Zwei Journalistinnen sind ihm auf der Spur. Ihm, einem Mann, der einem Monster gleicht. Ein Täter, der Frauen erniedrigt, ausnutzt, bedrängt und vergewaltigt. Weil er kann. Weil viele in seiner Umgebung mitspielen, weil der Mantel des Schweigens darübergelegt wird.
Bis zum 5. Oktober 2017 war Harvey Weinstein einer der mächtigsten Männer Hollywoods. Er versprach Frauen Jobs gegen sexuelle Dienstleistungen, lockte sie auf sein Hotelzimmer, belästigte, demütigte und missbrauchte sie. Ein Mann, der Oscar-Filme produzierte, Schauspielerinnen berühmt machte und Träume jäh beendete. Er log, betrog und drohte den Opfern mit Karriereende, sollten sie den Mund aufmachen.
Die Journalistinnen Megan Twohey und Jodi Kantor der "New York Times" erschütterten vor fünf Jahren nebst Berichten im "New Yorker" Hollywood und machten das System Weinstein publik. In monatelangen Recherchen deckten sie das perfide Geflecht von sexualisierter Gewalt und deren Verschleierung und Erpressung auf. Und als Alyssa Milano den Hashtag #MeToo von Tarana Burke wiederbelebte, zeigten sich Millionen Frauen solidarisch und posteten: #IchAuch.

Maria Schrader hat nun das von den Investigativ-Reporterinnen verfasste gleichnamige Buch nach einem Drehbuch von Rebecca Lenkiewicz inszeniert: aus der Perspektive der Frauen. Die deutsche Filmemacherin ("Ich bin dein Mensch", "Unorthodox") gibt den Opfern, die so lange ungehört blieben, eine Stimme. Das Monster ist weitgehend ins Off verbannt worden, als drohende Stimme am Telefon, als wankender Koloss von hinten gefilmt.
Und obwohl man weiß, wie die Geschichte ausgeht, bleibt man 129 Minuten lang gebannt, ob die Story tatsächlich veröffentlicht wird. Schrader hat einen Journalismus-Film wider das Klischee vom einsamen Wolf oder Kaputtnik geschaffen, wie wir ihn noch nie gesehen haben: Reporterinnen schupfen ihren investigativen Job zwischen Kinderbetreuung und Recherchereisen. Eine leidet an postnataler Depression, sie unterstützen sich gegenseitig.
In die Rollen der hartnäckigen Heldinnen schlüpfen die Hollywoodstars Carey Mulligan und Zoe Kazan. Das Publikum schaut ihnen dabei zu, wie sie Frauen treffen und diese schildern, was Weinstein ihnen angetan hat. Ashley Judd spielt sich selber, Gwyneth Paltrow erzählt ihre Geschichte am Telefon selbst. Ein Film, der systemimmanenten Machtmissbrauch direkt und ungekünstelt erzählt. Alleine das ist schon eine kleine Sensation.

Bewertung: *****

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