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Frauen können TechnikFeilen, messen, kalkulieren

Noch immer finden sich in Österreich vergleichsweise wenige Frauen in technischen Berufen. Warum? Wie geht es jenen, die es gewagt und geschafft haben? Und was machen sie anders als ihre männlichen Kollegen?

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Hundert kurze Jahre ist es her, dass der Wiener sozialdemokratische Staatssekretär für Unterricht Otto Glöckel mit einem Erlass Frauen erlaubte, sich als ordentliche Hörerinnen an Österreichs technischen Hochschulen einzuschreiben. Im ersten Studienjahr, 1919/20, standen 5000 männlichen Studenten gerade einmal 20 mutige junge Frauen gegenüber. Heute zählen die österreichischen TUs ein knappes Viertel an weiblichen Studenten, Frauen verzeichnen einen merklichen, wenn auch zähen Fortschritt.

Dieser zeigt sich aber nicht in der gesamten Ausbildungspyramide. Schaut man auf die Statistiken, so bleiben die technisch geschulten Frauen in Österreich derzeit noch in der Minderheit. Vergleichsweise wenige Mädchen wählen einen technischen Lehrberuf. An den HTLs, den höheren technischen Lehranstalten, finden sich gerade einmal 14 Prozent Schülerinnen. Und eine Analyse der Frauen in Führungspositionen zeigt, dass unter den heimischen 100 Topmanagerinnen Juristinnen und Betriebswirtinnen dominieren, nur eine Handvoll von ihnen hat eine technische Ausbildung absolviert.

Wirtschaftsjournalist und Buchautor Reinhard Engel Foto ©

Zum Autor

Reinhard Engel arbeitet als freier Wirtschaftsjournalist und Autor in Wien. Er berichtet seit mehr als 25 Jahren als Korrespondent aus Mittelosteuropa für österreichische und internationale Medien. U. a.: The Economist, Die Zeit, Die Welt, „ Financial Times“. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, zuletzt „So funktioniert Digitalisierung“.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie reichen von klassischen Rollenbildern über hässliches Macho-Gehabe auf unterschiedlichsten Ebenen bis zu späteren institutionellen Hemmnissen wie Aufnahmetests nur durch männliche Recruiter oder fehlende Kinderbetreuung. Darüber hinaus hält sich nach wie vor im deutschsprachigen Raum ein bestimmtes, sehr männlich ausgerichtetes Bild vom Ingenieur.
Es ist ein Paradox: Die Unternehmen suchen verzweifelt quer durch die Branchen einschlägige Spezialisten und Spezialistinnen, bieten hohe Gehälter und gute Aufstiegschancen, aber nur wenige Frauen nehmen die Chance wahr.
Alina Absmeier mit ihrem Team Foto © Infineon Austria

Alina Absmeier...

... wurde in München geboren. Sie studierte an der TU Wien und bekleidet heute beim Chiphersteller Infineon in Villach in der Produktion eine leitende Funktion mit Verantwortung für 300 Mitarbeiter. Einen MBA absolvierte sie noch neben dem Job.

Und doch gibt es sie, die erfolgreichen Technikerinnen, auf allen Ebenen und quer durch die Branchen und Bundesländer. Frauen, die es trotz unterschiedlichster Schwierigkeiten geschafft haben; die über Bremsversuche von Eltern oder Lehrern hinweg ein technisches Studium wagten; die sich in weitgehend männlichen Umgebungen selbstbewusst durchsetzen; die Freude an Technik haben, Verständnis für komplexe Zusammenhänge, Probleme nicht nur erkennen wollen, sondern auch lösen.
Montanistin Martina Hanel in ihrem Büro in Leoben Foto © Reinhard Engel

Martina Hanel...

... ist promovierte Montanistin und arbeitet in ihrer Heimatstadt Leoben in einem Ingenieurbüro. Aber eigentlich ist ihr Arbeitsplatz auch in Kanada und Japan, in den USA und in Deutschland. Dort baut sie Anlagen, dort hält sie Vorträge auf internationalen Kongressen.

Die Vielfalt ist beeindruckend. Sie reicht von jungen Frauen, die täglich routiniert mit dem Schweißgerät umgehen, bis zur Bühnen- und Kostümausstatterin bei den Salzburger Festspielen; von der Motorenentwicklerin in Steyr bis zur Lokführerin im ländlichen Niederösterreich; von der FH-Studentin für Robotik in Wiener Neustadt bis zur Architektin in Vorarlberg, die zarte Holzhäuser in der Landschaft schweben lässt. 

Neben der Vielfalt gibt es einige Gemeinsamkeiten, die diese Frauen miteinander verbinden: Die Technikerinnen kennen sich auch mit wirtschaftlichen Zahlen aus. Ihr ökonomisches Wissen liegt deutlich über dem österreichischen Schnitt, was Frauen wie Männer betrifft. Denn technische Lösungen gibt es nicht zum Nulltarif: Sie können teuer oder billig sein, kurzfristig oder langlebig, auf jeden Fall müssen sie kalkuliert werden.

Aufsteigerinnen

Die Ingenieurinnen leben international, ihre Produkte und Dienstleistungen verkaufen sie auf dem Weltmarkt (siehe Kasten: Steirerinnen und Kärntnerinnen) global. Viele der Frauen sind Aufsteigerinnen. Sie waren in ihren Familien oft die Ersten mit einem höheren Schulabschluss, die Ersten mit einem Studium. Sie haben sich etwas zugetraut und etwas geschafft, die Grundstimmung ist handfest optimistisch, anders als in der wiederholt beschriebenen Blase von der zerbröckelnden Mittelschicht, wo es den nächsten Generationen angeblich nur schlechter gehen kann.

Diese Frauen denken und handeln auch ökologisch verantwortungsvoll. Brachiale Lösungen, die nur die Wirtschaftlichkeit optimieren, gehen bei ihnen nicht mehr durch. Und schließlich zeigen sie Solidarität. Natürlich mussten sie sich oft gegen zähe Widerstände durchsetzen, immer wieder allein behaupten, neue Wege wagen. Aber sie versuchen, anderen jungen Frauen dabei zu helfen, damit diese es heute wenigstens etwas leichter haben.

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Buchtipp

„Frauen können Technik. Portraits und Reportagen aus Österreich“. Verlag Kremayr & Scheriau. 176 Seiten, 24 Euro

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