Die Finalisten des 68. Eurovision Song Contests stehen fest. Beim zweiten Halbfinale mit 16 Acts in der Malmö-Arena gab es enttäuschte Gesichter u. a. bei Albanien, Dänemark, Belgien und Malta. Ein Wiedersehen am Samstag gibt es mit:

  • Österreich
  • Litauen
  • Niederlande
  • Norwegen
  • Israel
  • Griechenland
  • Estland
  • Schweiz
  • Georgien
  • Armenien

(Die Aufzählung erfolgte in beliebiger Reihenfolge, das Ranking bleibt bis zur Nacht auf Sonntag geheim.)

Prognostizierter Aufstieg

Österreich schaffte es also wie von den Wettbüros prognostiziert ins Finale: Kaleen aus Ried im Innkreis kam im weißen Kunstledermantel mit roségoldenen Schnallen auf die Bühne. Schon bald stand die 29-Jährige luftiger da, nämlich im silbernen Metallic-Bodyanzug à la Barbarella, verziert mit einer Vielzahl von Swarovski-Kristallen. Über der Tänzerin schwebte eine Pyramide mit nach unten gerichteter Spitze. Sie sollte die weibliche Energie und Stärke symbolisieren. Und das bei einer sterilen Eurodance-Nummer, die durch Überwurf- und Hebefiguren in der Choreografie auffiel.

Eden Golan of Israel performs the song Hurricane during the dress rehearsal for the second semi-final at the Eurovision Song Contest in Malmo, Sweden, Wednesday, May 8, 2024. (AP Photo/Martin Meissner)
Die Performance von Eden Golan aus Tel Aviv nach Protesten außerhalb der Malmö-Arena © AP/Meissner

Spannung vor den drei Minuten von Israel: Buhrufe waren bei der TV-Übertragung nicht hörbar. Für den Beitrag gab es immer wieder Zwischenapplaus. Bewundernswert! Eden Golan, erst 20, behielt die Nerven. Sie wurde in Tel Aviv geboren, ihre Mutter stammt aus der Ukraine, der Vater aus Lettland und sie selbst lebte längere Zeit in Moskau. „Hurricane“ ist eine starke Ballade, in der sie über emotionale Turbulenzen singt – ein Thema, das nach textlichen Abänderungen allgemein genug gehalten schien, um nicht an den Gazakonflikt zu erinnern, der dennoch diesen ESC überschattet. Ausdruckstänzer durften bei der Inszenierung nicht fehlen.

Nemo of Switzerland performs the song The Code during the dress rehearsal for the second semi-final at the Eurovision Song Contest in Malmo, Sweden, Wednesday, May 8, 2024. (AP Photo/Martin Meissner)
Non-binär: Nemo vertritt in Malmö mit toller Stimme die Schweiz und wird als möglicher Sieger am Samstag gehandelt © AP/Meissner

Eröffnet wurde das zweite Halbfinale von Malta. Die ESC-Produzenten setzen als Opener gerne eine auf Hochglanz polierte Uptempo-Nummer ein. Und die hatte Malteserin Sarah Bonnici (25) mit ihrem Dance-Break „Loop“ im Gepäck – die ehemalige Buchhalterin, die singen und tanzen kann, erfüllte alle Klischees: Glitzer-Outfit, sexy Gesten, Akrobatik sowie reichlich Feuerfontänen und oberkörperfreie Tänzer. Schwarze Augenbinden oder verhüllte Köpfe beim tänzerischen Team mit halbnackten Körpern liegen beim 68. Eurovision Song Contest im Trend. Dadurch werden freilich etliche Beiträge austauschbar. Was oder wer fiel im zweiten Halbfinale besonders auf?

MALMÖ, SVERIGE 20240508 Eden Golan som representerar Israel med laten Hurricane under den andra generalrepetitionen inför den andra semifinalen i den 68:e upplagan av Eurovision Song Contest ESC pa Malmö Arena, i Malmö, Sverige, onsdag 08 maj, 2024. MALMÖ SVERIGE x10070x *** MALMÖ, SWEDEN 20240508 Eden Golan representing Israel with the song Hurricane during the second dress rehearsal for the second semi-final of the 68th edition of the Eurovision Song Contest ESC at Malmö Arena, in Malmö, Sweden, Wednesday May 08, 2024 MALMÖ SWEDEN x10070x PUBLICATIONxNOTxINxDENxNORxSWExFIN Copyright: xJessicaxGow/TTx EUROVISION SONG CONTEST 2024 7ZljTziQ1-Q
Eden Golan für Israel mit dem Ohrwurm „Hurricane“ © IMAGO/tt

Auf alle Fälle der Flamingo aus der Schweiz: „Welcome to the Show“ – so begann Nemo (24), non-binäre Künstlerpersönlichkeit, seinen hochfavorisierten Beitrag „The Code“. Der exzentrische Rap-Opera-Song ist ein eingängiger Aufruf zur Selbstfindung und Authentizität. Der Künstlername ist am bekannten Disney-Clownfisch angelehnt. Die kleinen Fische werden als Männchen geboren, können sich aber im höheren Alter zu Weibchen entwickeln. Im Federn-Jäckchen und mit kurzem Rock schillerte und polarisierte Nemo zugleich. Mit einer multifunktionalen Drehscheibe als kleine eigene Bühne im Herzen der Arena sorgte Nemo für ordentlich Dynamik und Herzschlag-Momente.

Die Arena zum Ausrasten brachte ebenso Spaßvogel Joost Klein (26), der zusammen mit Otto Waalkes und Ski Aggu bereits einen Nummer-eins-Hit („Friesenjung“) im deutschsprachigen Raum landen konnte, aber nicht so flach daherkommt, wie es auf die ersten Töne scheint. In „Europapa“ wird die verrückte Reise eines Waisenkindes durch Europa erzählt, eine Hommage an Joosts Vater. Der Niederländer trug einen leuchtenden EU-blauen Anzug mit Schulterpolstern und hatte einen Kollegen im blauen Vogelkostüm mit Europa-Krawatte dabei. Warum bescheiden, wenn es anders auch geht?

Joost Klein representing the Netherlands perform on stage during the first rehearsal before the second semi-final of the 68th edition of the Eurovision Song Contest (ESC) at the Malmo Arena, in Malmo, Sweden, on May 8, 2024. A week of Eurovision Song Contest festivities kicked off Saturday, on May 4, in the southern Swedish town of Malmo, with 37 countries taking part. The first semi-final takes place on Tuesday, May 7, the second on Thursday, May 9, and the grand final concludes the event on May 11. (Photo by Jessica GOW / TT News Agency / AFP) / Sweden OUT
Joost Klein zog für die Niederlande mit „Europapa“ ins Finale ein © AFP

Das hätte man uns gerne ersparen können: Gate wollte uns in die Welt der norwegischen Sagen entführen. Die bereits 1999 gegründete Folk-Rock-Band mit Sängerin Gunnhild Sundli trat in mittelalterlich anmutenden Düster-Kostümen auf, „Ulveham“ (Wolfshaut) wurde komplett auf Norwegisch interpretiert. Ein drehbares Felsenpodest und viel Nebel sollten für mystische Stimmung sorgen. Was für ein Pseudo-Sagen-Kitsch!

Für die Kommentatoren die Stolperfalle des zweiten Halbfinales: „(Nendest) narkootikumidest ei tea me (küll) midagi“, der Liedtitel aus Estland. Das kleine Land bot neben dem unaussprechlich langen Titel noch ein fulminantes Duell auf der Bühne. Auf der einen Seite stand das NewFolk-Duo Puuluup mit seiner Mittelalter-Leier Talharpa, auf der anderen Seite die Hip-Hopper von 5miinust. Garniert mit aberwitzigen Aerobic-Einlagen.

Dress Rehearsal of the second semi-final of the 68th edition of the Eurovision Song Contest Besa represents Albania performs during the dress rehearsal of the second semi-final of the 68th edition of the Eurovision Song Contest ESC at Malmo Arena, in Malmo, Sweden, May 08, 2024. SanjinxStrukic/PIXSELL
Albaniens Künstlerin Besa trat mit dem Lied „Titan“ an © IMAGO

Auch Belgien fiel auf: Der 33-jährige Mustii aus Brüssel war der erste nominierte Künstler des ESC 2024 und ist aus der belgischen Ausgabe von „RuPaul’s Drag Race“ bekannt. Sein Song thematisiert die Kämpfe, die im Leben zu führen sind und wurde visuell durch einen Dreh-Kreis an Mikrofonständern dargestellt. Mustii sang sich mit goldenen Händen und Perlenkette regelrecht in Ekstase, während die Windmaschine auf Sturm eingestellt war.

Im Finale stehen 26 Länder, ORF 1 überträgt am 11. Mai ab 21 Uhr live aus Malmö. Zuvor meldet sich in einer Koproduktion mit der ARD und dem Schweizer Fernsehen Barbara Schöneberger aus Malmö – mit einer Warm-up-Party („Der Countdown“).
Mitarbeit: Marc Gehring, Malmö

MALMÖ, SVERIGE 20240505 Nemo som representerar Schweiz poserar pa den turkosa mattan inför invigningsceremonin inför den 68:e upplagan av Eurovision Song Contest ESC pa Malmö Live, i Malmö, Sverige, söndag 05 maj, 2024. MALMÖ SVERIGE x10070x *** MALMÖ, SWEDEN 20240505 Nemo representing Switzerland poses on the turquoise carpet before the opening ceremony of the 68th edition of the Eurovision Song Contest ESC at Malmö Live, in Malmö, Sweden, Sunday, May 05, 2024 MALMÖ SWEDEN x10070x PUBLICATIONxNOTxINxDENxNORxSWExFIN Copyright: xJessicaxGow/TTx EUROVISION SONG CONTEST 2024 Uk3so3k9f1A
Favorit Nemo aus der Schweiz pendelt zwischen Zürich und Berlin © IMAGO/Gow/tt
Entertainment Bilder des Tages Dress Rehearsal of the second semi-final of the 68th edition of the Eurovision Song Contest Ladaniva represents Armenia performs during the dress rehearsal of the second semi-final of the 68th edition of the Eurovision Song Contest ESC at Malmo Arena, in Malmo, Sweden, May 08, 2024. SanjinxStrukic/PIXSELL
Der bunte Beitrag von Armenien: „Jako“ von Ladaniva © IMAGO
Singer Mustii representing Belgium with the song
Für Belgien am Start: Mustii mit „Before the Party's over" © AFP/Gow
- Eurovision Song Contest 2024 - - Am Donnerstag, dem 9. Mai, ist das zweite Semifinale live ab 21.00 Uhr in ORF 1 zu sehen. 16 Länder – darunter Österreich mit Startnummer 6 – gehen ins Rennen um eines von zehn weiteren Tickets für das große Finale. Im Bild: Kaleen bei der Generalprobe für ihren Song
Kaleen alias Marie-Sophie Kreissl aus Oberösterreich © APA/Zach-Kiesling
Gate representing Norway performs on stage during the first rehearsal before the second semi-final of the 68th edition of the Eurovision Song Contest (ESC) at the Malmo Arena, in Malmo, Sweden, on May 8, 2024. A week of Eurovision Song Contest festivities kicked off Saturday, on May 4, in the southern Swedish town of Malmo, with 37 countries taking part. The first semi-final takes place on Tuesday, May 7, the second on Thursday, May 9, and the grand final concludes the event on May 11. (Photo by Jessica GOW / TT News Agency / AFP) / Sweden OUT
Norwegen schickte den Song „Ulveham“ („Wolfshaut“) © AFP
Sarah Bonnici representing Malta with the song Loop during the second semi-final of the 68th edition of the Eurovision Song Contest ESC at the Malmö Arena, in Malmö, Sweden, on Thursday, May 09, 2024. MALMÖ SWEDEN x10070x *** Sarah Bonnici representing Malta with the song Loop during the second semi final of the 68th edition of the Eurovision Song Contest ESC at the Malmö Arena, in Malmö, Sweden, on Thursday, May 09, 2024 MALMÖ SWEDEN x10070x PUBLICATIONxNOTxINxDENxNORxSWExFIN Copyright: xJessicaxGow/TTx EUROVISION SONG CONTEST 2024 1HE0ET2dPmY
Sarah Bonnici stieg für Malta mit „Loop“ in den ESC-Ring © IMAGO