Holub im Interview"Wer Peter Kaiser haben will, muss Grün wählen"

„Wir haben Abbitte geleistet“, sagt Rolf Holub, Spitzenkandidat der Grünen, und geht vom Verbleib im Landtag aus. Damit soll es auch gelingen, Landeshauptmann Kaiser zu halten.

Holub muss wohl für den Wiedereinzug der Grünen beten
Holub muss wohl für den Wiedereinzug der Grünen beten © KLZ/Weichselbraun
 

Die meistgestellte Frage an Sie im Wahlkampf lautet: Schaffen die Grünen den Wiedereinzug in den Landtag?
ROLF HOLUB: Ich sage Ja.

Warum sind Sie so sicher?
Weil ich mit vielen Menschen Kontakt und sehr viel Zuspruch habe. Nach den schlechten Nachrichten haben wir uns eine Zeit lang nicht auf die Straße getraut. Doch nachdem wir Abbitte geleistet haben, ich war in allen Bezirken bei unseren Leuten, ist der interne Zusammenhalt sehr gut geworden.

Ihre Wahlprognose?
Ich glaube, wir schaffen mehr als fünf Prozent (notwendig für Landtagseinzug, Anm.). Denn jetzt ist die Stimmung so: Die Grünen dürfen nicht aus dem Landtag fliegen. Bei der Nationalratswahl war es anders, das war ein Abstrafen der Grünen.

Die Voraussetzungen für die Wahl am 4. März sind desaströs: Auf Bundesebene sind die Grünen aus dem Parlament geflogen. In Kärnten hat es die Partei wegen der Kandidatenlisten zerrissen. Jetzt werben drei Listen um grüne Wähler. Das könnte Sie den Landtagseinzug kosten?
FPÖ, BZÖ und Team Kärnten kämpfen auch um dasselbe Klientel. Das macht es spannender, wenn sich zwei, drei inhaltlich mit den Themen auseinandersetzen. Allerdings muss man Grün wählen, wenn man Grün haben will.

Sie widersprechen nicht, dass Ihre Partei zerrissen ist?
Zerrissen sicher nicht.

Die Kandidatur von Ex-Parteichefin Marion Mitsche mit Fair ist doch der Beweis dafür, oder?
Ich verstehe Mitsches Enttäuschung. Doch Grüne wollen nicht, dass man Multifunktionär ist. Fair ist für mich allerdings keine grüne Liste.

Multifunktionär sind Sie jetzt als Landesrat und als interimistischer Parteisprecher doch auch.
Ich musste Feuerwehr spielen – und hätte es schon viel früher machen sollen. Ich war davor lang genug Landessprecher, hab die Grünen von null auf zwölf Prozent gebracht. Unser Problem waren zuletzt die Intrigen und Einzelinteressen, die vor die Partei und Interessen fürs Land Kärnten gestellt wurden.

Das Krisenmanagement danach war schlecht: Es gibt noch keine(n) neue(n) Parteichef(in), keine Reform der Parteistatuten. Was sagen Sie den Kritikern, die von „Chaostruppe“ sprechen?
Sie nehmen schreckliche Worte für eine Situation, die vor acht Monaten war. Das haben wir längst abgeschlossen. Ich bin froh, dass ich Marion Mitsche nicht mehr in der Partei habe. Seither geht’s uns besser.

Es gibt grüne Stimmen, die Ihre Regierungsbeteiligung 2013 als Fehler sehen, weil die Grünen nur noch Beiwagerl der SPÖ mit Landeshauptmann Peter Kaiser seien. Was sagen Sie den Kritikern?
Das ist Unsinn! Was ist das für eine Politik, die nicht gestalten will! Was wir als kleinster Teil der Dreierkoalition alles zusammengebracht haben! Aber das interessiert ja keinen.

Oder Sie verkaufen Ihre Leistungen zu schlecht?
Wir verkaufen unsere Leistungen. Doch wir haben eine andere Medienwelt bekommen, in der Social Media mit einem Prozent der Menschen 90 Prozent der Agenda besetzen. Was wäre die Kärntner Regierung ohne Grüne gewesen? Der gleiche Schmarrn wie auf Bundesebene: Nichts Neues!

Was sind neben Energie- und Mobilitätsmasterplänen Ihre Leistungen?
Die neuen Ideen und Ansätze, mit denen wir die Leute draußen mitnehmen. Mit unserer Energiepolitik sind wir Nummer 1 der Welt. Wir haben 20 Jahre im öffentlichen Verkehr aufgeholt und haben jetzt die S-Bahnen. Die Leute im Gailtal merken sehr wohl, dass um 30 Prozent mehr Bahn gefahren wird. Das viel kleinere Vorarlberg hat 100 Millionen Euro für den öffentlichen Verkehr, wir in Kärnten haben 17 Millionen Euro. Noch ist es so, dass wir neun Mal so viele Autos in Kärnten kriegen wie Kinder. Wir haben die Wasser- und Kanalversorgung zu 100 Prozent gemacht, haben alle Industriebetriebe überprüft. Aber dafür interessiert sich keiner.

Sie haben in der Dreierkoalition an der Hypo/Heta-Lösung mitgewirkt. Erwarten Sie sich von den Wählern Dank?
Das macht man nicht für Dank. Ich seh es so: Die Eltern haben so gut gearbeitet, dass die Kinder keine Angst spüren mussten. Es war Spitz auf Knopf. Der Sachwalter war schon nach Kärnten unterwegs. Wir hätten alles verloren. Alles. Was wir da geschafft haben durch Zusammenhalt und mit Rechtsanwalt Abel, das war sensationell. Sicher, wir müssen zahlen dafür. Aber es war echt gut.

Wie viele Stimmen wird Sie Ihre Forderung nach Tempo 100 auf der Wörthersee-Autobahn kosten?
Keine. Die Forderung kam von ÖVP- und SPÖ-Bürgermeistern, die eine Petition an mich herangetragen haben. Ich setze mich für Menschen ein, die sich nicht durchsetzen könne. Die Forderungen sind ja nachvollziehbar: halber Lärm bei zwölf km/h weniger, 30 Prozent weniger Stickstoff, 30 Prozent weniger Feinstaub, Harmonie im Verkehrsfluss. Das kommt ja nicht von mir, sondern von der Technischen Universität. Ich laufe den Menschen weder in die Dummheit noch an den rechten Rand nach.

Die FPÖ attackiert Sie, dass Sie die „Kärntner still enteignen wollen“, weil Ölheizungen verboten werden. Stimmt das so?
Das stimmt so sicher nicht. In Kärnten gibt es noch 82.000 Ölheizungen. Ja, ich mache Umstiegsprogramme mit vielen Förderungen, vor allem in den feistaubbelasteten Gebieten Klagenfurt und Ebenthal. Ich kann ja nicht fossile Energie in Kärnten fördern, wenn ich in Paris bei der Klimaschutzkonferenz das Gegenteil unterschrieben habe.

Mit nicht ausreichend Nominierungen von Natur-2000-Gebieten könnten Sie Kärnten ein teures Erbe hinterlassen, weil hohe Strafzahlungen an die EU drohen.
Die ÖVP hätte ihren Bauern schon vor dem EU-Beitritt sagen müssen, welche Spielregeln es gibt. 2001 hätten die schon umgesetzt sein sollen. Das Vertragsverletzungsverfahren der EU habe dann ich geerbt. Pro Vertragsverletzungstag könnten bis zu 280.000 Euro zu zahlen sein. Diese Doppelbödigkeit der ÖVP und Landwirtschaftskammer, die den Menschen erzählen, ihr kommt an dieser Sache vorbei, gefällt mir nicht. Ich versuche, es im Konsens zu lösen.

Kann es sein, dass man Sie als ehemaligen Kabarettisten, der auch als Politiker pointiert formuliert, nicht ernst genug nimmt?
Im Dritten Reich wurden die Kabarettisten als Erstes umgebracht. Das Kabarett ist ein schnellerer Weg zur Wahrheit. Es ist nicht Fasching.

Sie appellieren für strategisches Wählen, um Peter Kaiser als Landeshauptmann zu halten?
Wer Peter Kaiser haben will, muss Grün wählen. So kommen sieben, acht Prozent dazu, das schwarz-blaue Gespenst wäre weniger. Oder er kriegt einen blauen Zweigelt als Fortsetzung der Chianti-Koalition (FP/SP).

Rot-Grün könnte nicht reichen.
Kaiser braucht dann noch eine Partei, die auch in Wien an der Macht ist. Andernfalls schneiden sie uns bei den Spitälern ab.

VP-Mann Benger hat keine Lust mehr auf eine Dreierkoalition.
Worauf Benger Lust hat, ist eine andere Geschichte.

Zur Person

Rolf Holub (61) startete als Gemeinderat in Klagenfurt, von 2004 (erster Einzug der Grünen in den Landtag) bis 2013 Landtagsabgeordneter, 2010 bis 2012 Leiter des Hypo-U-Ausschusses, seit 2013 Landesrat.

Kommentare (11)

Kommentieren
umo10
1
9
Lesenswert?

Keine eigenen Argumente mehr

Sehr traurig 😔 Hr. Holub, sagen sie uns, warum wir Sieee wählen sollen, nicht Kaiser

Antworten
joektn
1
13
Lesenswert?

Der Typ..

... ist einfach nicht mehr ernst zu nehmen

Antworten
joe1406
1
24
Lesenswert?

Dünne Strategie

Eine klare politische Gegenposition gegen eine weitere blau-schwarze Polit-Show wäre besser als sinnlos zu taktieren. Wer Kaiser haben will soll Kaiser wählen - wichtig wären konkrete Argumente, warum man grün wählen soll. Holub als Person ist wohl sicher keines mehr.

Antworten
Bond
9
15
Lesenswert?

Hoffentlich klappt's

Holub hat leider auf ganzer Linie versagt. Stichworte: HCB, Parteispaltung, Korruption-Tauchstation. Für mich ist er unwählbar, dennoch hoffe ich, dass die Grünen den Einzug in den Landtag schaffen. Immerhin hat er nichts gestohlen.

Antworten
joektn
1
8
Lesenswert?

Doch hat er...

Er hat der Bevölkerung insgesamt 3 Eisenbahnstrecken gestohlen und noch mehr Verkehr von der Schiene auf die Straße gebracht.

Antworten
hermes74
12
6
Lesenswert?

Ganz so ist es nicht.

Die HCB Betriebsstättengenehmigung wurde unter Dörfler FPÖ/FPK/BZÖ erteilt.
Jetzt unterliegt die Betriebsstättengenehmigung übrigens der ÖVP.
Hollub wurde beerbt.

Parteispaltung:
Wenn Menschen aus einer Partei austreten weil sie nicht weit genug nach vorne gewählt wurden und meinen dass sie mit dem gekränkten Ego und Rachegelüsten eine eigene Partei gründen müssen, sollen sie das tun.
Rache war noch nie ein guter Ratgeber, geschweige denn ein gutes Parteiprogramm

Die jetzige Landesregierung hat Kärnten wieder nach vorne gebracht, nachdem es Haider seine Parteifreunde ungebremst gegen die Wand gefahren haben.

Vergleich:
Die FPÖ hat Feuer gelegt und plustert sich jetzt auf, dass zu viel Wasser beim Löschen verwendet wurde...

Antworten
Sprido
0
2
Lesenswert?

Was ich nicht verstehe ist....

... dass es viele Monate für die Medien Thema ist, wenn eine Funktionärin, die von den Mitgliedern abgelehnt wurde.

Antworten
Suena
2
8
Lesenswert?

Parteispaltung:

Also ich kann mich erinnern, dass sich die Grünen gespalten haben, weil es irgendwer für sehr schlau gehalten hat, Asylwerber die kein Deutsch verstehen für die Listenwahl einzusetzen. Ich glaube nicht dass hier aus Rachegelüste gehandelt wird, sondern einfach weil die halbe Partei das nicht mittragen will.

Wurde das eigentlich jemals aufgearbeitet oder ist die aktuelle Grüne Liste immer noch die, von Asylwerbers-Gnaden, erstellte?

Antworten
Sprido
3
0
Lesenswert?

Fake News

Das ist schon mehrmals widerlegt worden, dass da Asylwerber ohne Deutschkenntnisse mitgestimmt haben.

Antworten
hermes74
3
0
Lesenswert?

Spannend

Offensichtlich haben sie andere Quellen wie ich. Scheinbar wissen sie wie die sieben Asylwerbern abgestimmt haben. Ich habe übrigens davon gelesen dass 50% der Partei den Rücken gekehrt haben.
Letzten Meldungen zufolge hat sich die Stimmung deutlich verbessert seitdem Mitsche und ihre "Bauernopfer" die Partei verlassen haben.

Antworten
Bond
1
15
Lesenswert?

Ja, ja

Es geht bei den Wietersdorfern nicht um die Betriebsstättengenehmigung, sondern vor allem um die Kontrolle des Verbrennungsvorgangs.
Es geht bei der Parteispaltung nicht um beleidigte Leberwürste, sondern um der Vorwurf der Wahlmanipulation durch frisch aufgenommene Mitglieder, möglicherweise ohne Deutschkenntnisse. Anstatt die Vorwürfe zu untersuchen und die Betroffenen vorzustellen, behauptete Holub, sie seien Energieberater beim Umweltfonds.
Es geht bei der unterlassenen Korruptionsbekämpfung um alte und neue Verdachtsfälle. Z.B. um ein Abendessen um 22. 000 € oder um den Neubau des Finanzamtes anstelle der Übersiedlung in die Hypo-Zentrale.

Antworten