Pflegeheime

„Genau schauen, wo es schwarze Schafe gibt“

Zu viele Beruhigungsmittel in Pflegeheimen, zu wenig Personal: Für Pflegeanwältin ist Volksanwalt-Kritik zu pauschal.

ARCHIVBILD/THEMENBILD: PFLEGEKRAeFTE FORDERN HOeHERE LOeHNE
Das Selbstbestimmungsrecht und die Individualität der Menschen achten © APA/BARBARA GINDL
 

Das Pflegepersonal teilt nur aus, was der Mensch zu kriegen hat, man muss hier auch die Mediziner mit ins Boot holen, denn jedes Medikament wird durch einen zuständigen Arzt verordnet.“ So reagiert die Pflegeanwältin des Landes, Christine Fercher, auf den Bericht der Volksanwaltschaft, in Österreichs Alten- und Pflegeheimen werde zu unkritisch mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln umgegangen. Wie berichtet, werden 74 Prozent der Bewohner medikamentös sediert oder ruhiggestellt. In Deutschland sind es 52 Prozent. Laut Volksanwaltschaft bestehe aber nicht in allen Fällen die Notwendigkeit, Heimbewohner medikamentös zu behandeln.

Fercher fehlt an der Studie die Erläuterung, um welche Medikamente es geht. Sie verweist auf die Gabe von Medikamenten an Patienten mit Demenz: „50 bis 65 Prozent der Bewohner in Kärntens Pflegeheimen haben eine demenzielle Erkrankung. Da sind Medikamente mit sedierender Wirkung gängig.“ Den Vorwurf, dass Bewohner von Pflegeheimen nach Verabreichung sedierender Medikamente bereits spätnachmittags wieder in den Betten liegen, hält sie für zu lapidar

„Man muss sich das im Einzelfall anschauen, inwieweit das Selbstbestimmungsrecht des Menschen geachtet wird. Wir haben in Kärnten Häuser, wo die Individualität eines Menschen so gut wie möglich geachtet wird. Schwarze Schafe gibt es und da gilt es, genau zu schauen.“ Beschwerden über einen zu lockeren Umgang mit Psychopharmaka hat sie bis jetzt noch keine gehört. Fercher ist seit 2014 in dieser Funktion.

Gert Wiegele, Sprecher der niedergelassenen Ärzte, weiß von Beschwerden über „ruhiggestellte alte Menschen“ – und gibt den Volksanwälten „in der Sache recht: „Aber es gibt auch keinen Ersatz.“ Er glaubt an einen verantwortungsvollen Umgang der Ärzte mit dem „schwierigen Instrument Medikament“, sieht aber auch den „katastrophalen Personalschlüssel in Pflegeheimen“ sowie überforderte pflegende Angehörige.

Für Valid Hanuna, Sprecher der Mitarbeiter in Sozialberufen, liegt jedenfalls auf der Hand, was gebraucht wird: „Mehr Personal, um die Qualität in Heimen halten zu können. Pflege ist keine Fließbandarbeit.“

MICHAELA PRAPROTNIG

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Roland222
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Roland222

Das größte Problem in allen Heimen ist, daß auf den Rücken der pflegebedürftigen Menschen gespart wird!!
In keinem Heim wird der Pflegeschlüssel eingehalten, und so schuftet oft eine pflegehelferin sich Morgens bei 20 Pfleglingen ab und daneben noch das Frühstück!!!
Und da kollabieren die Pfleglinge und das Personal der Heime,,und die Landesregierung schaut zu!!!

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rudolfo69
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Würdiges Altern mit Leben in der Vergangenheit

Nie vergessen was unsere Senioren(innen) geleistet haben bevor man zum Rezeptblock greift. Pflegeberufe pflegende Personen haben Verantwortung zu IHREN Senior(innen). Schauen sie den Film Die Auslöschung an , bevor sie schreiben geheuchelt und schwungvoller Handel mit Beruhigungspillen wird betrieben.

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....Selbstbestimmungsrecht....?!

....ist für diese ärmsten der Armen keines mehr vorhanden... das wird nur geheuchelt..!!

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robins
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Genau hinschauen...

...obe sich da nicht auch der eine oder andere Pflegehelfer mit Beruhigungspillen
eindeckt oder gar einen schwungvollen Handel betreibt!

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