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Sommergespräch"Eine gewisse Egozentrik braucht man für diesen Job"

Johannes Zeiler ist aktuell in der Rolle als Helmut Zilk im Film „Deckname Holec“ zu sehen. Der Schauspieler, der in Hartberg aufgewachsen ist, im Sommergespräch zu seinem Beruf.

Die Rolle als Helmut Zilk im Film „Deckname Holec“ sei eine wunderbare Spielwiese für einen Schauspieler, sagt Johannes Zeiler © APA/ROBERT JAEGER
 

Was war Ihr erster Gedanke, als Ihnen die Hauptrolle als Helmut Zilk im Film „Deckname Holec“ angeboten wurde?

JOHANNES ZEILER: Angeboten bekommt man keine Rolle, sondern ein ganzes Drehbuch. Die Story hat mich sofort überzeugt, da sie spannend erzählt ist. Die Person Zilk selbst ist sehr facettenreich beschrieben: Macho, Lebemann, Machtmensch und Zweifler. Eine wunderbare Spielwiese also für einen Schauspieler.

„Helmut Zilk hat es wegen der Mädels gemacht“ sagte Regisseur und Drehbuchschreiber Franz Novotny. War es Ihrer Meinung nach der süße Duft der Frauen, die persönliche Eitelkeit oder der Lockruf des Geldes, die Zilk zum Spion für den tschechoslowakischen Geheimdienst werden ließen?

ZEILER: Dass Zilk ein Womanizer war, ist hinlänglich bekannt. Einerseits war es wohl das Geld, das ihn in die Arme des Geheimdienstes getrieben hat. Andererseits hat er sich von diesen Seilschaften hinter dem Eisernen Vorhang wahrscheinlich einen Nutzen für seine Berufskarriere versprochen, indem er dadurch auch in Prag seine Stadtgespräche – eine ORF-Livesendung – machen konnte. Außerdem muss es ein prickelndes Gefühl für ihn gewesen sein, ein solches Doppelleben zu führen, auch wenn er als Spion nichts Bedeutsames übermittelt hat.

Zur Person

Johannes Zeiler kam am 29. April 1970 in Vorau zur Welt. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Hartberg.

Zeiler studierte Germanistik und Geschichte in Graz und absolvierte ein Schauspielstudium am Max-Reinhardt-Seminar Wien.

Derzeit ist er im Spielfilm „Deckname Holec“ in der Hauptrolle als Helmut Zilk zu sehen.

Politikern und Schauspielern sagt man nach, ein gewisses Maß an Eitelkeit zu pflegen. Wie ist das bei Ihnen?

ZEILER: Eine gewisse Egozentrik braucht man einfach für diesen Job. Man muss aber tunlichst aufpassen, dass diese nicht ins Alltagsleben hineinspielt. Ich bin bemüht, das eine vom anderen zu trennen.

Sie scheinen der schauspielerische Prototyp für die Verkörperung von Spitzenpolitikern zu sein. Am Wiener Schauspielhaus spielten Sie im Stück „Kreisky – wer sonst?“ den legendären österreichischen Bundeskanzler. In welcher der beiden Rollen, Kreisky oder Zilk, haben Sie sich stärker wiedererkannt?

ZEILER: Beide Charaktere sind eigentlich weit entfernt von mir. Das hat den Vorteil, aus einer gewissen Distanz besser und genauer darauf schauen zu können, was das Innere von den beiden charismatischen Persönlichkeiten ist. Gemeinsam war ihnen der Wille zur Macht, um entscheiden und lenken zu können. Es zeichnete sie ein unglaubliches Kommunikationstalent aus. Als Schauspieler musste ich sie interpretieren und nicht bloß nachspielen.

 

Manchmal würde ich gerne gewissen Leuten auf die Finger klopfen und sie bezüglich ihres Verhaltens im Straßenverkehr zurechtweisen. 

Johannes Zeiler

Bei der TV-Serie „CopStories“ sind Sie als Oberst Bergfeld rund um den Yppenplatz im Wiener Multikulti-Bezirk Ottakring im Polizeieinsatz. Wie sehr können Sie sich mit dieser filmischen Schnüfflertätigkeit identifizieren?

ZEILER: (lacht) Manchmal würde ich gerne gewissen Leuten auf die Finger klopfen und sie bezüglich ihres Verhaltens im Straßenverkehr zurechtweisen. Da kommt so ein kleiner Polizist bei mir raus. Das war’s auch schon wieder.

Ist durch diese Serie – die dritte und vierte Staffel werden vom ORF erst ausgestrahlt – Ihr Gesicht in der Öffentlichkeit bereits so bekannt, dass Sie zuweilen in Ihrer Wahlheimtat Wien auch auf offener Straße angesprochen werden?

ZEILER: Ja, das passiert mir immer wieder. Da bekommt man von fremden Menschen Sätze zu hören wie: „Gut gemacht, Herr Oberst!“ oder „Gestern hätte ich Sie dringend brauchen können.“ In den Augen dieser Leute bin ich der „Kiwara“. Ich sehe das als Bestätigung für meine Arbeit. Zum Glück geht das nicht soweit, sich nirgends mehr hinsetzen zu können, ohne angesprochen zu werden. Das wäre dann lästig.

Die Faust-Verfilmung von Alexander Sokurov, in der Sie die Hauptrolle spielten, wurde 2011 bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Wie karriereförderlich war diese Auszeichnung?

ZEILER: Vor allem in Österreich habe ich dadurch viel Aufmerksamkeit bekommen. Das war zweifelsohne sehr förderlich für das Engagement bei den „CopStories“. Die Rollenangebote beim Film und im Fernsehen sind von diesem Zeitpunkt an deutlich mehr geworden.

„Schuhe sind das Wichtigste“, haben Sie einmal in einem Interview gesagt. Welchen Stellenwert haben für Sie Schuhe?

ZEILER: Diese Aussage bezieht sich auf den Film. Es ist sehr wichtig, wie eine Figur mit dem Boden verbunden ist. Von der Fußsohle her baut sich eine Persönlichkeit auf. In der Zilk-Rolle habe ich sehr elegante Herrenschuhe mit harter Ledersohle getragen. Ich selbst besitze ein Paar handgefertigte Maßschuhe. Ich habe diese im Theater als Kreisky-Darsteller getragen. Sie sind faktisch mein Kreisky-Erbe. Der ehemalige Bundeskanzler war bekannt dafür, edles Schuhwerk zu tragen. Ich selbst laufe privat auch mit Sneakers herum.

Sie sind zweifacher Familienvater. Was würden Sie Ihren zwei Töchtern - beide noch Schülerinnen - raten, wenn Sie den Wunsch äußern würden, in die väterlichen Fußstapfen treten zu wollen und Schauspielerinnen zu werden?

ZEILER: „Macht das nur, wenn ihr es hundertprozentig wollt!“ Es ist nämlich ein Job, der einem sehr viel abverlangt und mit vielen Unsicherheiten verbunden ist. Man weiß nie, wie es längerfristig weitergeht. Die Schauspielerei ist eine extreme Art von Leben, die kein Zurücklehnen erlaubt. Man muss sehr viel geben, bekommt dafür aber auch von den Zusehern unglaublich viel zurück. Grundvoraussetzung ist eine tiefe Leidenschaft. Die macht es einem leichter, die nötigen Opfer zu bringen.

Stehen in nächster Zeit neue Filmprojekte für Sie an?

ZEILER: Im Herbst starten die Dreharbeiten für den Spielfilm „Die Ketzerbraut“. Er handelt von der Gegenreformation in Bayern. Ich spiele darin den Vater der rebellischen Braut. Außerdem wird bei den „CopStories“ eine weitere 90-minütiges Special gedreht.

In Hartberg haben Sie Kindheit und Jugend verbracht. Kommen Sie noch ab und zu hierher zurück?

ZEILER: Ich bin noch mit einigen guten Freunden aus meiner Jugend in Hartberg in Kontakt. Bei passender Gelegenheit komme ich wieder auf einen Kurzbesuch hierher.

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