Der große, mit 10.000 Euro dotierte Literaturpreis des Landes Steiermark geht an Radka Denemarková. Das gab die Steiermärkische Landesregierung am Freitag bekannt und folgt damit den Empfehlungen einer Fachjury. Die tschechische Autorin, Dramatikerin, Drehbuchautorin und Übersetzerin war 2017/18 Grazer Stadtschreiberin, 2021 "writer in residence" der Kulturinitiative Kürbis Wies und ist eng mit der steirischen Literaturlandschaft verbunden. Zuletzt erschien die deutsche Übersetzung ihres Romans "Stunden aus Blei". Denemarková folgt Günter Eichberger nach, der 2020 ausgezeichnet wurde. Das Lichtungen-Lyrik-Stipendium geht heuer an Luca Manuel Kieser (Jury: "Hier sitzt jede Silbe, jedes Wort"). 

Die Jury würdigt Denemarková als eine "dezidiert politische Schriftstellerin", die eine Poetik der Menschlichkeit vertritt und das mit enormer literarischer Qualität: "Kompromisslosigkeit geht dabei mit die Umstände stets aufs Neue prüfender Reflexion einher: eine Verbindung, die sowohl in sprachlicher Brillanz als auch inhaltlicher Tiefe zutage tritt."

Bezug auf den Krieg in der Ukraine nimmt das mit 5000 Euro dotierte Literaturstipendium, das an die ukrainische Übersetzerin Chrystyna Nazarkewytsch geht. Die Lebensgefährtin des ehemaligen und 2009 verstorbenen Grazer Stadtschreibers Nasar Hontschar wird von der Jury als "Kulturvermittlerin" gewürdigt: "Mit dem Vorschlag, Chrystyna Nazarkewytsch das Literaturstipendium zuzuerkennen, würdigt die Jury ihre bisherige Arbeit, die stets im Zeichen der Verständigung und Vermittlung stand, zugleich möchte sie Chrystyna Nazarkewytsch explizit auffordern bzw. bestärken, weiterhin aus der Ukraine zu berichten. Auf die Frage, was der Westen tun könne, antwortete sie, der Westen könne damit beginnen, genauer zuzuhören. Dieses Stipendium soll dazu beitragen", heißt es in der Jurybegründung. Konkret ist eine Plattform angedacht, über die Nazarkewytsch, die aktuell noch in der Ukraine verweilt, literarisch ihre Eindrücke von der russischen Invasion verarbeiten kann.

Kulturlandesrat Christopher Drexler bedankt sich bei den Preisträgern für das "gesellschaftliche Engagement und ihr inspirierendes künstlerisches Wirken". Die Auszeichnungen sollen einerseits Wertschätzung zum Ausdruck bringen, andererseits "aufstrebende Literatinnen und Literaten einladen und motivieren, uns weiterhin mit ihren Texten zu bereichern", heißt es einer Aussendung.