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Wie ich arbeitePaketzustellerin: "Der Postler ist wie der Friseur. Ihm erzählt man alles"

Paketzustellerin Veronika Wucherer über kontaktlose Zustellungen und wie man den Menschen dabei trotzdem emotional sehr nahe kommt.

© Peter Wucherer
 

Anhand der Pakete, die Sie in den vergangenen Wochen zugestellt haben. Wie haben die Menschen die Zeit der Ausgangsbeschränkung verbracht?
Veronika Wucherer: Sie haben gegartelt und heimgewerkt.

Wo sind Sie unterwegs?
Im unteren Teil von Wernberg in Villach-Land, es ist eher eine ländliche Gegend.

Inwiefern hat sich Ihr Alltag durch Corona verändert?
Es beginnt schon in der Lagerhalle, dort müssen wir Masken tragen, Abstand halten und es gibt überall Desinfektionsmittel. Es ist wirklich eine ganz neue Situation.


Und beim Kunden?
Wir stellen die Pakete kontaktlos zu. Also, ich läute an der Türe und wenn ich höre, dass sich etwas tut, gehe ich auf Abstand. Man winkt sich dann zu und unterhält sich eben auf Distanz. Das war zu Beginn sehr eigenartig. Zu normalen Zeiten liefere ich an die 120 Pakete aus. Derzeit sind es 150 bis 200 an einem Tag, dabei bin ich noch in einem ruhigen, ländlichen Gebiet. Von den Mengen her ist es aber mehr als Weihnachten.

Zur Person

Veronika Wucherer (40) arbeitet als Paketzustellerin bei der Post in Wernberg in Villach-Land.
Die Post verzeichnet ein Plus von 20 Prozent bei den Paketen. Österreichweit stellt man täglich bis zu 700.000 Pakete zu.


Was haben Sie bei Ihren Touren erlebt?
Ich habe alle Emotionen gesehen. Viele waren mitteilungsbedürftig, weil sie einsam waren. Dann gab es auch Leute, die ängstlich waren und sich gefürchtet haben, sich anzustecken. Manchen war es einfach egal.

Gab es eine Situation, die Ihnen besonders nahe ging?
Ja, da war eine Dame, die mir weinend die Tür geöffnet hat, weil es ihr mental nicht gut ging. Sie kam mit der Situation nicht zurecht. Ich habe versucht, sie zu trösten, indem ich gesagt habe, dass es ja wieder vorbei geht und wir alle betroffen sind. Das ging mir schon an die Nieren. Viele haben Angst, dass sie ihre Arbeit verlieren. Es gab viele, denen es speziell am Anfang nicht gut ging. Ich denke, bei den Postlern ist es wie beim Friseur, man vertraut sich ihm an. Und am Land ist schon anders, als vielleicht in einem anonymeren Stadtgebiet. Man kennt sich hier ja.
Haben Sie denn selbst auch etwas bestellt?
Ja, ich habe sicherheitshalber einmal doppelt so viel Futter für meine Katzen Penelope und Valentin bestellt.

Wie schaut es mit Hunden aus: Hunde und Postler . . .?
Es ist ein Klischee, dass Postler ihre Probleme mit Hunden haben. Es ist eher so, dass die meisten Hunde wissen: Ah, da kommt der Postler, jetzt gibt es Leckerlis! Ich habe immer welche dabei. Ich gebe auch den Hunden ein Leckerli, deren Besitzer gar kein Paket bekommen. Eine Investition in die Zukunft.

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