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Sommergespräch aus OsttirolHeinz Schultz: „Meine Geduld wird oft strapaziert“

Heinz Schultz hat in Osttirol noch viel vor. Und: Er verrät, was es mit der Beteiligung der Osttirol Invest an den Kalser Bergbahnen auf sich hat.

Der Osttiroler Tourismus hat für den Investor Heinz Schultz großes Zukunftspotenzial © RUGGENTHALER
 

Als Seilbahnunternehmer und Hotelbetreiber stecken Sie mitten in der Sommersaison. War für Sie, Herr Schultz, trotzdem ein Urlaub drinnen?
HEINZ SCHULTZ: Mit meiner Frau war ich fünf Tage Bergsteigen in Südtirol. Wir hatten zwei Hunde dabei, davon ist einer aus Osttirol. Also, ein Osttiroler wohnt auch bei uns zu Hause.

Um Sie ist es ruhig geworden. Über Investitionen der Schultz-Gruppe in Osttirol hört man nichts mehr? Steht nichts an?
Es ist doch gut, wenn man wenig hört. Dann läuft es. Es stimmt, wir hatten heuer in Osttirol keine Investitionsphase. Darüber hinaus ist einiges eingereicht oder in Verhandlung.

Stichwort St. Jakob. Dort ist seit den Bürgermeisterwahlen die Rede vom Ausbau des Skigebietes. Unter vorgehaltener Hand wird kritisiert, dass nichts passiert. Wo hakt es?
Investitionen in St. Jakob sind sehr wohl in Planung. Mit den Grundeigentümern waren die Verträge noch nicht fertig. Am 1. August wurde der letzte ausstehende Dienstbarkeitsvertrag unterschrieben. Nun können wir mit den behördlichen Verhandlungen für die Sesselbahn Leppleskofel beginnen. Baubeginn wäre 2019 möglich. Für den Bruggen-Lift vom Hotel Defereggental bis zur Talstation Brunnalm fehlen noch die Unterschriften.

Warum wurde in St. Jakob das Chaletdorf nie errichtet?
Dafür gibt es Verhandlungen. Es soll im Bereich der Talstation gebaut werden, mit 200 Betten. Voraussetzung ist, die geplanten Lifte werden genehmigt.

Immer wieder kommt es vor, dass bei Projekten in Osttirol Umweltschützer Einspruch erheben. Macht Sie das müde?
Als Unternehmer muss man sich den Projekten stellen, sie ausreichend verhandeln. Die Geduld wird oft strapaziert. Und für die Öffentlichkeit ist es unverständlich, warum die Umsetzung so lange dauert. Ein Beispiel: Ich versuche im Wald, angrenzend an das Hotel Gradonna in Kals einen Waldspielplatz zu machen. Seit sechs Monaten ist es nicht möglich, für das Vorhaben auf eigenem, gewidmeten Grund einen Bescheid zu bekommen.

Heinz Schultz ging im Gespräch mit Redakteurin Michaela Ruggenthaler auch auf heikle Themen ein Foto © RUGGENTHALER

Jetzt zu einem heiklen Thema. Aktuell gibt es Diskussionen über die Sechs Millionen Euro-Beteiligung der Osttirol Invest (OIG) an den Kalser Bergbahnen. Diese Beteiligung soll es nicht mehr geben. Sie haben dazu nie eine öffentliche Stellungnahme abgegeben. Wir hätten gerne eine.
Kein Problem. Die bekommen Sie. Es ist so: 2006 hat die Schultz-Gruppe die Kalser Bergbahnen von den Bergbahnen Sölden und der Gemeinde Kals übernommen. Damals waren die Lifte konkursreif. 2008 wurde der Skigebiets-Zusammenschluss Kals-Matrei durch die Errichtung der Gondelbahn Kals umgesetzt. Die OIG hat damals die Anteile der Gemeinde Kals und Teile von uns übernommen. Damals wurde schon ein gegenseitiges Ausstiegsrecht vereinbart. Dabei wurde festgehalten, dass eine wirtschaftliche Bewertung des Betriebes den Ausstiegspreis regelt. Und die Schultz-Gruppe hat dies 2018 angefordert.

Und weiter?
Jetzt sind die Gutachter bei der Bewertung. Das heißt, der Kaufpreis steht noch nicht fest. Jedoch wurde der von uns ermittelte Kaufpreis auf einem Treuhandkonto hinterlegt.

Wie wirtschaftlich sind die Kalser Bergbahnen?
Na ja. Diese schreiben seit 2006 große Verluste, die mit Geld aus dem Zillertal abgefangen werden. Die OIG zahlte bei keinem der Verluste mit ein, sodass eine wirtschaftliche Betrachtung meiner Meinung nach sehr negativ ausfallen müsste.

Wie viel hat die Schultz-Gruppe bisher in Osttirol investiert?
Mehr als 200 Millionen Euro.

Wortspenden

Steinrötel. Dieser Vogel hat den Ausbau des Thurntaler Skigebietes vereitelt. Selber habe ich noch keinen gesehen.
Franz Theurl. Fleißig, aber nicht immer produktiv.
Osttirol. Ein wunderschöner Flecken Tirols mit viel Kraft für die Zukunft. Hier zu urlauben, muss ich noch nachholen.
Politik. Wichtig und sollte noch deutlicher sein.
Gradonna. Ein Kraftplatz
Winter. Eine schöne Zeit
Leibspeise. Mehlspeisen
Thurntaler. Ausbaufähig
Touristisches Ziel. Jahresvollbeschäftigte in Osttirol

Wie weit ist die Skischaukel Sillian-Sexten fortgeschritten?
Hier gebührt zuallererst Dank dem Franz Kraler. Er hat die Dienstbarkeiten von den Grundeigentümern beigebracht. Das Projekt ist eingereicht und es wurden bis dato keine Ausschließungsgründe festgestellt. Es wird eine UVP geben und dann ist die Finanzierung zu klären.

In Lienz laufen Versuche, den Hochstein zu retten. Ist die Übernahme der Lienzer Bergbahnen nach wie vor kein Thema für Sie oder schauen Sie einfach einmal zu, was passiert?
Wir orten aus Lienz nicht, dass die Schultz-Gruppe erwünscht ist. Das wurde auch deutlich bei den Tourismuswahlen kundgetan und diese Botschaft ist bei uns angekommen.

Sie sitzen seit Jahresbeginn im Aufsichtsrat des Tourismusverbandes Osttirol (TVBO). Wie läuft es dort aus Ihrer Sicht?
Bei den Wahlen haben Martin Gratz und die Liste Schultz die Stimmenmehrheit erhalten. Diese Mehrheit spiegelt sich nicht in den Mandaten des Vorstandes wider. Die Zusammenarbeit ist aber konstruktiv.

Wie viel Zukunftspotenzial hat Osttirol im Tourismus?
Sehr viel, deshalb investieren wir auch. Aber es braucht eine Gesundung des TVBO, damit die Werbemittel in der Werbung landen. Und Zuschüsse für infrastrukturelle Maßnahmen sind notwendig und müssen gewollt sein. Die derzeitige Werbekraft des Verbandes ist zu gering und schwächt die vielen kleinen Betriebe.

Zur Person

Heinz Schultz. Er wurde 1966 in Innsbruck geboren, ist seit 32 Jahren mit seiner Frau zusammen, verheiratet und hat zwei Kinder. Er absolvierte die Banklehre und besuchte die Handelsakademie. Seit seiner Kindheit arbeitete er mit Schwester Martha im Betrieb mit und beide stiegen früh in das Unternehmen ein.

Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zum Matreier Bürgermeister Andreas Köll, der auch Geschäftsführer der Goldried-Bergbahnen ist. Wurden aus guten Freunden Feinde?
Andreas Köll hat sehr viel für Osttirol geleistet. Das Recht, sich bezüglich Tourismuswahl Recht zu verschaffen, unterstütze ich. Ob er recht bekommt, entscheiden andere. Seine wichtigste Aufgabe für die Matreier Goldried-Bergbahnen ist die Umsetzung der Talabfahrt Matrei. Bis Jahresende hat er die Grunddienstbarkeiten zugesagt.

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