Im ORFDie neue "Sisi" ist nichts für Nostalgiker

Parallel zu RTL bringt ORF 1 die sechsteilige Neuverfilmung von „Sisi“ als Free-TV-Premiere, die eine moderne Interpretation und durchaus provokante Lovestory sein will. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag um 20.15 Uhr.

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Sisi
Dominique Devenport und Jannik Schümann statt Romy und Karlheinz © ORF
 

Das sollte „keine nostalgische Serie für die Mütter und Großmütter und Väter und Großväter werden, sondern eher für ein jüngeres Publikum zugänglich sein“, umschreibt Regisseur Sven Bohse (u. a. „Ku’damm 56“, zwei „Tatort“-Fälle) die Intention der „Sisi“-Neuverfilmung. Und hat damit fast alles gesagt.

Oder wie es ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner ausdrückt: „Ich halte es in der unendlichen Bandbreite der historischen Verfilmungen, die wir anbieten, für spannend, eine Ergänzung zu den Marischka-Verfilmungen mit ihrer Zuckerguss-Sissi, die ja nicht aus dem Programm verschwinden, zu zeigen – eben eine moderne, provokante Variante.“

Der ORF war nicht als Co-Produzent an Bord, hatte für diese sechsteilige Produktion, von der schon eine zweite Staffel für 2022 fixiert ist, ein Vorkaufsrecht. Also ein billiges Hauptabendvergnügen für den ORF? „Ein wohlfeiles“, schmunzelt Zechner.

Auftraggeber war RTL (kolportiertes Budget: acht Millionen Euro), gedreht wurde vor allem in Litauen, Lettland und Bayern. So dient Riga als Wien-Kulisse. In die Titelrolle schlüpfte die Schweizerin Dominique Devenport. Im Interview erzählt die 25-Jährige, dass sie „mit Respekt und Demut an eine solche Aufgabe über eine Ikone herangegangen ist. Vor dem ganzen Romy-Schneider-Aspekt hatte ich weniger Angst, weil wir ja keinen neuen Romy-Film machen wollten. Es galt, einen neuen modernen Weg zu finden, etwas über die historische Figur zu erzählen“.

Hier ist einer der Trailer:


Als Kaiser Franz Josef wurde der Hamburger Jannik Schümann besetzt. Der 25-Jährige ortet als Unterschied zu den Klassikern, „dass Franz vielschichtiger angelegt wurde. War er doch seit der Jugend gefangen im Korsett seiner Pflichten. Warum er sich nicht für Nené, sondern für Elisabeth entschieden hat, lag in meiner Interpretation daran, dass er in Sisi etwas sah, das er selbst vermisst und nicht ausleben kann“, sagt Schümann.


Für Nostalgiker könnte der heutige Abend dennoch ein Schock sein.

Kommentare (7)
Fotofee
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Absolute Frechheit u Beleidigung

Ich weiss nicht was sich da gedacht wurde?

Zieht man Österreich bewusst in den Dreck u die Schauspieler von dazumals dazu ?
Es stimmt, die Trilogie ist U war kitschig,, NA UND????
MUSS ES HEUTE IMMER NUR UM GEWALT, GRAUSAMES U BRUTALES GEHEN????
Ich bin bei Gott für Alles offen, aber DAS!!!!!

Entschuldigt liebe Landsleute, haben wir es nötig unsere Geschichte sooooo darzustellen?

Da frag ich mich schon wie BILLIG UND Niveaulos ist dieser HERR BOSE MIT SEINEM GEFOLGE???
Da braucht man nicht lange nachdenken welche Art Menschen da sich zur Verfügung stellen....

grundner10
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Sis(s)i früher und heute

Den alten Sissi-Filmen mangelnde Historizität vorzuwerfen, ist richtig, denn Marischkas Trilogie basiert auf einem ab 1933 publizierten Roman von Marie Blank-Eismann, der auch als Operette bzw. Singspiel adaptiert wurde. Der Anspruch der Trilogie wird wohl die geschönte Darstellung einer so niemals stattgefundenen Historie gewesen sein, wenn man den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit mitbedenkt. Die Menschen wollten damals keine Gewalt mehr sehen, sie wollten Idylle.

Die rezente Serie hat aber auch keinen Anspruch auf Historizität, denn auch hier werden die Figuren vom Zeitgeist massiv überformt. Traurig, wenn sich die Produzenten nicht einmal die Mühe machen, ikonische Orte wie die Ischler Kaiservilla richtig darzustellen und manche Szenen wirken, als ob sie Fantasy wären.

psitner
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Sisi

Die neue Sisi ist weder was für Nostalgiker, noch was für Historiker, kurzum, entbehrlich.....

lieschenmueller
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Weiß nicht, wo ich das einordnen soll, was ich gerade gesehen habe?

Zwischen Räuber Hotzenplotz und Tanz der Vampire? Letztere waren zumindest nicht so gruselig.

giru
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Nicht für die Mütter, Großmütter und nicht für Väter wie auch Großväter

sondern eher für ein jüngeres Publikum laut Seven Bohse. Wo lebt der Mann? Die Mütter sind zwischen 30 und 40, die Großeltern Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre geboren. Sie alle haben doch schön längst eine andere Vorstellung von "Sissi" als ihre Urgroßeltern. Der Bohse glaubt wohl, dass seine Sissi besonders von 18 bis 20jährigen mit großem Interesse aufgenommen wird. Bohse soll sich genauer seine Zielgruppe anschauen und die "Alten" realtitätsnäher zur Kenntnis nehmen.

aposch
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Neuverfilmung

Mir hat noch nie eine Neuverfilmung besser gefallen, als das Original. Und dass das ZDF besser in die österreichische Seele blicken kann, darf bezweifelt werden. So ist die neue Filmreihe wohl eher auf eine eher kritische Auslegung dieses Klassikers ausgerichtet.

lieschenmueller
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ausgerichtet

Frage mich, in welche Richtung die Sprachfärbung von Sisis Mutter, dargestellt von der von mir sehr geschätzten Julia Stemberger, ging? Österbayrisch?