AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Kritik Theater an der Wien"Elias" und die Fragen des Glaubens

Wann beginnt Fanatismus? Wie kann man heute noch glauben? Große Fragen stellt Mendelssohns Oratoirum„Elias“, auch wenn der Abend vor allem der Triumph eines grandiosen Interpreten ist.

Weiterlesen mit unserem Digitalabo

Gratis testen

    Sie erhalten Zugriff auf:

  • Alle Kleine Zeitung Plus Artikel
  • Tägliches E-Paper
  • Smartphone App
Grandios: Christian Gerhaher als Elias (Mitte) mit Ensemble
Grandios: Christian Gerhaher als Elias (Mitte) mit Ensemble © Werner Kmetitsch/Theater an der Wien
 

Es ist beinahe amüsant, wie rasch das Wiener Opernpublikum sich provozieren lässt. Calixto Bieito, der in den vergangenen Jahren tatsächlich einige radikale, verstörende Inszenierungen vorgelegt hat, zeigt sich bei „Elias“ zahm, und erhielt für seine nachdenkliche, über weite Strecken faszinierende Regiearbeit dennoch das obligate Buhgeschrei. Dabei ist die Regie voller Respekt für den religiösen Gehalt des Stücks. Bieito thematisiert unter anderem die Frage, wo Sendungsbewusstsein und Prophetie in fundamentalistischen Eifer umschlagen – und weiß Mendelssohn auf seiner Seite. Im zweiten Teil zweifelt der von der wankelmütigen Masse attackierte Prophet Elias selbst. „Ich bin nicht besser als meine Väter“, singt der reumütige Mann, der knapp davor ohne zu zögern, als selbsternannter „Hammer Gottes“, hunderte Anhänger des Gottes Baal ermorden hat lassen. Engel halfen freudig bei der Tat.

Die Inszenierung interessiert sich dafür, was Gottesferne und Verzweiflung mit uns ganz normalen Menschen tun. Der wie üblich fulminant singende Arnold Schoenberg Chor steckt in Alltagskleidung, die auf die Glaubensprobe gestellte Menge zerfetzt eine Pappkirche, büßt den Abfall vom Glauben mit einer quälenden Dürre. Der Regen als Metapher für Hoffnung fällt in dieser Inszenierung ganz real auf die Bühne.
Doch das Seelenheil ist nicht so leicht zu erringen. Am Ende zeigt Calixto Bieito, wie es eventuell möglich wäre. Der geläuterte Prophet verweigert die Selbstverbrennung, das barbarische Autodafé. Es muss noch einen anderen Weg geben.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren