Geld ist nicht gleich Geld. Jedenfalls nicht im New York der 1880er, wo das HBO-Großwerk „The Gilded Age“, das goldene Zeitalter, angesiedelt ist. In der Aufbruchsstimmung der industriellen Revolution ist die Oberschicht strikt in zwei Lager geteilt. Altes Geld, neues Geld. Mayflower oder nicht Mayflower. Vor und nach der Revolution. Sollten Sie einmal per Zeitmaschine in diese Epoche reisen: Diese Unterschiede sind essenziell.

Im Mittelpunkt dieses neunteiligen Kostümfestspiels, das hierzulande auf Sky zu sehen ist, steht die aus gutem Hause in Pennsylvania stammende Marian Brooks (Meryl Streeps Tochter Louisa Jacobson). Als ihr Vater stirbt und sich als mittellos erweist, beißt sie in den sauren Apfel und bittet bei ihren Tanten im brodelnden New York um Unterschlupf. Dort wird sie, samt der Zugbekanntschaft Peggy (Denée Benton), rasch eingeführt in die feine Gesellschaft einer Zeit, in der alles möglich scheint: sogar eine Zugfahrt in mickrigen zwölf Stunden von Pennsylvania nach New York.

Die zentrale Machtachse der Brooks bilden die Schwestern Agnes (die harte) und Ada (die weiche) – dargestellt von Christine Baranski („Good Wife“) und Cynthia Nixon („Sex and the City“). Das paradigmatische Gegengewicht zieht auf der anderen Seite der Straße ein: die unermesslich reichen Russels – neureich natürlich.

Dieses politisch eingefärbte „Reich & Schön“ im 19. Jahrhundert ist das Werk von Julian Fellowes, der sich davor als Showrunner von „Downton Abbey“ reichlich in Intrigen, Korsetts und Machtkriege eingeübt hat. Das ist unterhaltsam, spannender an „Gilded Age“ ist aber das laute Hintergrundrauschen: versteckter und offener Rassismus, erbarmungsloser Kapitalismus und – natürlich – oh, diese Kostüme!