Zwei Wochen vor der am 18. Juni geplanten Einweihung der Installation des bulgarischen Verhüllungskünstlers laufen die Vorbereitungen am lombardischen See im Eiltempo. Der letzte Teil der "Floating Piers" - mit Stoff bezogene, riesige Stege, die vom Festland zu zwei Inseln im See führen - wird diese Woche installiert.

Schon jetzt eine Attraktion

Die Arbeiten für die drei Kilometer lange, safrangelbe Stoffbahn, die beim Spaziergang das Wasser praktisch unter den Füßen spüren lässt, werden bis Freitag abgeschlossen sein. Hunderte Schaulustige beobachteten an diesem Wochenende die Vorbereitungen für das spektakuläre Projekt. Die auf dem Wasser schwimmenden Brücken verbinden die 450 Meter hohe Monte Isola, die höchste Insel in einem Süßwassersee in Europa, mit dem Dorf Sulzano auf dem Festland und der kleinen Insel San Paolo. So entsteht ein Spazierweg "auf dem Wasser": Die Besucher werden in quasi biblischer Manier über den See wandeln können. Zwei Wochen lang wird das Kunstwerk bestehen und begehbar sein, bevor es abgebaut und recycelt wird.

Dahliengelb-Golden

Aus 200.000 zusammengeschraubten Schwimmwürfeln aus Polyethylen bestehen Christos Stege. Sie werden von 90.000 Quadratmeter Stoff bedeckt. Die Farbe ist Dahliengelb-Golden und wird am frühen Morgen je nach Einfall des Sonnenlichts fast in dunklem Rot oder tiefem Orange erscheinen. Die Ausstellungsperiode fällt auf die Jahreszeit mit den meisten Sonnenstunden. "Das Gewebe leuchtet teilweise so stark, dass man Sonnenbrillen tragen muss", berichtete Christo. Der Stoff wird erst in der letzten Nacht vor der Einweihung auf die Schwimmwürfel gezogen. Damit ist der Überraschungseffekt für die Besucher gesichert.

"Selbst wenn ein Boot vorbeifährt, werden die Stege nicht schaukeln, sondern die Wellen werden quasi in den Stoff einfließen. Die Menschen werden das Wasser unter ihren Füßen spüren und sehen, wie sich die Wellen unter der Oberfläche des Stoffes bewegen", berichtete Christo. Die Sicherheit der Besucher garantieren dreißig Schlauchboote und Rettungsschwimmer. Der Spaziergang über das Wasser kostet nichts, die Stege sind rund um die Uhr geöffnet. Sie werden durch spezielle Batterieleuchten auch nachts angestrahlt.

Besucheransturm erwartet

Die vom Massentourismus eher verschont gebliebenen Gemeinden um den Iseo-See unweit der lombardischen Stadt Brescia rechnen mit einem Besucheransturm. 700.000 Besucher werden erwartet und sollen der Gegend Einnahmen in Höhe von drei Millionen Euro pro Tag bescheren. Maximal 12.000 Personen können zur gleichen Zeit auf den Stegen spazieren. Bis zu maximal 8.000 Menschen werden sich gleichzeitig auf der Insel Monte Isola aufhalten können, auf der circa 2.000 Menschen wohnen. "Wir arbeiten hart, um uns auf dieses Event bestens vorzubereiten. Für uns ist es ein einmaliges Ereignis", berichtet der Bürgermeister von Monte Isola Fiorello Turla.

15 Millionen

Das 15 Millionen teure Projekt hat den öffentlichen Kassen nichts gekostet. Finanziert wurde die Installation wie alle anderen kurzlebigen Originalwerke Christos durch den Verkauf von Skizzen, Collagen, Filmen und Fotos. "Jeder Euro, der in Kunst investiert wird, generiert vier Euro Umsatz", versichert der in New York lebende Bulgare, der am 16. Juni 81 Jahre alt wird.

"Schön wäre es, mehr Künstler zu haben, die statt Geld zu verlangen, Geld bringen", kommentierte die Tageszeitung "La Repubblica" Christos Projekt. Bereits am 3. Juli ist die Schau zu Ende, die Materialien werden abgebaut und recycelt, und die Menschen wandeln wieder mit beiden Füßen auf der Erde. Doch die Bekanntheit des Iseo-Sees wird dank der Installation rasant steigen, versichern Marketing-Experten. Touristiker rechnen, dass der Christo-Effekt hier noch lange anhalten wird.