"Army of Thieves"-KritikNicht nur Wagners Opern wurden gestohlen

Das Heist-Movie, von und mit Matthias Schweighöfer, erzählt augenzwinkernd vom schüchtenen Tresorknacker. Ob der Film auch außerhalb des deutschsprachigen Raums gut ankommt, ist zweifelhaft.

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"Army of the Dead" war weltweit erfolgreich. Daran würde Matthias Schweighöfer gerne anschließen. © Stanislav Honzik/ Netflix
 

Hemmungslos ausufernd erzählte "Army of the Dead" einen Raub in Zeiten von Zombies. Der überzeichnete dystopische Film, inszeniert von Zack Snyder ("Batman v Superman"), dürfte einer der erfolgreichsten Netflix-Produktionen des Jahres werden.

Mit "Army of Thieves" legt der Streamingdienst noch im gleichen Jahr das Prequel für die ausgewachsene Zombie-Apokalypse vor. Die spätere Invasion der Untoten kündigt sich im neuen Film bereits über Nachrichtenbeiträge an: Ganze Großstädte fallen den Zombiehorden zum Opfer und die Weltordnung steht an der Kippe. Von diesem Bahö erstaunlich unergriffen ist die einsame Seele Ludwig Dieter (Matthias Schweighöfer), der zu diesem Zeitpunkt noch Sebastian heißt. Ein bubihafter Mann, der in seiner Freizeit auf liebevolle Weise Schlösser knackt und Youtube-Videos darüber dreht – welche auf kein Interesse stoßen.

Die geheimnisvolle Gwendoline (Nathalie Emmanuel) ist schließlich die erste Person, die eines der Videos öffnet und wenig später das stille Genie Sebastian in ihre kriminellen Untiefen hineinzieht. Der Unbescholtene soll für Gwendoline und ihr Team die berühmten Tresore des legendären Hans Wagner knacken – benannt nach den Opern Richard Wagners.

Anders als bei "Army of the Dead" trägt man von diesem Actionabenteuer keinen Gewehrfeuer-Tinnitus davon, allenfalls bleibt der selbstironische Grundton in Erinnerung: Wenn Schweighöfer als Tresorflüsterer in lächerlicher Geste seine Instrumente (sprich Finger) aufwärmt, oder er sich in englischer Sprache als unfreiwillig humorbegabt erweist, dann darf einem schon ein Lächler auskommen.

Zack Snyder steht für massentaugliche Action, Schweighöfer, der diesmal auch Regie führt, hat eine völlig andere Handschrift. Das Ergebnis ist leidenschaftlich klischeebehaftet – insbesondere die Hauptfiguren, von der coolen Hackerin bis zum Macho-Haudrauf – und kitschig, denn natürlich hat der Panzerknacker im Zweifel das Glück gepachtet. Damit steht dem Knacken der Tresore namens Walküre, Rheingold, Siegfried und Götterdämmerung nichts mehr im Wege.
Das Heist-Movie ist augenzwinkernd inszeniert, Schwächen bei Substanz und Tiefe werden verziehen, wenn man sich für charmante Tollpatschigkeit erwärmen kann.

"Army of Thieves" ab jetzt Netflix. Trailer:

Kommentare (2)
griesbocha
1
2
Lesenswert?

Betrachtet man sich die Nutzerkritiken auf IMDB, ist Army of the Dead schon äußerst schlecht angekommen bei den Zusehern.

Warum es zum nervigsten Charakter daraus noch ein Prequel braucht, sei dahingestellt.
Ich finde diesen infantilen Humor nicht lustig.

madermax
1
1
Lesenswert?

Wen interessiert schon IMDB?

Army of Thieves ist in 90 Ländern auf dem ersten Platz der Netflix-Charts... Zeigt deutlich wie irrelevant IMDB Bewertungen sind...