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Kultur weiter im LockdownBurgtheater-Chef Kušej: "Wie lange sollen wir uns noch verschaukeln lassen?"

Auch die heimische Kultur bleibt weiterhin im Lockdown. Viele Häuser müssen ihre angekündigten Produktionen neuerlich verschieben.

Burgtheater-Direktor Martin Kušej
Burgtheater-Direktor Martin Kušej © (c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
 

Dass ab 18. Jänner ein negativer Antigentest die Türen für Kultur, Handel und Gastronomie öffnet, ist obsolet. Nach der Blockade der Opposition am Sonntag ist es nun fix: Der Lockdown wird laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober um eine Woche verlängert. Automatisch geraten nun jene Kulturinstitutionen, die eine Öffnung ab dem 18. Jänner geplant hatten, unter Zugzwang. Nicht nur, dass man geplante Aufführungen verschieben muss, sondern es steht auch die Frage im Raum, ob eine Öffnung der Häuser ab 24. Jänner realistisch ist. Der Grund sind die aktuellen, nach wie vor hohen, Infektionszahlen, die bis dorthin deutlich sinken müssten. In Deutschland wird etwa über eine Ausweitung des Lockdowns beraten.

Schon geübt im Verschieben ist man etwa am Volkstheater Wien, dort geht es bekanntlich ja nicht nur um eine Premiere, sondern um die Öffnung eines ganzen Hauses: Am 22. Jänner wollte Kay Voges die Türen des renovierten Hauses am Arthur-Schnitzler-Platz mit dem  Audio-Walk "Black Box" von Stefan Kaegi und Rimini Protokoll öffnen. Die erste Verschiebung ist das freilich nicht, ursprünglicher Eröffnungstermin wäre der 8. Jänner gewesen.

"2020 - Danke für nix" an der Fassade der Wiener Staatsoper
"2020 - Danke für nix" an der Fassade der Wiener Staatsoper Foto © (c) APA/HANS PUNZ (HANS PUNZ)

"2020 - Danke für nix" leuchtete es rund um den Jahreswechsel an der Fassade der Wiener Staatsoper. Und 2021 fängt nicht besser an: So hatte etwa die Staatsoper just am heutigen Montag geplant, ihre Spielplanpläne ab dem 18. Jänner zu veröffentlichen, setzt nun aber auf eine Verlängerung der ORF-Kooperation. In der Volksoper ist die bereits veröffentlichte Planung für das fragliche Wochenende Makulatur, und Burgtheater-Chef Martin Kusej zeigt sich mittlerweile "richtig verärgert".

Aus einem Neustart am 18. Jänner wird es nun also auch für die Staatsoper nichts. "Was wir stattdessen machen werden, ist eine Verlängerung unserer gemeinsamen Aktion mit dem ORF, durch die schon im Dezember ein riesiges, nach Theater hungriges Publikum erreicht werden konnte", kündigte Staatsopern-Direktor Bogdan Roscic in einem Statement an. So wird zum bereits fixierten "Werther" am 10. Jänner nun auch eine Wiederaufnahme von "Nabucco" mit Placido Domingo von ORF III am 24. Jänner ausgestrahlt.

"Was wir im Jänner darüber hinaus machen können, steht in den Sternen. Auch die letzte Jänner-Woche ist nach immer lauter werdenden Spekulationen möglicherweise ebenso durch einen verlängerten Lockdown gefährdet", konstatierte Roscic. Auch was die Rahmenbedingungen für den Februar beträfen, sei noch nichts bekannt: "Die Planungszeiträume werden jedenfalls immer kürzer, die Verunsicherung des Publikums immer größer. Vielleicht müssen wir das Publikum ja demnächst bitten, nicht nur wegen der Ausgangsbeschränkungen schon am Nachmittag und frisch getestet, sondern auch in Skischuhen zu erscheinen, damit ein Stattfinden der Vorstellung garantiert werden ka

Burgtheater-Direktor Martin Kušej zeigte sich in einer Stellungnahme gegenüber der Austria Presse Agentur mehr als enttäuscht: "Nach dieser letzten Volte bezüglich der Kulturinstitutionen bin ich wirklich richtig verärgert! Und ich denke, dass ich für alle Menschen spreche, die in den Theatern arbeiten, wenn ich frage: Wie lange sollen wir uns noch verschaukeln lassen? Wie lange sollen wir noch über die Stöckchen springen, die man uns hinhält? Denn der Zeitpunkt für die Wiedereröffnung der Theater ist wieder ungewiss!" Die Planungen für Vorstellungen ab dem 22. Jänner in allen Spielstätten des Burgtheaters seien nun wieder von heute auf morgen Makulatur. "Ein Theaterbetrieb dieser Größe kann diese Entscheidungen nicht kurzfristig umsetzen. Wir Kultureinrichtungen haben sehr gute, bereits bewährte Präventionskonzepte, mit denen wir bei zulässiger Infektionslage öffnen können; darüber spricht man nicht einmal mehr", so Kušej: "Ein erneutes Zeichen dafür, welchen ach so hohen Stellenwert der Kulturbereich für die österreichische Regierung in der so genannten Kulturnation Österreich hat!"

Auch für die steirische freie Theaterszene hätte das Ende des Lockdowns den Beginn eines intensiven Premierenreigens bedeutet. Der Verzicht auf das Freitesten macht nun neuerliche Verschiebungen notwendig. Das Theater Oberzeiring hätte in dieser Saison sein 30-jähriges Bestehen durch monatliche Premieren feiern wollen. Lockdown II und III führen bereits zu einer Verdichtung im Spielplan, nun müssen die Premieren von „Doppelfehler“ und „Der Panther“ erneut verschieben werden. Insgesamt sind in Oberzeiring vier Vorstellungen betroffen. Das Grazer Mezzanin Theater muss die Premiere des Kinderstücks „Schaufen“ und insgesamt vier Vorstellungen verschieben.

Auch Museen und Galerien müssen weiterhin ihre Türen geschlossen halten. Vielfach hat man auf den Webseiten der Häuser auf eine Aktualisierung verzichtet, denn ob der 24. Jänner automatisch eine Öffnung mit sich bringt, ist ebenso ungewiss.

Im Kunsthistorischen Museum (KHM) hätte eigentlich die Sonderschau "Beethoven bewegt" noch eine letzte Woche von 18. bis 24. Jänner zu sehen sein sollen. Ob hier angesichts von Leihgaben eine Verlängerung möglich sei, müsse noch evaluiert werden, heißt es gegenüber der Austria Presse Agentur.

Auch die Philharmonie Salzburg musste am Montag ihre für die Woche ab 18. Jänner geplanten Konzerte absagen. "In einer tragisch gespalteten Gesellschaft kann keine konsistente Politik stattfinden. Mein Vertrauen in die Regierung ist mit der heutigen Entscheidung den Lockdown nun doch zu verlängern, mächtig geschwunden", beschied Dirigentin Elisabeth Fuchs.

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Danke für Ihr Verständnis.

carpe diem
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Österreich ist keine Kulturnation.

Auch keine Sportnation. Fußball und Schifahren allein machen keine Sportnation.
Und Kunst und Kultur scheinen höchstens dann interessant, wenn man sie an Touristen in Wien verkaufen kann.
Ansonsten reichen "Österreich", Krone und Lederhosenkultur.

Hirsemann
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Auf die Straße!!!

Ich verstehe absolut nicht, warum die Kulturschaffenden nicht schon längst auf der Straße stehen und mal ordentlich ihren Unmut äußern. Das was mit dieser Branche Aufgeführt wird, geht ja schon lange auf keine Kuhhaut mehr!

CloneOne
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Weil man

sie dann automatisch zu den rechten Covidignoranten zählen würde. Es gibt keine Lobby und die paar stastlich subventionierten Theater und Kunsthäuser bekommen ihr Geld egal ob sie spielen oder nicht. Die kleineren Häuser schauen seit beginn an durch die Finger.

duMont
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Viele Künstler sind Selbstständige und haben derzeit keine Möglichkeit Geld zu verdienen

Viel Künstler wie Musiker Sänger und Bildende Künstler sind sind häufig Selbstständig e und haben durch den Lockdown keine Möglichkeit Geld zu verdienen weil Theater und Museen und Galerien geschlossen werden mussten. Selbständige sind Menschen die eine Ich AG Ihr Eigen nennen. Man nennt Sie auch freie Künstler. Das heist sie sind nicht angestellt und kriegen Ihr Geld nicht gezahlt wenn das Theater geschlossen ist. Denen geht es nicht so gut wie den Gastwirten denen angeblich achzig Prozent Ihres Einkommens vom Staat rückerstattet wird und großen Konzernen die trotz fetten Gewinnen die Kurzarbeit laufen haben. Nur ein kleiner Teil der Künstler ist beim Staat angestellt.
Arm sind auch Studenten und Forscher, die nicht beim Staat angestellt sind. Sie haben derzeit auch kaum eine Möglichkeit Geld zu verdienen. Wissenschaftler haben derzeit auch einen schweren Stand, da sie auch oft selbstständig sind. Ich glaube schon, dass die Regierung was für Künstler übrig hat, da der Kulturminister zusätzliche Gelder zur Verfügung gestellt hat.

hermannsteinacher
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Kanzler und Vize

haben für Kultur nichts übrig.

duMont
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Es gibt viele Unterstützungen für Künstler von der Regierung jedoch bitte sofort die Museen und Bibliotheken öffnen.

Anscheinend haben die Kulturpolitiker Angst vor Museen oder glauben sich im Museum von alten Bildern und eingewickelten Mumien in Holzsärgen mit Corona anzustecken,