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KommentarDie Monsieurisierung des französischen Kinos

Es gibt kaum einen französischen Film, der ins Deutsche übersetzt nicht ein Monsieur oder ein Madame im Titel trägt. Warum diese Verniedlichung durchaus problematisch ist.

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Dieser Tage lief ein neuer Film im Kino an: "Monsieur Killerstyle" von Quentin Dupieux mit Jean Dujardin als bemitleidenswert-besessenen Helden und Adèle Haenel als Hobby-Filmcutterin. Ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, wie viele französische Filme nach der Eindeutschung die Wörtchen Monsieur oder Madame im Titel stehen haben? Das hat seit Ewigkeiten Tradition. Schon Filme wie "Die Ferien des Monsieur Hulot" ("Les Vacances de M. Hulot") trugen ein Monsieur im Titel - auch im Original. Zur entgültigen Monsieurisierung kam es vermutlich mit dem veritablen Erfolg der Literaturverfilmung "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" (Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran"). Seitdem kommt kaum ein französischer Film ohne aus. Es ist wie ein ungeschriebenes Gesetz und soll wohl Putzigkeit vermitteln, ein bisschen Exotik oder europäische Gemütlichkeit. Es provoziert aber vor allem eines: Klischees.

Eine schnelle Blitz-Suche in unserem Archiv ergab folgende Liste: "Der geheime Roman des Monsieur Pick" (im Original: "Le Mystère Henri Pick"), "Das zweite Leben des Monsieur Alain" ("L'Homme du train"), "Monsieur Claude und seine Töchter" ("Qu’est-ce qu’on a fait au Bon Dieu?") oder "Monsieur Pierre geht online" ("Un profil pour deux") - um nur einige wenige zu nennen. Die Monsieurisierung schreitet munter voran.

Die Madamisierung aber auch - und sie macht nicht vor Diven wie Catherine Deneuve halt. "Madame empfiehlt sich" (im Original: "Elle s’en va"), "Der Flohmarkt von Madame Claire" ("La dernière folie de Claire Darling"), "Madame Aurora und der Duft von Frühling" ("Aurore"). Manchmal, deutlich seltener, ist auch eine Mademoisellisierung (oder so ähnlich) zu beobachten - etwa im Film "Mademoiselle Hanna und die Kunst Nein zu sagen" ("Je suis à vous tout de suite").

Ist das wirklich alles notwendig? Nein. Das Problem ist einerseits die Verniedlichung und Gleichsetzung französischer Filme, die man so absolut nicht miteinander vergleichen kann. Und auch nicht vergleichen muss. Andererseits verniedlicht diese Ansprache auch die gesellschaftspolitischen und mitunter rebellischen Inhalte wie Klassenkampf, Ungleichheit und Milieu-Einblicke - für die das sozialkritische französische Kino auch seit jeher steht. "Monsieur Killerstyle", der im Original übrigens "Le Daim" ("Das Damwild") heißt, kann man sich dennoch wunderbar anschauen. Monsieur hin oder her.

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