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Triumph im Wiener KonzerthausCurrentzis verleiht "Figaro" Flügel

Stardirigent Teodor Currentzis bringt seinen mittlerweile legendären Mozart-Da-Ponte-Zyklus nach Wien. Der Auftakt mit "Figaros Hochzeit" sorgte für Begeisterung.

SALZBURGER FESTSPIELE 2019: FOTOPROBE 'IDOMENEO'
Superstar Teodor Currentzis, hier bei einer Fotoprobe in Salzburg © APA/BARBARA GINDL
 

Ausgerechnet Oper! Mit einem Wagnis ist das Wiener Konzerthaus Donnerstagabend in seine 107. Saison gegangen: Mit Mozarts "Le nozze di Figaro" sandte man dem anderen Haus am Ring musikalische Grüße mit Augenzwinkern. Der Auftakt gelang, zumal mit dem Genre-Rebellen Teodor Currentzis nicht irgendwer dem Werk Flügel verlieh - und ein Bühnenbild mit seiner Dauerpräsenz obsolet machte.

Mit seinem Ensemble musicAeterna war Currentzis anmarschiert, um die Hörgewohnheiten wie gewohnt durcheinanderzuwirbeln. Man war vorgewarnt: Das Enfant terrible der Szene hat Mozarts Da-Ponte-Opern schon im Studio verewigt, auch im Konzerthaus findet der Reigen seine Fortsetzung: Am Samstag folgt "Don Giovanni", am Montag darauf "Cosi fan tutte". Im Sommer begeisterte Currentzis mit seinem "Idomeneo" bei den Salzburger Festspielen.

Vollwertige Oper

Was im Konzerthaus als "halbszenisch" angekündigt worden war, erwies sich als vollwertige Opernaufführung. Unter der Regie von Nina Vorobyova gab sich das von Stars der Szene befreite Ensemble ein humoristisches Stelldichein. Mit ausladender Gestik und Mimik dirigierte Currentzis jeden und alles im Raum. Der Opern-Punk stellt so jeden selbst ernannten "Volks-Rock'n'Roller" in den Schatten, künstlerischer Anspruch und rasante Unterhaltung gehen dabei Hand in Hand.

Die Latte hoch legt Currentzis auch für das angenehm starbefreite Vokalensemble, das teils durch Rezitative rast, teils gegen gewitterhaft aufschwellende Orchesterpassagen ankämpfen muss. Das mit alten Instrumenten ausgestattete Orchester wurde dabei Teil der Inszenierung, musicAeterna samt Chor bewiesen sich als verlängerter Arm ihres Gründers, der als Nikolaus Harnoncourt auf Steroiden jeder Note in der Partitur seine Berechtigung verlieh.

Wer das Testosteron-Duell in "Le nozze di Figaro" letztendlich gewann, lässt sich schwer sagen: Sowohl Alex Esposito als Figaro als auch Andrei Bondarenko als Conte gingen stimmlich keine Kompromisse ein, in der Hosenrolle des Cherubino glänzte Paula Murrihy. Lyrik dominierte bei den weiblichen Rollen: Olga Kulchynska als Susanna und Ekaterina Scherbachenko als Contessa verliehen ihren Figuren emanzipierten Charakter, Daria Telyatnikova meisterte die irrwitzige Marcellina-Arie mühelos.

Vereinzelte Zugabe-Rufe danach bestätigten die Einzigartigkeit dieser Opern-Aufführung im Konzerthaus in Anwesenheit von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Das Ende des frenetischen Schluss-Applauses musste zwangsläufig mit Einschalten des Saallichts erzwungen werden.

Kommentare (2)

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Lodengrün
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Hörgewohnheiten durcheinanderwirbeln

Nimmt man die Tempobezeichnungen als auch die Dynamikvorgaben der Komponisten ernst dann ist man Currentzis nicht nur irritiert. Wer liest aber heute schon einen Klavierauszug oder gar eine Partitur. Ich denke Mozart würde auf sein Urheberrecht pochen. Ich verstehe aber. Der Grieche ist anders und daher "in". Sein Aussehen, sein Auftreten, wie sein Ensemble agiert, die story dahinter, - das ist neu und daher genial, - läßt die Masse johlen. Abgesehen von seinem Ensemble schütteln die Mitglieder der anderen Orchester bei seinem Dirigat nur den Kopf. "just business".

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Lodengrün
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Ich kenne noch jemanden

bei dem sie den Kopf schütteln und der sooo „in“ ist. Marc Minkowski. In Lyon stand das Orchester bei einer BO auf und ging mit dem Satz: „was der macht kann man nicht lesen“. Und auch an anderer stelle fragen sich die Musiker warum er im Geschäft ist.

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