Es hat beinahe schon royale Züge der immerwährenden Ewigkeit angenommen: Wann auch immer "The Crown" (Netflix) in den letzten Jahren bei den Golden Globes nominiert war, räumte man entweder den Preis für das beste Drama oder zumindest in den Schauspielerinnen- und Schauspielerkategorien ab. Damit ist nun Schluss. Viermal war die fünfte Staffel der royalen Serie rund um das Leben von Queen Elizabeth II. nominiert – und ging komplett leer aus. Die britische Monarchie, so könnte man zynisch sagen, hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Ganz von ungefähr kommt das aber nicht, denn mit der fünften Staffel ging, wie üblich, ein kompletter Austausch der Besetzung vonstatten. Imelda Staunton schlüpfte in die Rolle der Queen, Elizabeth Debicki übernahm die Rolle von Lady Diana. Und wie die fünfte Staffel selbst, konnten auch die neuen Darsteller und Darstellerinnen nicht vollends überzeugen.

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Den Sieg in der Königsklasse "Bestes Drama" holte sich dafür eine andere royale Familie, in der es jedoch nicht weniger dramatisch zugeht: das "Game of Thrones"-Prequel "House of the Dragon" von HBO (Sky). Die Saga rund um das Haus Targaryen, stand Ende des Jahres auf vielen Listen der besten Serien 2022. Zumindest eine Tradition setzt sich fort: Wie bei "The Crown" geben auch hier die Frauen den Ton an. Ein fulminantes und intensives Spektakel, das jedoch in Sachen Nominierungsflut "Game of Thrones" nicht das Wasser reichen kann. Nur zweimal war die Serie überhaupt nominiert. Aber fragen Sie mal nach, wie es Amazon geht: Die bislang teuerste Serie überhaupt, "Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht" (Amazon Prime) wurde kein einziges Mal für einen Golden Globe nominiert. Es gibt also zwar große und sehr teure Produktionen, aber der klassische Überflieger – wie etwa "Game of Thrones", die mit zehn oder noch mehr Nominierungen ins Rennen gingen, ist nicht in Sicht. Nur eine Serie konnte bislang diese Tradition noch hochhalten: "Succession", deren dritte Staffel aber 2021 erschienen ist.

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Große Freude über das große Drama: Emma D'Arcy, Miguel Sapochnik und Milly Alcock freuen sich über die Auszeichnung für "House of the Dragon"
© (c) APA/AFP/FREDERIC J. BROWN (FREDERIC J. BROWN)

Und doch gibt es zumindest einen ganz großen Sieger, der schon bei den Nominierungen das Feld von hinten aufgerollt hat: Die Serie "Abbott Elementary" (Disney+) ging mit fünf Nominierungen an der Spitze ins Rennen. Geholt hat man sich drei Globes in den Topkategorien: "Beste Serie" im Musical/Comedy-Sektor und in der gleichen Kategorie auch beste Hauptdarstellerin (Quinta Brunson) und bester Nebendarsteller (Tyler James Williams). Es sind nicht die großen Dramen, die derzeit Hochkonjunktur haben, die epischen Erzählungen, sondern die scheinbar leichtfüßigen Comedy-Serien, die jedoch mit viel Verve aktuelle Themen aufgreifen. Geht es in "Abbott Elementary" doch um eine chronisch unterfinanzierte US-Schule, deren Lehrerinnen und Lehrer das Heft im wahrsten Sinne des Wortes selbst in die Hand nehmen. Reichte es bei den Emmys zuletzt nur für Auszeichnungen in Drehbuch- und Nebendarsteller-Kategorien, so hat sich das Blatt nun für die Serie gewendet.

Ein Topfavorit mit vier Nominierungen war auch die zweite Staffel der Serie "The White Lotus". Ein herrliches Psychogramm reicher Snobs und emotionaler Wracks in allerprächtigster Urlaubsumgebung. Ein Sittenbild der oberen Zehntausend mit Witz und Tiefgang. Gereicht hat es für zwei Auszeichnungen, darunter den Sieg in der Kategorie "Miniserie". Jennifer Coolidge holte sich in der gleichen Kategorie die Auszeichnung als beste Schauspielerin, F. Murray Abraham die Trophäe in dieser Kategorie als bester Nebenschauspieler.

Apropos bester Schauspieler: Den Sieg holte sich Jeremy Allen White für seine Performance in der Serie "The Bear" (Disney+) über einen jungen Koch mit großen Ambitionen. Viel gelobt wurde die Serie auch aufgrund ihres authentischen Einblicks in den Alltag einer Restaurantküche. Leider leer ausgegangen ist die Apple TV+-Serie "The Severance" über eine mysteriöse Firma, die durch einen Eingriff ins Hirn im Bewusstsein der Menschen das Privat- und Arbeitsleben voneinander trennt. Eine Serie am Punkt, die eine optimierte und normierte Leistungsgesellschaft gekonnt überzeichnet.

Die Seriengewinner im Überblick:

Beste TV-Serie – Drama
Better Call Saul
The Crown
Gewinner: House of the Dragon
Ozark
Severance

Beste Hauptdarstellerin in einer Drama-Serie
Emma D'Arcy, House of the Dragon
Laura Linney, Ozark
Imelda Staunton, The Crown
Hilary Swank, Alaska Daily
Gewinnerin: Zendaya, Euphoria

Bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie
Jeff Bridges, The Old Man
Gewinner: Kevin Costner, Yellowstone
Diego Luna, Andor
Bob Odenkirk, Better Call Saul
Adam Scott, Severance

Beste Serie Musical oder Comedy
Gewinner: Abbott Elementary
The Bear
Hacks
Only Murders in the Building
Wednesday

Beste Darstellerin in Musical oder Comedy
Gewinnerin: Quinta Brunson, Abbott Elementary
Kaley Cuoco, The Flight Attendant
Selena Gomez, Only Murders in the Building
Jenna Ortega, Wednesday
Jean Smart, Hacks

Bester Darsteller in Musical oder Comedy
Donald Glover, Atlanta
Bill Hader, Barry
Steve Martin, Only Murders in the Building
Martin Short, Only Murders in the Building
Gewinner: Jeremy Allen White, The Bear

Bester Nebendarsteller in einem Drama, einer Musical- oder Comedyserie
John Lithgow, The Old Man
Jonathan Pryce, The Crown
John Turturro, Severance
Gewinner: Tyler James Williams, Abbott Elementary
Henry Winkler, Barry

Beste Nebendarstellerin in einem Drama, einer Musical- oder Comedyserie
Elizabeth Debicki, The Crown
Hannah Einbinder, Hacks
Gewinnerin: Julia Garner, Ozark
Janelle James, Abbott Elementary
Sheryl Lee Ralph, Abbott Elementary

Beste Miniserie
Black Bird
Dahmer — Monster: The Jeffrey Dahmer Story
The Dropout
Pam & Tommy
Gewinner: The White Lotus

Bester Darsteller in einer Miniserie
Taron Egerton, Black Bird
Colin Firth, The Staircase
Andrew Garfield, Under the Banner of Heaven
Gewinner: Evan Peters, Dahmer — Monster: The Jeffrey Dahmer Story
Sebastian Stan, Pam & Tommy

Beste Darstellerin in einer Miniserie
Jessica Chastain, George & Tammy
Julia Garner, Inventing Anna
Lily James, Pam & Tommy
Julia Roberts, Gaslit
Gewinnerin: Amanda Seyfried, The Dropout

Beste Darstellerin in einer Nebenrolle in einer Miniserie
Gewinnerin: Jennifer Coolidge, The White Lotus
Claire Danes, Fleishman Is in Trouble
Daisy Edgar-Jones, Under the Banner of Heaven
Niecy Nash, Dahmer — Monster: The Jeffrey Dahmer Story
Aubrey Plaza, The White Lotus

Bester Darsteller in einer Nebenrolle in einer Miniserie
F. Murray Abraham, The White Lotus
Domhnall Gleeson, The Patient
Gewinner: Paul Walter Hauser, Black Bird
Richard Jenkins, Dahmer — Monster: The Jeffrey Dahmer Story
Seth Rogen, Pam & Tommy