Oscars 2018Politische Kampfansagen mit dem Oscar in der Hand

Eine kleine Grußbotschaft an US-Präsident Donald Trump: Regisseur Guillermo del Toro will gleich nächste Woche mit seinen beiden Oscars nach Mexiko fahren. Frances McDormand fordert eine Klausel in Verträgen, mit der man bei Film-Besetzungen Vielfalt verlangen kann.

Jubel in Mexico über die Oscars für Guillermo del Toro
Jubel in Mexico über die Oscars für Guillermo del Toro © APA/AFP/ULISES RUIZ
 

An einer Sache kommen die Oscar-Gewinner nicht vorbei: Nach dem Triumph auf der Weltbühne stehen die Stars hinter den Kulissen mehr als 300 Journalisten Rede und Antwort. Dort gab es Gefühlsausbrüche und Kampfansagen.

Guillermo del Toro und seine Babys

Guillermo del Toro hat schwer zu tragen - es sind gleich zwei Oscars, als Regisseur und Produzent des besten Films "Shape of Water - Das Flüstern des Wassers". Die Journalisten kommen sofort zur Sache. Wie könne man verhindern, dass Mexiko in den USA oft als Sündenbock an den Pranger gestellt werde? Umso wichtiger sei es, der Welt zu zeigen, was Mexiko in Bereichen wie Sport, Wissenschaft, Kunst und Film leisten könne, sagt Del Toro.

Dabei sei es sehr wichtig, seine Heimat und seine Wurzeln zu würdigen, betont der Regisseur. Und genau das werde er diese Woche "mit diesen beiden Babys" tun, strahlt der Mexikaner mit den Oscars in beiden Händen. In den nächsten Tagen wolle er gleich seine Eltern in der Heimat besuchen.

 

Guillermo del Toro und seine beiden Oscars
Guillermo del Toro und seine beiden Oscars Foto © (c) APA/AFP/ANGELA WEISS (ANGELA WEISS)

Frances McDormand macht Druck

Lauter Applaus für Frances McDormand - doch sie wehrt den Jubel der Journalisten sofort ab. "Bitte schenkt mir keine Beachtung mehr, sonst steigt mir das alles zu Kopf", befiehlt die "Best Actress" mit ähnlich tougher Stimme, wie ihre furiose Mutterfigur in der Tragikomödie "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri". Die Oscar-Trophäe hat sie Backstage gleich auf der Bühne abgestellt. Mit verschränkten Armen gibt sie sich kämpferisch.

McDormand weist auf eine Klausel (Inclusion Rider) in Filmverträgen hin, derzufolge man darauf pochen könne, beim Dreh zur Hälfte mit Frauen und Minderheiten zu arbeiten. "Es gibt kein Zurück mehr", sagt die Schauspielerin. Die Forderung nach mehr Vielfalt und Gleichbehandlung sei nicht nur "ein Trend", sondern nun stehe Hollywood eine echte Veränderung bevor. Und sie wirft auch einen Blick zurück. Mit der Krönung des schwarzen Independent-Dramas "Moonlight" als bester Film habe der Wandel schon vor einem Jahr begonnen, glaubt McDormand.

 

Gary Oldman zitiert Schwarzenegger

Als Winston Churchill in "Die dunkelste Stunde" ist Gary Oldman ein politisches Schwergewicht. Doch Backstage, nach seinem Oscar-Sieg, wirkt er schmal und ein wenig erschöpft. Die schwere Oscar-Trophäe stellt er gleich neben sich ab. Die Rolle war "ein unvergessliches Erlebnis" und das Highlight seiner Karriere, sagt Oldman. Dass er "einen der großartigsten Engländer aller Zeiten" spielen durfte, mache den Oscar-Gewinn noch spezieller.

Gegen den 59-jährigen Star hatten die Mit-Nominierten keine Chance. Doch Oldman preist den 22 Jahre alten Mitstreiter Timothée Chalamet ("Call Me By Your Name") Backstage in höchsten Tönen - und mit einem berühmten Zitat von "Terminator" Arnold Schwarzenegger. "Er ist ein wunderbares Kind. Wirklich, ein Kind. Er ist charmant und ungeheuer begabt." Er habe Chalamet in der Oscar-Nacht gesagt 'You will be back'. Der Nachwuchsstar habe noch viele Jahre vor sich, doch für ihn selber sei es das wohl gewesen, sinniert Oldman.

 

Feiern wie die Könige: Das sind die Oscar-Gewinner 2018

Der große Gewinner

Guillermo del Toros 13fach nominiertes Fantasymärchen "The Shape of Water" gewann insgesamt vier Oscars - als bester Film, für die beste Regie, das beste Design und die beste Musik.

Hoher Favorit

Das kann man Start-Ziel-Sieg nennen: Del Toro hatte seit Beginn des Oscar-Rennens als Favorit gegolten.

Fantasymärchen

Der Film, den es zu feiern gilt, erzählt von der Macht der Liebe unter ungünstigsten Bedingungen: Eine Menschenfrau verliebt sich in einen Amphibiengott. Und das in einem geheimen Versuchslabor zur Zeit des Kalten Krieges.

Tonmeister

Alexandre Desplat holte sich mit der Filmmusik zu del Toros "Shape of Water" seinen zweiten Oscar. Einen hat er schon: für Wes Andersons "Grand Budapest Hotel".

Unverdrossen

Nach 14 Anläufen war es soweit: Roger A. Deakins holte sich nach vielen unerfüllten Nominierungen nun den Oscar für die beste Kamera bei "Blade Runner 2049".

Die Beste

Frances McDormand gewann für "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" die Trophäe als beste Hauptdarstellerin. Und holte alle an diesem Abend nominierten Frauen vor den Vorhang. Viele waren es ja nicht...

Geduldsprobe

James Ivory mit seiner Trophäe für das beste adaptierte Drehbuch. Obwohl sein Film "Zimmer mit Aussicht" 1985 drei Oscars einheimst, ist dieser Oscar der erste, den der 89-Jährige persönlich gewonnen hat. Er ist der ältestes Oscargewinner aller Zeiten.

Strahlend

Allison Janney mit ihrem Oscar als nebendarstellerin in "I, Tonya". Die Charakterdarstellerin ist auch aus der TV-Comedyserie "West Wing" bekannt.

Dankesbezeugung

Der Brite Gary Oldman dankte den Vereinigten Staaten "für Heimat, Unterhalt und jetzt auch den Oscar." Dass er als Winston Churchill in "Die dunkelste Stunde" gewinnen würde, galt quasi als ausgemacht.

Debütant

Jordan Peele ist der erste Afroamerikaner mit einem Drehbuch-Oscar. Außerordentlich: Er war mit seinem Debütfilm, der Horrorsatire "Get Out", gleich dreifach nominiert.

Feierstunde

Hier gratuliert sein Hauptdarsteller Daniel Kaluuya dem frisch gekürten Oscarpreisträger Peele.

Charakterkopf

Last, not least: Sam Rockwell gewann für "Three Billboards" den Preis als bester Nebendarsteller. Sein Oscar war der erste, der an diesem Abend vergeben wurde.

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Allison Janney geht barfuß

Hinter der Bühne hält es Allison Janney nicht länger aus. "Oh, meine Füße", grinst die frisch gekürte Oscar-Preisträgerin im hautengen roten Kleid. Als erstes zieht sie die hochhackigen Schuhe aus. Den Nebenrollen-Oscar verdankt sie ihrem Auftritt als herzlose, strenge Mutter in der Tragikomödie "I, Tonya". Wie wird sich ihr Leben nun ändern? Sie sei heilfroh, dass sie morgen früh gleich wieder zur Arbeit gehen müsse - für die TV-Serie "Mom". "Denn der Erfolg könnte einem sonst leicht zu Kopf steigen", grinst Janney.

Doch in der Oscar-Nacht soll sie diesen Erfolg ruhig auskosten. Was sage ihr ihre innere Stimme gerade, fragt ein Reporter. "Bravo. Gut gemacht, Mädchen. Ich bin stolz auf dich", schießt es aus der Schauspielerin raus. Und diese Ehrlichkeit wird von den Journalisten mit lautem Applaus honoriert.

 

Bunt und glamourös: Die besten Oscar-Roben

Schwungvoll

Die Sängerin und oscarnominierte Schauspielerin Mary J. Blige hatte Spaß in einem weißen Kleid von Atelier Versace.

Funkelnd

Sandra Bullock kam in Louis Vuitton.

Königlich

Inbegriff der Eleganz: Jane Fonda trug eine tolle Robe von Balmain.

Frühlingshaft

Regisseurin Greta Gerwig in einem bestickten Kleid von Rodarte.

Purer Glamour

Salma Hayek: großer Auftritt in Gucci.

Im Trio

Sogar noch besser sah Hayek im Trio mit ihren #TimesUp-Mitstreiterinnen Mira Sorvino und Ashlexy Judd aus.

Breitschultrig

Auch Männer mischten in Sachen Mode mit: Hier "Black Panther"-Star Chadwick Boseman in Givenchy.

Außergewöhnlich

Allison Janney holte sich ihren Oscar als beste Nebendarstellerin in einer ganz schön langärmeligen Robe von Reem Acra ab.

Guter Dinge

Bestens aufgelegt zeigte sich Jennifer Lawrence in Christian Dior.

Statuesk

Helen Mirren zeigte sich in einer taubenblauen Robe von Reem Acra.

Goldig

Nichts für Mauerblümchen: Lupita N'yongo trug einen goldenen Blickfang von Atelier Versace.

Tolle Silhouette

Margot Robbie, für "I, Tonya" oscarnominiert, entschied sich für ein weißes Kleid von Chanel.

Irische Rose

Ganz in Rosa kam Saoirse Ronan, die für "Lady Bird" eine Oscarnominierung eingeheimst hatte. Das Kleid istCalvin Klein.

Königlich

Ernsthaft königliche Robe: Octavia Spencer in Brandon Maxwell.

Ganz in weiß

In einem weißen Anzug von Berluti kam Jungstar Timothée Chalamet. Beim Oscar-Erstauftritt soll man sich nicht verstecken.

Jordan Strauss/Invision/AP

Auch kleidsam

Emma Stone hatte wohl keine Lust auf ein Kleid. Der Anzug ist von Louis Vuitton.

Kirschrot

Meryl Streep, sonst modisch oft eher zurückhaltend, ließ es diesmal krachen - in einem toll dekolletierten roten Kleid von Christian Dior.

Kantig

Nicole Kidman zeigt Bein in einem nachtblauen Kleid von Armani Privé.

Gastauftritt

Und wer ist das? Tatsächlich: Skifahrerin Lindsey Vonn in einem Kleid von Siriano.

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Gerd Nefzer kann es nicht fassen

Er steht kopfschüttelnd auf der Bühne und strahlt: "Danke schön, Germany. Thank you. Great". Vor einem Millionenpublikum hält Gerd Nefzer seinen ersten Oscar in der Hand. Den hat sich der Deutsche als Spezialeffekte-Macher gemeinsam mit drei Hollywood-Kollegen bei dem Film "Blade Runner 2049" verdient. Der gebürtige Schwabe, mit einem Effekte-Studio in Babelsberg, kann es auch Backstage noch nicht fassen. "Es ist ein super Moment in meinem Leben, ich hätte es nie gedacht, dass ich es als deutscher Special Effects Supervisor mal zu den Oscars schaffe", sagt der 52-Jährige vor der versammelten Weltpresse.

Und wie geht es nun weiter - wo wird gefeiert? Die schüchterne Antwort des Hollywood-Neulings: "Ich bin mir noch nicht sicher, es ist das erste Mal, dass ich einen Oscar gewinne." Wahrscheinlich auch das letzte Mal, schiebt er grinsend nach. Aber natürlich wird jetzt mit dem Team und viel Champagner auf den Triumph angestoßen. Mit dem Oscar im Handgepäck geht es am Montag bereits zurück in die Heimat. Er müsse schon gleich am Dienstag wieder drehen, sagt Nefzer - in Englisch - mit einem stolzen schwäbischen Akzent.

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