Nicht nur die Zeit von Donald Trump als US-Präsident neigt sich dem Ende zu. Auch seine Präsenz in den sozialen Netzwerken scheint nach den Ereignissen am 6. Jänner rund um und im Kapitol gezählt. Trump, der Twitter als zentrales Medium für seine Kommunikation mit der Öffentlichkeit nutzte, wurde dort für einige Stunden suspendiert, weil er u. a. dort zur Nicht-Anerkennung der Ergebnisse der US-Wahl aufrief. Mittlerweile wurde die Sperre von Trumps Account zwar wieder aufgehoben, Twitter werde seine Aktivitäten und Aussagen jedoch weiterhin "in Echtzeit auswerten", fügte der Konzern hinzu.

„Ich liebe Twitter. Es ist, als würdest du deine eigene Zeitung besitzen“, hatte Trump einmal gesagt. Diese Liebesbeziehung ist endgültig am Ende. Länger anhalten dürfte seine Sperre auf Facebook, die am Donnerstagnachmittag öffentlich wurde.

Der Angriff auf das Kapitol und die weitgehende Duldung dessen durch den US-Präsidenten dürfte zu einem Wendepunkt im Verhältnis der sogenannten sozialen Plattformen und Donald Trump werden. Einzelne Trump-Tweets wurden am Mittwoch offline genommen und der Präsident wie ein Schulbub in die Ecke gestellt, um schweigend über seine Taten nachzudenken.

Sperre zumindest bis zur Inauguration

Noch konsequenter als Twitter reagierte Facebook, das den scheidenden Präsidenten unbefristet aussperren will, wie Mark Zuckerberg bekannt gab. Die Ereignisse der letzten Stunden hätten gezeigt, dass Trump „seine verbleibende Amtszeit nutzen will, um den friedlichen und rechtmäßigen Machtwechsel zu seinem gewählten Nachfolger Joe Biden zu untergraben“, schrieb Zuckerberg und kündigte an, Trumps Konto mit 32 Millionen Abonnenten zumindest bis zur Inauguration am 20. Jänner zu sperren.

Betroffen ist auch Instagram, wo ihm 24 Millionen Nutzer folgen. Die Risiken, Trump weiterhin den Zugang zu den Plattformen zu erlauben, seien zu groß, so Zuckerberg. Offen blieb vorerst, ob Twitter – die für Trump weitaus wichtigere Plattform – nachzieht. Dort, wo er rund 60.000 Tweets abschickte, spricht Trump zu knapp 90 Millionen Nutzern.

So wichtig die großen Plattformen in seiner Präsidentschaft waren, um klassische Berichterstattung zu umgehen und seine Botschaften jederzeit anbringen zu können, so entscheidend sind für seine radikalen Anhänger die weniger zugänglichen Plattformen. Telegram-Kanäle wie jener des deutsche Ablegers der Verschwörungsgruppe QAnon, wo die Putschisten aus Washington gefeiert wurden, lassen das Schattennetzwerk erahnen, wo man abseits der Öffentlichkeit aufrührerische Aktivitäten begrüßt oder gar plant.