Wir brauen langsam, aber wir arbeiten sehr, sehr schnell“, lacht Nikolaus Riegler und beantwortet damit die gleich zu Beginn provokant gestellte Frage. „Es ist eigentlich wie beim Brotbacken“, schmunzelt der Hirter-Chef. „Gutes Brot profitiert von jeder Minute mehr Zeit, die man ihm gewährt, um zu reifen und sein Aroma zu entfalten.“ Das hat bestimmt jeder schon einmal festgestellt, der in ein herzhaftes Stück Sauerteigbrot gebissen hat. Zeit ist Geschmack. So einfach kann das sein. Nur diese Zeit muss man sich in der heutigen Zeit erst einmal nehmen. 

Geprüft wird beim „Slow Brewing“-Gütesiegel unter anderem die Rohstoffqualität.
Geprüft wird beim „Slow Brewing“-Gütesiegel unter anderem die Rohstoffqualität. © Weichselbraun Helmuth

Das Brauen mit Zeit ist auch die gelebte Philosophie von „Slow Brewing“. Gute und nachhaltige produzierte Lebensmittel statt ungesundem Fast Food. Die Slow-Food-Bewegung wächst und gewinnt immer mehr an Bedeutung. Natürlich auch auf dem Getränkesektor. Aber was bedeutet „Slow Brewing“ im Detail? „Auf den Punkt gebracht, geht es darum, dass echte Biergenießer keinen künstlich geschaffenen Einheitsgeschmack, sondern besondere, herausragende Biere von bester Qualität wollen“, erklärt Nikolaus Riegler. 

Slow Brewing steht für traditionelle Brauverfahren mit höchstem brauwissenschaftlichen Know-how und modernster Produktionstechnik.
Slow Brewing steht für traditionelle Brauverfahren mit höchstem brauwissenschaftlichen Know-how und modernster Produktionstechnik. © Weichselbraun Helmuth

Er ist einer der beiden Geschäftsführer der Privatbrauerei Hirt. Seit 2014 ist der Betrieb Mitglied der Slow Brewer. „Diese Vereinigung kontrolliert von den reinen Zutaten bis hin zur individuellen Bierspezialität sämtliche Schritte der Bierherstellung.“ 31 Brauereien gehören dieser Vereinigung in Deutschland, Italien,​​ Österreich, der Schweiz und den Niederlanden an. Nur vier davon stammen aus Österreich. „Als wir uns vor zehn Jahren entschieden haben beizutreten, mussten wir eigentlich gar nicht viel adaptieren“, freut sich Riegler auch heute noch sichtlich über die tollen Voraussetzungen des Kärntner Betriebs. „Bestimmt mehr als 85 Prozent der Anforderungen konnten wir Dank der tollen Arbeit unseres Braumeisters Raimund Linzer bereits vorweisen.“

Slow Brewing geht über die Kontrolle der Bierqualität hinaus und bewertet auch die Brauerei. Es werden ausschließlich Unternehmen zertifiziert, die in allen Bereichen ihrer Wertschöpfungskette fair und bewusst agieren.
Slow Brewing geht über die Kontrolle der Bierqualität hinaus und bewertet auch die Brauerei. Es werden ausschließlich Unternehmen zertifiziert, die in allen Bereichen ihrer Wertschöpfungskette fair und bewusst agieren. © Weichselbraun Helmuth

Beim „Slow Brewing“ werden sowohl die Biere als auch die herstellenden Brauereien geprüft. Zertifiziert werden dabei Rohstoffqualität und Lebensmittelsicherheit, Qualität der Brauweise, Qualitätsmanagement, aber auch der hohe Standard bei Unternehmensführung und -kultur. Das strenge Audit umfasst mehr als 900 Fragen, die von den unabhängigen Experten des Slow Brewing Instituts wissenschaftlich fundiert entwickelt und definiert wurden. Im Brauprozess und in der Produktion müssen unzählige Verbote eingehalten werden, die man online nachlesen kann. Zwei der wichtigsten Punkte pickt der Hirter-Chef jedoch heraus: „Kein Brauen mit erhöhter Stammwürze und anschließender Verdünnung mit Wasser, also sogenanntes ,High Gravity Brewing‘. Und keine beschleunigten Gär- und Reifungsverfahren.“

„Wir verwenden nur das beste Bergquellwasser und sorgfältig ausgewählte Gerste aus der Region, um sicherzustellen, dass unser Bier authentisch und vollmundig ist“, so Braumeister Raimund Linzer.
„Wir verwenden nur das beste Bergquellwasser und sorgfältig ausgewählte Gerste aus der Region, um sicherzustellen, dass unser Bier authentisch und vollmundig ist“, so Braumeister Raimund Linzer. © Weichselbraun Helmuth

Womit wir wieder beim wichtigen Faktor Zeit wären. „Im Gegensatz zu einer beschleunigten industriellen Massenproduktion setzen wir auf langsame Gärung und schonende Reifung und geben den Bieren somit die Zeit, die sie brauchen“, verdeutlicht Riegler den Unterschied zu so mancher Konkurrenz. Und das wirkt sich selbstredend auf den Geschmack aus. Bei der Verkostung eines naturbelassenen Zwickelbieres frisch aus dem Tank schmeckt man das sofort: vollmundig, mit rundem und süffigem Abgang. So gut, dass man das langsam gebraute Bier auch gerne langsam genießt.

Frisch vom Tank schmeckt das Naturzwickl am besten: „Hirter-Chef Riegler und Braumeister Linzer beim Verkosten“.
Frisch vom Tank schmeckt das Naturzwickl am besten: „Hirter-Chef Riegler und Braumeister Linzer beim Verkosten“. © Weichselbraun Helmuth