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Heute Serienstart"The Romanoffs": Ach wie schön, Sie sind adelig!

Sie sind Nachfahren oder doch nicht oder werden es nie sein: Das russische Adelsgeschlecht "Romanows" ist für Mad-Men-Erfinder Matthew Weiners der rote Faden für eine neue Serie.

Aaron Eckert und Marthe Keller in der ersten Folge von "The Romanoffs"
Aaron Eckert und Marthe Keller in der ersten Folge von "The Romanoffs" © Amazon/Chris Raphael
 

 Eine märchenhafte Liebesbeziehung, ein fataler Seitensprung oder ein gruseliger Dreh mit Folgen: In Matthew Weiners neuer Serie "The Romanoffs", die der "Mad Men"-Erfinder für Amazon Prime Video entwickelt hat, dreht sich zwar alles um (angebliche) Nachfahren der Zarenfamilie. Doch die acht Episoden könnten unterschiedlicher nicht sein. Dienstagabend fand die Weltpremiere in London statt.

Im Curzon-Mayfair-Kino wurde der rote Teppich für Drehbuchautor und Regisseur Weiner (53) sowie die Stars seiner Auftaktfolge ausgerollt. Bereits untertags gab der Filmemacher bereitwillig Auskunft über sein jüngstes Baby, das regulär am 12. Oktober starten wird. "Mir war wichtig, dass wir einen Wochenrhythmus einhalten", erklärte er vor Journalisten. "Wir beginnen mit einer Doppelfolge, aber dann gibt es jeweils eine Episode. Früher gab es eine Zeit, als Fernsehen gemeinschaftlich ablief. Und dazu wollte ich wieder zurück. Glücklicherweise war Amazon demgegenüber offen."

Der Internetgigant setzt aktuell alles daran, mit seinem Film- und Serienangebot zu Konkurrenten wie Netflix aufzuschließen. Das beweisen auch die am Dienstag von Jennifer Salke, seit dem Frühjahr Chefin von Amazon Studios, vorgestellten Produktionen: Etwa das deutsche Format "Beat" über das Berliner Nachtleben mit einem guten Schuss Crime (Idee: Marco Kreuzpaintner), die zweite Staffel der jüngst bei den Emmys so erfolgreichen "Marvelous Mrs. Maisel" oder der Exklusivvertrag mit Autor Neil Gaiman, der mehrere Projekte entwickeln soll. Das hochkarätig besetzte "Good Omens" ist ja bereits unter Dach und Fach. Im Fantasysektor ist außerdem "Das Rad der Zeit" nach dem gleichnamigen Romanzyklus von Robert Jordan angesiedelt.

Aber zurück zu den "Romanoffs": Wer Weiners Arbeit kennt und schätzt, der wird auch hier fündig. Mit größter Sorgfalt und Ruhe werden Charaktere eingeführt, Abhängigkeiten etabliert, Unterschwelliges angedeutet. Zum Auftakt ("The Voilet Hour") darf die Schweizer Schauspielerin Marthe Keller als hochnäsige Pariser Dame all ihre Bosheit ausspielen. "Sie ist so böse, so rassistisch, so bourgeois und französisch", fasste sie ihre Figur zusammen. "Das fühlte sich beinahe wie eine Entgiftung an." Ihr gegenüber steht die junge Muslima Hajar (Ines Melab), die die ziemlich hypochondrisch veranlagte Frau betreut - und dabei ihrem Neffen Greg (Aaron Eckhart) näher kommt. All das geschieht vor dem romantisch-kitschigen Hintergrund der französischen Hauptstadt - kein Wunder, dass Weiner da selbst von einem "Märchen" spricht.

Und der Romanow-Konnex? Ist zwar sehr deutlich vorhanden (die von Keller porträtierte Figur gibt an, eine direkte Nachfahrin zu sein), bleibt letztlich aber eher verbindendes Vehikel für das, was noch kommen soll, als dass sich die eigentliche Geschichte dadurch maßgeblich weiterdreht. Stattdessen hat Weiner sein Faible für klassisches, ja geradezu altmodisches Erzählen, das auch bei "Mad Men" mehrfach zum Vorschein kam, noch deutlicher in den Vordergrund gerückt. "Die Romanows sind ja beinahe wie ein eigenes Genre", erklärte er. "Es gibt so viele Filme über die Familie, über Rasputin. Ihre Geschichte ist auch eine von Überlebenden. Und das fühlt sich heute noch relevant an."

 

Überleben ist auch ein Stichwort für die zweite Episode ("The Royal We"), die ebenfalls Freitag in einer Woche bei Amazon abrufbar sein wird. Darin verstrickt sich Corey Stroll in eine verhängnisvolle Affäre, während seine Frau (dargestellt von Kerry Bishe) auf eine besondere Kreuzfahrt geht. Diese präsentiert sich nämlich als eine Art Klassentreffen für die offenbar weit verstreute Romanow-Sippe, der auch ihr Mann angehört. Da wie dort läuft aber nicht alles so, wie man es sich erwartet. Für Kitsch und Emotionen ist dank reichlich großer Gesten, altbekannter Klischees und einiger absurder Einfälle trotzdem genug Platz.

Dass seine Handlungen so weit voneinander entfernt sind, ist für Weiner völlig in Ordnung. "Es war sehr hilfreich, dass es 'Black Mirror' gibt", verwies er auf die Sci-Fi-Anthologie-Serie von Charlie Booker. "Die Leute werden vielleicht eine Folge mehr mögen als die andere, aber das ist okay. Was essenziell ist: Du brauchst ein unglaubliches Drehbuchteam, einen großartigen Produzenten und viele Ideen. Wenn es dann ans Drehen geht, kannst du von diesen tollen Geschichten zehren. Was mir dabei aber besonders gefällt, ist die Tatsache, dass wir ein Ende haben - immer. Das ist bei Serien ja nicht unbedingt üblich."

Tatsächlich lassen sich die Folgen von "The Romanoffs" völlig unabhängig voneinander genießen, Querverweise sind - bis auf ein paar gute versteckte Besonderheiten - kaum vorhanden und auch die Reihenfolge kann beliebig ausgetauscht werden. Unterschiedliche Orte, verschiedene Sprachen, ausdifferenzierte Genres: An Ambition mangelt es Weiner jedenfalls nicht. "Acht Filme zu schreiben, das ist verdammt hart. Aber alle fünf Wochen einen Film zu drehen? Das war leicht", lachte er. "Einfach weil wir ein verdammt großartiges Team haben." Und so ergibt sich ein auf höchstem Level exekutiertes Serienexperiment, bei dem nicht jede Idee zündet und für das man auch entsprechend Muße mitbringen muss. Andererseits steht dafür bei "The Romanoffs" einiges zur Auswahl.

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