suchen sie förmlich nach einem Kündigungsgrund, den du ihnen mit einem Krankenstand natürlich selbst lieferst. Gekündigt wird über Nacht, ohne Vorwarnung, sogar mitten im Urlaub. Ist denen egal, weil schon der nächste wartet, um billig den Putzfetzen für sie zu machen. Simulanten geht's dabei deutlich besser.

erstdenkendannsprechen
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stimme zu, aber das ist ja auch teil des grundproblems:

wir leben in einer welt, in der alles "läuft", in der jeder funktionieren soll oder muss, um als "wertvoll" für die gesellschaft angesehen zu werden. kinder werden schon in der schule darauf vorbereitet: die wirtschaft sagt, wie du sein muss, was du können musst. schaff diesen standardisierten test, schneide bei diesem standarttest gut ab etc.
und vielfach ist es nicht das unvermögen der kinder oder dann erwachsenen - sondern der druck, der kaputt macht.
es wäre einfach schön, wenn es normal wäre, beim psychologen einzuchecken - so wie beim zahnarzt. regelmäßig. dass es zb. vom arbeitgeber erwünscht ist, wenn sich mitarbeiter oder künftige mitarbeiter um ihre psychische gesundheit kümmern.

guruguru
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Genau ...

... SO schaut's aus ... :-( :-( :-(

Schwertfisch
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Traurig ja

Aber wahr was sie da schreiben