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Listerien & Co. 23 Menschen starben in Österreich durch Keime in Lebensmitteln

Österreicher haben zu viel Angst vor Pestiziden und zu wenig Bewusstsein dafür, dass Keime auf Lebensmitteln lauern.

Salmonellen, Listerien: So gefährlich sind Keime im Essen
Salmonellen, Listerien: So gefährlich sind Keime im Essen © AP
 

Kühlen, waschen, kochen und genießen: Leider wird diese Abfolge beim Essen nicht immer eingehalten. Dem Genuss folgen dann Durchfall und Erbrechen, verursacht durch Keime. Die AGES, Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, sucht in ihrer Niederlassung in Graz nach Erregern in Lebensmitteln und warnt vor falscher Handhabe. 2018 starben daran in Österreich 23 Menschen.

"Wie wir aus Umfragen wissen, schenken die Menschen in Österreich dem Risiko von Krankheitserregern in Lebensmitteln wenig Beachtung", sagt Thomas Kickinger, Geschäftsführer der AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH. Der Prävention von lebensmittelbedingten Infektionen durch gezielte Überwachungsprogramme und Untersuchungen komme daher besondere Bedeutung zu.

2018 sind in Österreich 27 Fälle von Erkrankungen aufgrund von Listerien gemeldet worden. Acht davon gingen tödlich aus. Die Sterblichkeit liegt bei 20 bis 30 Prozent, warnten die Experten. "Der Konsument ist kaum an mit Listerien verseuchten Produkten schuld, aber die potenziell gefährlichen Waren wie Weichkäse oder roher Lachs müssen sehr kühl gelagert werden", erklärten die Wissenschafter.

Der Kühlschrank sollte vier Grad Celsius und nicht nur zehn Grad Celsius kalt sein. Aufgrund der Schwere der Krankheit bei Listerien ist die Dunkelziffer gering.

Campylobacter: In Geflügel

Anders ist das allerdings bei Campylobacter: Der Erreger ist häufig im Darm von Geflügel zu finden und kann sich bei der Verarbeitung auch auf das Fleisch übertragen. Wird rohes Huhn zum Kochen vorbereitet und danach etwa der Salat gemacht, können sich die Keime übertragen. Infiziert sich der Mensch, bekommt er meist Durchfall.

Doch viele gehen deswegen gar nicht zum Arzt, weshalb die Dunkelziffer bei Campylobacter sehr hoch ist. 2018 gab es in Österreich 7.982 gemeldete Fälle, sechs davon endeten mit dem Tod des Patienten. Tatsächlich dürfte es laut den Experten etwa 40.000 bis 80.000 Erkrankungen pro Jahr geben.

Salmonellen: Hohe Dunkelziffer

Bei Salmonellen ist die Dunkelziffer fünf bis zehn Mal höher als die gemeldeten Fälle: Im Vorjahr waren es 1.533, wovon fünf letale Folgen hatten. Besonders die Infektion mit Salmonellen ist allerdings im vergangenen Jahrzehnt stark zurückgegangen. Zum einen durch bessere Hygiene, zum anderen aber auch deshalb, weil alle Legehennen in der EU mittlerweile dagegen geimpft werden.

Am Norovirus sind 2018 in Österreich 1.572 Menschen laut Statistik erkrankt, vier davon starben daran.

Laut AGES ist das Bewusstsein in der Bevölkerung noch immer nicht sonderlich groß, dass kaum Pestizidrückstände und dergleichen für Todesfälle sorgen, sondern die übertragenen Viren und Bakterien. Durch richtige Lagerung, getrennte Küchenutensilien, ordentliches Waschen, Überprüfung von Ware und Verpackung sowie das ausreichende Kochen von Speisen können viele Erreger umgangen oder abgetötet werden.

52 Ausbrüche in Österreich

Erkranken zwei oder mehr Personen an einem identen Erreger, spricht man von einem Ausbruch. Im Jahr 2018 wurden österreichweit 52 lebensmittelbedingte Ausbrüche gemeldet. Im Zusammenhang mit den 52 Ausbrüchen sind 222 Personen erkrankt.

"Bei einzelnen Erkrankungen ist es in der Regel nicht möglich, das Lebensmittel zu finden, das die Ursache der Krankheit ist. Erkranken mehrere Personen, ist die Chance höher", sagt Ulrich Herzog, Leiter Verbrauchergesundheit im Gesundheitsministerium und oberster Tierarzt in Österreich. Bei Verdacht auf einen lebensmittelbedingten Krankheitsausbruch beauftragt das Gesundheitsministerium die AGES mit der Abklärung; diese erfolgt in Kooperation mit Ministerium und Landesbehörden.

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