Erfolgreichste Serie der Welt "Squid Game": Warum man die Serie in Südkorea ganz anders wahrnimmt

„Squid Game“, die erfolgreichste Serie der Welt, bildet das ab, was in Südkorea Alltag ist: Privatschulden und Ungleichheit. Reales Vorbild für den Hauptdarsteller ist ein Gewerkschafter. Einblicke in eine Welt, die aus den Fugen geraten ist.

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"Squid Game" ist ein Kampf auf Leben und Tod
"Squid Game" ist ein Kampf auf Leben und Tod © (c) Netflix (Noh Juhan | Netflix)
 

Seong Gi-hun bleibt keine andere Wahl mehr, als zu spielen. Zu hoch sind seine Schulden, zu bedrohlich seine gewalttätigen Gläubiger, als dass er noch mit herkömmlichen Mitteln reinen Tisch machen könnte. Also geht er einen Pakt mit dem Teufel ein: Er lässt sich dabei filmen, wie er gegen 455 andere Erwachsene mit ähnlichen Problemen in simplen Spielen antritt, die jeder von ihnen noch aus der Kindheit kennt. Wer alle Runden gewinnt, dem werden alle privaten Schulden beglichen. Wer verliert, wird erschossen. Seong Gi-hun ist der Protagonist von „Squid Game“, der erfolgreichsten Serie in der Geschichte der boomenden Online-Filmplattform Netflix.

Das weltweite Publikum begeistert die blutrünstigen Bilder und die starken Emotionen, die die Serie zeigt. In Südkorea selbst, dem Schauplatz des Dramas, ist die Rezeption etwas anders. Der Titel der Serie bezieht sich auf eine im Land bekannte Spielplatzwette, bei der sich Kinder hüpfend und ringend aus auf den Boden gemalten Feldern verdrängen. Gewinnen kann am Ende nur einer.
Mit dieser Erinnerung aus seinen eigenen jungen Jahren hat Drehbuchautor Hwang Dong-hyuk eine Metapher auf Südkoreas Konkurrenzgesellschaft formuliert. „Was ich zeigen will, ist die Idee, dass wir uns auch an die Verlierer erinnern sollten“, sagte Hwang zuletzt gegenüber südkoreanischen Medien. „Die Gewinner unserer Gesellschaft stehen symbolisch auf den Körpern der Verlierer.“ So funktioniere der Wettbewerb.

Kommentare (6)
scionescio
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Weder die Idee ist neu, noch ist die Serie handwerklich besonders gut gemacht…

… spritzendes Blut sieht man auch bei Tarantino und Gewaltexzesse wurden immer schon eingesetzt, um schwache Stories aufzumöbeln (zB Sin City).
Um mir eine eigene Meinung zu bilden, habe ich mir drei Folgen angeschaut- aber dabei wird es auch bleiben…

Für mich ein weiteres Beispiel dafür, wie man mit gezieltem Marketing einen Hype erzeugen kann, obwohl das Produkt selbst nicht besonders gut ist.

grundner10
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Sin City ...

hat keine schwache Story! Jeder, der die Graphic Novel kennt, weiß, dass darin mit vielen Bezügen gespielt wird.

scionescio
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@grundner: seit wann macht die Aneinanderreihung von Bezügen eine gute Story aus?

Sin City ist in vielerlei Hinsicht interessant… aber das Urteil der Cineasten ging wohl mehr in die Richtung, wie auch ich sie subjektiv wahrgenommen habe.

griesbocha
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Man muss fairerweise sagen, dass die Zuseher den Hype erzeugt haben und nicht das Marketing.

Den Erfolg der Serie hat Netflix in der Form bestimmt nicht kommen gesehen. Natürlich wird er jetzt aber kommerziell ausgeschlachtet.

grundner10
2
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Planbare Hypes?

Hypes sind nie planbar. Harry Potter war am richtigen Ort zur richtigen Zeit am Markt. Vielleicht hätte nach diesem Prinzip auch Mundl ein Welthit werden können. Es gab halt damals die modernen Distributationsformen noch nicht.

scionescio
9
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@grundner: selbstverständlich gibt es auch geplante Hypes …

… denk nur an des schwedische Mäderl mit den Zöpfen - da war von Anfang an alles generalstabsmäßig durchgeplant… nur weil es nicht immer funktioniert, heißt es noch lange nicht, dass es das nicht gibt!

Entweder stehen wirtschaftliche Interessen oder starke Lobbyisten dahinter - ohne die hätte sich zB niemand für den Dieselskandal von VW interessiert… plötzlich ist die deutsche Automobilindustrie böse, der Diesel stigmatisiert, die Amerikaner beglücken mit Tesla die Welt (und schaffen gerade ein veritables Sondermüllproblem) und die Atomkraftwerke feiern fröhliche Urständ ..

Aber du hast natürlich auch Recht, dass mit Facebook &Co. heutzutage ganz andere Mechanismen zur Verfügung stehen, um die geballte Dummheit auf diesem Planeten zu mobilisieren und in gewollte Bahnen zu lenken.