Steven Spielberg also. Der vielleicht am wenigsten spaltende Film, noch dazu sein autobiografischer, über die Magie des Kinos und das Aufwachsen in den wieder angesagten 1950ern räumte in der Kategorie Drama und bestes Drehbuch für "The Fabelmans" ab. Kinostart ist der 9. März. Der Meister ist also niemals abzuschreiben und holte sich zudem auch den Regiepreis - 24 Jahre nach seinem letzten Regie-Globe, der kurze Zeit später auch in einen Regie-Oscar für "Der Soldat James Ryan" mündete. Spielberg setzte sich damit gegen Todd Field ("Tár"), James Cameron ("Avatar: The Way of Water"), Baz Luhamm ("Elvis") und Joseph Kosinskis  "Top Gun: Maverick" durch. Frauen waren, wie berichtet, wohl mitgemeint.

In der Kategorie Komödie/Musical siegte Martin McDonaghs rabenschwarze Tragödie "The Banshees of Inisherin" (aktuell im Kino) über den Abgesang einer Freundschaft, dieser holte sich auch den Drehbuch-Preis. So weit erwartbar. Auch bei den Schauspiel-Preisen in der Drama-Kategorie setzten sich mit Colin Farrell ("The Banshees of Inisherin") und Cate Blanchett ("Tár") wie schon in Venedig die Favoritinnen und Favoriten durch. Spielbergs sehr persönliche Dankesrede:

Dann wird es spannend. Denn: Obwohl der Hashtag #GlobesSoWhite sich nie wirklich durchsetzte - im Gegensatz zu #OscarsSoWhite - entschied sich die ein bisschen erweiterte und vergrößerte Hollywood Foreign Press Association (HFPA) plötzlich zu einem Siegesergebnis mit hoher Vielfalt. Das war in den letzten Jahren selten bis nie der Fall. Und das ist eine  Konsequenz aus den Vorwürfen von Korruption, Bestechung, Rassismus und Sexismus, mit denen die winzige elitäre Truppe der Auslandspresse zuletzt vehement konfrontiert war.

Als beste Schauspielerin in einer Komödie wurde Michelle Yeoh geehrt, als bester Nebendarsteller Ke Huy Quan für das Science-Fiction-Abenteuer "Everything Everywhere All at Once" und die großartige Angela Bassett in dem Marvel-Hit "Black Panther: Wakanda Forever" ausgezeichnet - sie ist damit die erste schwarze Mimin mit zwei Globes in der Tasche. Und mehr noch: Es ist der erste Schauspiel-Globe für einen Marvel-Film. Die Kurzzeit-Königin von Wakanda hat also doppelte Geschichte geschrieben. Macht drei Schauspielende mit diversem Hintergrund von insgesamt sechs Schauspielpreisen beim Film.

Mehr Diversität gefällig: Die Schul-Sitcom "Abbott Elementary" mit mehrheitlich schwarzer Besetzung wurde prämiert, Ideengeberin Quinta Brunson nahm einen Preis als beste Schauspielerin entgegen und sagte über die Produzentenkollegen Justin Halpern und Patrick Schumacker das: Sie seien unglaublich, wie sie ihre Vision unterstützten. "Sie sind sehr weiße Männer und sagen immer: Okay, Quinta." Brunsons Co-Star Tyler James Williams gewann ebenso einen Globe und Zendaya - sie war abwesend - wurde als beste Schauspielerin in "Euphoria" ausgezeichnet. Macht schon einmal drei nicht-weiße Schauspielende im Serien-Sektor mit zehn Preisen. Und noch ein anderer asiatischer Künstler hat Globes-Geschichte geschriebe: Der Komponist M.M. Keeravani setzte sich mit „Naatu Naatu“ von der indischen Action-Sensation RRR gegen mehrere Popstars und ihre Charthits durch - wie etwa gegen Taylor Swift oder Lady Gaga.

Für die Oscars kann das heuer allerdings einiges bedeuten - vor allem für Filme wie "Argentinia, 1985" in der Kategorie bester internationaler Film sowie für das Sci-Fi-Abenteuer "Everything Everywhere All at Once" mit einem furiosen, von Hauptdarstellerin Michelle Yeoh angeführten, Ensemble.

Und sonst? "Ich werde euch sagen, warum ich hier bin. Ich bin hier, weil ich schwarz bin", sagte der Moderator Comedian Jerrod Carmichael zu Beginn der Gala im 80. Jahr der Globes. Und so aufgesetzt und bemüht ging es weiter. Der Diversitätsanstrich kann nur der Anfang für eine umfassende strukturelle Veränderung sein. Die muss weitergehen. Sonst wirkt jedes einzelne mit Freudentränchen gesagte  "Thank the HFPA!" unglaubwürdig.