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Kärntner des TagesDie Rechnung dieser zwei Doktoren ging auf

Die beiden Klagenfurter Benjamin Hackl (24) und Christian Niemetz (38) feierten eine Promotion "sub auspiciis": Niemetz hat seine Dissertation am Institut für Statistik bei Jürgen Pilz abgeschlossen, der gebürtige Wolfsberger Hackl am Institut für Mathematik bei Doktorvater Clemens Heuberger.

Bundespräsident Alexander van der Bellen verlieh am Dienstag Benjamin Hackl (rechts) und Christian Niemetz die höchsten studentischen Ehren
Bundespräsident Alexander van der Bellen verlieh am Dienstag Benjamin Hackl (rechts) und Christian Niemetz die höchsten studentischen Ehren © KLZ/Helmuth Weichselbraun
 

Der Klagenfurter Benjamin Hackl (24) besuchte schon Jahre vor seiner Matura im Rahmen des Programms „Schüler an Hochschulen“ des österreichischen Zentrums für Begabtenförderung und Begabtenforschung Vorlesungen. „Alles begann damals mit dem Talentecamp 2009. Dort suchte ich mir die Mathematik aus und dann hat es Klick gemacht“, berichtet der Mathematiker.

Danach fing der 24-Jährige an, Kurse zu besuchen – vorerst inoffiziell. In das Programm für Hochbegabte kam er auch ganz zufällig: „Die Sekretärin meiner Schule machte mich darauf aufmerksam und kam schließlich mit Broschüren des Förderprogrammes zu mir.“ Im späteren Verlauf inskribierte er sich und besuchte einmal die Woche Hochschulkurse. Die Schule stellte ihn dafür frei. Nach seiner Matura hatte er schon ein Drittel des Bachelorstudiums fertig. Mit 20 schloss er sein Masterstudium der Mathematik als jüngster Absolvent der Universität Klagenfurt ab.

Seine Dissertation schrieb er neben seiner Tätigkeit am Institut für Mathematik als Senior Scientist in nur drei Jahren. Diese widmete sich der analytischen Kombinatorik. „Es geht um die Untersuchung von Reduktionsprozeduren auf sehr großen Graphen, als ob man bei einem U-Bahn-Netz alle Endstationen löschen würde“, erklärt der Doktorand. Seine Zukunft sieht der 24-Jährige in der Wissenschaft und der Lehre. „Mir macht das Forschen und Lehren unglaublichen Spaß. Mit der Mathematik kann ich die ganze Welt erforschen und das an die nächste Generation weitergeben“, sagt Hackl. Seit dem Sommersemester 2018 leitet er seine erste eigene Vorlesung, zuvor gestaltete er einige Kurse und zahlreiche Tutorien.

Sub auspiciis-Promotionen für zwei Mathe-Genies



„Es ist schon ein komisches Gefühl Studenten zu unterrichten, die nur etwas jünger sind als ich. Aber ich pflege einen professionellen und lockeren Umgang mit ihnen“, berichtet er. Auf welche Universität es ihn verschlagen wird, weiß er noch nicht. Privat verbringt der 24-Jährige gerne Zeit mit seiner Freundin und den drei Chinchillas. Anderes wird aufgrund der Lehre beiseitegeschoben.

Promotion auf Umwegen

Einen etwas anderen Weg zum Erfolg hat der Klagenfurter Christian Niemetz (38) hinter sich. Nach seiner Matura widmete er sich der Musik. Er machte zuerst eine Ausbildung am Konservatorium Klagenfurt und beherrscht mehrere Instrumente. Danach ging er für ein Musikstudium nach Wien, gründete mit drei Freunden das Profistreichquartett „Anima“ und tourte durch europäische Musikmetropolen.

„Mit der Mathematik lässt sich auch die Musik logisch erklären. Ein Rhythmus ist auch nur eine Abfolge, die es zu analysieren gilt“, erzählt Niemetz. Der heute 38-Jährige hängte die Musik schließlich 2005 an den Nagel, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. Er begann ein Diplomstudium der Mathematik, arbeitete danach jahrelang im Bankwesen und der Unternehmensberatung. Im Herbst 2017 nahm er sich eine Auszeit von allen und widmete sich einer Neufindung. „Ohne diese Auszeit hätte ich meine Dissertation nie fertig geschrieben, erst dann hatte ich den Ehrgeiz dazu“, berichtet der Doktorand.

Die 2017 fertiggestellte Arbeit widmet sich statischen Ansätzen, die einen hohen Informationsgewinn durch eine minimale Anzahl an zielorientierten Experimenten erlauben. Die Versuche fanden im Umfeld der Papier- und Druckindustrie statt. Heute hat er seine eigene Firma „Unveil-IT“, die sich unter anderem mit Künstlicher Intelligenz befasst. „Ich helfe Unternehmen, Daten von anderen Unternehmen auszuwerten und die wichtigen Informationen für sie herauszufiltern“, sagt Niemetz.

Privat verbringt er viel Zeit mit der Familie, seiner Frau und den drei gemeinsamen Kindern. Die zwei Ältesten haben ebenfalls seine Leidenschaften geerbt, zum einen die Musik zum anderen das Interesse an der Mathematik. Außerdem macht der 38-Jährige viel Sport zum Ausgleich, ist gerne in der Natur und geht auch Jagen. Seine Liebe zur Musik hat er zum Hobby gemacht und spielt auch weiterhin. „Mit der Musik kann man jede Emotion erzeugen oder unterstützen, das ist eine bemerkenswerte Eigenschaft“, sagt Niemetz.

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