Plötzlich wieder allein zu HausWie man Hunde ans Alleinebleiben gewöhnt

Herrchen verlässt das Homeoffice und Hund muss daheimbleiben – so manchem Vierbeiner gefällt das gar nicht. Wie es mit dem Alleinebleiben klappt.

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Die Inneneinrichtung „umzugestalten“ ist ein Anzeichen dafür, dass der Hund sich alleine zu Hause nicht wohlfühlt © zayatssv/stock.adobe.com
 

Herrchen und Frauchen mögen es nicht so empfunden haben – aber für Hunde war die Zeit von Homeoffice und Heimunterricht der reinste Himmel: Endlich sind meine Menschen viel zu Hause und ich muss nicht alleine bleiben! Aber der Alltag normalisiert sich wieder und plötzlich ist das Rudel tagsüber wieder ausgeflogen. „Viele Hunde neigen zu problematischem Verhalten, wenn sie jetzt plötzlich wieder Stunden alleine in der Wohnung zubringen sollen“, sagt Tiertrainer Thomas Hauser.

Prinzipiell haben Hunde größere Probleme damit, von ihren Besitzern alleine gelassen zu werden als beispielsweise Katzen. Sie sind Rudeltiere – die Angst, zurückgelassen zu werden, liegt in ihrer Natur. „Oft muss man als Halter sein Tier acht Stunden oder länger alleine lassen. Viele Hunde halten das sogar aus – „aber artgerecht ist das nicht“, sagt Hauser. Zwar ist jedes Tier anders, aber als Grundsatz gilt: „Wenn man im Vorhinein weiß, dass man ihn täglich bis zu sechs Stunden alleine in der Wohnung lassen muss, sollte man keinen Hund adoptieren.“

Die häufigsten Probleme, die allein gelassene Hunde verursachen, sind ein Zerstörungsdrang, dem Schuhe, Teppiche oder auch das ganze Sofa zum Opfer fallen können, Lautäußerungen wie Bellen, Kläffen oder Winseln und Unsauberkeit.

Wobei man bei Letzterem differenzieren muss: „Bei plötzlich auftretender Unsauberkeit sollte man einen Tierarzt aufsuchen“, sagt Hauser. „Bleibt der Hund aber in Gesellschaft über Stunden problemlos sauber und macht sofort in die Wohnung, wenn man ihn nur kurz alleine lässt, handelt es sich um Protest.“

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Die Ursachen dafür, dass manche Hunde selbst kurze Zeit schlecht alleine bleiben können, sind meist Kontrollzwang, Trennungsangst, mangelnde Auslastung oder eine Mischung daraus. „Um den Grund herauszufinden, muss der Halter seine eigene Stellung in der Gemeinschaft kritisch überprüfen“, sagt Hauser. Hunde reagieren nämlich vor allem dann mit Kontrollzwang, wenn ihnen ihre Stellung in der Gemeinschaft unklar ist: nämlich, dass sie nicht der Chef sind.

Viele Herrchen vermeiden es aus unbewusster (und völlig unbegründeter) Angst, weniger von ihrem vierbeinigen Freund geliebt zu werden, ihm Grenzen zu setzen – damit tut man dem Tier aber keinen Gefallen. „Im Gegenteil: Ein Hund, der seinen Halter führt, anstatt von ihm geführt zu werden, ist – von wenigen rassebedingten Ausnahmen abgesehen – permanent überfordert und leidet unter chronischem Stress“, sagt der Coach. Wichtig: Grenzen setzt man nicht mit Gewalt, sondern mit konsequenter Erziehung.

Kennt der Hund seine Stellung im Rudel und respektiert seinen Halter, liegt es oft an Trennungsangst, dass er es alleine nur schwer aushalten kann. Betroffene Tiere sind oft nicht gut sozialisiert und deutlich vor der achten Lebenswoche von ihrer Mutter getrennt worden. Adoptiert man ein älteres Tier, kann der Grund dafür auch in schmerzlichen Erfahrungen in seinem Vorleben liegen, über das man meist nicht viel weiß.

Oder es liegt an falscher Erziehung: „Wird auf die Verlassensängste eines Hundes mit demonstrativ zur Schau getragenem Mitleid reagiert, dann wird er damit in seinem Fehlverhalten bestärkt“, sagt der Experte. Korrigieren kann man das, indem man als Besitzer in solchen Situationen ruhig bleibt und das Jammern ignoriert. Bleibt der Hund gelassen, belohnt man sein Verhalten und weitet die Zeitspannen, die man ihn alleine lässt, in ganz kleinen Schritten aus. Beginnend bei einer halben Minute bis zu ein paar Stunden.

Liegt der Grund für die Trennungsangst in mangelnder Sozialisierung oder Erlebnissen in der Vergangenheit begründet, sind die Verhaltensprobleme oft so vielschichtig, dass man einen Hundetrainer zurate ziehen muss.

Oft liegt die Wurzel des Übels aber auch darin, dass der Hund nicht genügend oder artgerecht ausgelastet ist. „Man muss sich vor Augen halten, dass abgesehen von sogenannten Begleithunden alle Rassen für eine oder mehrere bestimmte Tätigkeiten selektiert wurden“, sagt Hauser. „Deshalb kann man einen intelligenten Australian Shepherd körperlich noch so gut auspowern, wenn man ihn geistig nicht fordert, ist er nicht ausgelastet.“ Umgekehrt kann man dem Laufdrang eines Dalmatiners nicht allein mit Intelligenzspielen beikommen.

Deshalb macht man sich am besten schlau, für welche Art von Aufgaben der eigene Hund gezüchtet wurde – daraus ergibt sich meist die passende Beschäftigung. Auch ein Mischling zeigt von Natur aus Neigungen für bestimmte Beschäftigungen, während ihn andere weniger interessieren.

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