Starke Schmerzen, zahlreiche Arztbesuche, ungewollte Schwangerschaften. Was defekte Verhütungsspiralen alles anrichten können, mussten zahlreiche Frauen aus ganz Österreich am eigenen Leib erfahren. Aufgrund eines Materialfehlers brachen bei bestimmten Chargen der Firma Eurogine die Plastikarme der Spiralen frühzeitig ab. Kamen die Teile nicht von selbst aus dem Körper, waren für die Entfernung teils schmerzhafte ärztliche Eingriffe nötig. Dies erlebte auch eine Klagenfurterin, die während der schmerzhaften Behandlung sogar in Tränen ausbrach, wie sie der Kleinen Zeitung erzählte.

Rund 28.000 Spiralen der defekten Charge sollen verkauft worden sein, rechnet der Verbraucherschutzverein (VSV) vor. Laut einer Studie eines Innsbrucker Gynäkologen sind 68 Prozent davon gebrochen. Das würde 19.000 Frauen betreffen, meinte Daniela Holzinger vom VSV am Samstag in der ORF-Sendung "Bürgeranwalt". "Erst zehn Prozent haben sich bei uns gemeldet." Für den Hersteller sind die Zahlen nicht nachvollziehbar. "Nur" 6,94 Prozent der Spiralen seien potenziell betroffen gewesen.

Daniela Holzinger bei der ORF-Sendung "Bürgeranwalt"
© ORF/Screenshot

Derzeit laufen nicht nur in Österreich, sondern international diverse Schadenersatzprozesse gegen das Unternehmen. Mit ernüchternden Ergebnissen für viele Betroffene: Im Dezember 2021 wurden einer Kärntnerin 500 Euro zugesprochen. Einer Frau aus Ostösterreich erhielt überhaupt nur 150 Euro.

Höhere Zahlungen in anderen Ländern

Holzinger macht das "skandalöse Gutachterwesen" in Österreich dafür verantwortlich. "Frauen werden oft nur zwei oder drei Stunden Schmerzen zugestanden." Psychische Belastungen und Behinderungen im Alltag werden dabei übersehen. "Frauenschmerzen werden nicht berücksichtigt", ergänzt die designierte VSV-Obfrau, für die es "skandalös ist, was wir in den Gutachten vorfinden". Vergleichbare Fälle in anderen Ländern erhalten mehr Geld. In Deutschland liege die niedrigste Summe bei 2000 Euro, schildert Holzinger.

Mittels Privatgutachten möchte der VSV weiter kämpfen. Betroffene können sich auch weiterhin an den Verein wenden. Derzeit läuft eine Crowdfunding-Aktion, eine Sammelklage befindet sich ebenfalls in Ausarbeitung.