"Arme Jungs!“, sagt eine junge dänische Künstlerin zu einer Mitwartenden vor dem Pavillon ihres Landes, den sie dann „etwas peinlich“ finden wird. Das ironische Beileid gilt ihren männlichen Kollegen, die man bei der heurigen Biennale fast mit der Lupe suchen muss. Die in New York lebende Kuratorin Cecilia Alemani hat es so gewollt, also primär weiblich und möglichst divers.
Nicht zufällig wurde das Motto der 59. Biennale („The Milk of Dreams“) einem Kinderbuch der britischen Surrealistin Leonora Carrington entliehen, erhielten bei der Eröffnung zwei Vertreterinnen der Black Community, Simone Leigh und Sonia Byce, einen Goldenen Löwen und wurden die Deutsche Katharina Fritsch und die Chilenin Cecilia Vicuña mit einem ebensolchen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.
Starke Frauen also, wohin man blickt. Hierzulande hat man die Zeichen erkannt und das queere Duo Ashley Hans Scheirl und Jakob Lena Knebl ins Rennen geschickt. Im eleganten Hoffmann-Pavillon zeigen die beiden ein buntes Universum aus Malerei, Skulptur und Design, das so manchem Eintretenden ein spontanes „Wow!“ entlockt.
59. Kunstbiennale von Venedig
Weibliche Magie im Dunst der Nationen
Venedig steht ganz im Zeichen der Frauen. Während die Nationen schwächeln, spendet die von ihnen geprägte Hauptschau eine nahrhafte „Milch der Träume“. Ein kleiner Rundgang.
© Hirtenfelder