Serie auf NetflixIst "Hellbound" jetzt das neue "Squid Game"?

Die südkoreanischen Serien haben einen Lauf, nach "Squid Game" steht nun "Hellbound" auf der Streamingliste. Doch mithalten kann die Dystopie mit seinem Vorgänger nicht.

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Alles irre hier, alles Irre hier: Hellbound
Alles irre hier, alles Irre hier: Hellbound © (c) Netflix (Jung Jaegu | Netflix)
 

Nach "Squid Game" sind alle gierig auf Serien aus Südkorea. Jetzt ist also auch "Hellbound" im Quotenhoch. Dabei geht die Welt in dieser Serie, die in Seoul spielt, gerade unter. "For Whom the Bell Tolls" von Metallica trifft es zum Einstieg ganz gut: Ein überirdisches Wesen verkündet Menschen scheinbar wahllos den Tod. Fünf Tage später rücken vier apokalyptische Michelin-Männchen an und befördern die Person mit unfassbarer Brutalität ins Jenseits.

Dass sich tatsächlich ein paar Leute wundern, was da gerade abgeht, ist also nicht weiter verwunderlich, aber wird eher hingenommen. Der Fokus der Geschichte richtet sich auf die menschlichen Verhaltensweisen, die daraus resultieren. Eine religiöse Gruppe namens "Neue Wahrheit" nutzt die Gunst der Stunde und schwingt sich zum Sprachrohr der Vorgänge auf: Bei den Toten würde es sich doch nur um Sünder handeln, die alle Straftaten begangen haben. Also what the fuck? Angefeuert von einem verrückten YouTuber rückt die sogenannte "Speerspitze" aus und verbreitet mit Baseballschlägern Angst und Schrecken. Eh schon wissen: Die Welt von den Sündern befreien. Mitten im Wahnsinn sind ein paar Leute, darunter eine Anwältin und ein Polizist, die sich dem Wahnsinn entgegenstellen.

Anders als bei "Squid Game" steht hier nicht die Kapitalismuskritik im Fokus, sondern kritisiert die Serie die Macht kirchlicher Organisationen, die in Südkorea weitreichenden Einfluss auf das politische und gesellschaftliche Leben haben. Die Serie selbst punktet jedoch vor allem mit dem Aufschaukel-Effekt, der hier innerhalb kürzester Zeit in der Exzessstufe mündet. Ein Mob, der sich aufgestachelt durch Social Media bis auf die Zähne bewaffnet und marodierend durch die Straßen läuft – keine Neuerfindung, aber die unaufhaltbare Dynamik, die hier entsteht, sollte einen immer wieder sprachlos machen.

Neu ist die Darstellung jedoch nicht und auch die Inszenierung ist kein allzu großer Wurf. Selbst die Charaktere bleiben eher oberflächlich. Dass die Serie auch ohne "Squid Game" jemals dieses Echo hervorrufen würde, ist eher fraglich. Und doch  spiegelt die Serie in ihrem Grundkonstrukt auch die heutige Zeit wider: Der Kochtopf steht unter Hochdruck.

 

 

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