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Rückkehr der Corona-PandemieNeuer Rekordwert: Was lief falsch in Israel?

Kritiker betonen: Lockerungen waren viel zu hastig und ohne klare Strategie. Jetzt droht dem Land ein neuer Lockdown.

Corona Israel
© AP (Oded Balilty)
 

Zu Beginn der weltweiten Corona-Pandemie galt Israel vielen als leuchtendes Beispiel für eine rasche und erfolgreiche Eindämmung. Doch inzwischen steht das Mittelmeerland schlechter da als die meisten europäischen Länder, ein zweiter Lockdown erscheint unausweichlich. Was ist schiefgelaufen? Und was können andere Länder tun, um einen ähnlichen Verlauf zu vermeiden?

Professor Arnon Afek, Vize-Direktor des Schiba-Krankenhauses bei Tel Aviv, sprach von "vorzeitigen Siegesfeiern", nachdem es Israel mit rigorosen Maßnahmen und einem Lockdown im Frühjahr zunächst gelungen war, die Infektionszahlen stark zu reduzieren. "Die Lockerungen waren dann viel zu hastig und ohne klare Strategie, und haben eine neue Welle von Infektionen ausgelöst." Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte die Bürger im Mai euphorisch dazu aufgefordert, rauszugehen, "Kaffee trinken, auch Bier trinken".

Seit Ende Mai schnellen die Corona-Zahlen in Israel wieder in die Höhe, am Mittwoch wurde mit 1.758 Fällen ein Rekordwert an täglichen Neuinfektionen erreicht. Auch im Westjordanland zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab, mit Hebron als Epizentrum.

Schulen und Hochzeiten als Grund

Als Hauptinfektionsquellen nach den Lockerungen sah Afek die Schulen und Großveranstaltungen wie Hochzeiten. "In Israel gibt es viel mehr Schüler in einer Klasse als in Deutschland", sagte er. Außerdem hätten sich viele Menschen sehr undiszipliniert verhalten und weder Maskenpflicht noch Abstands- oder Hygieneregeln eingehalten. "Die Israelis sind eher skeptisch und rebellisch in ihrem Charakter", erklärte er. Dies habe zwar dazu beigetragen, das Land in die innovative "Startup-Nation" zu verwandeln, räche sich nun aber in der Corona-Krise. Außerdem habe die Polizei nicht ausreichend gegen die Regelverstöße durchgegriffen.

Nach Medienberichten ist es etwa bei vielen Schul-Abschlusspartys, die trotz Verbots heimlich stattfanden, reihenweise zu neuen Ansteckungen gekommen. "Die Älteren sind vorsichtiger geworden, in dieser Welle haben sich vor allem Jüngere angesteckt, deshalb gab es bisher auch weniger Schwerkranke", sagte Afek. "Aber die Jungen haben Eltern und Großeltern, die sich letztlich auch infizieren können", warnte er.

Mit 376 ist die Zahl der Toten in Israel weiterhin vergleichsweise gering. Dies wird auch damit erklärt, dass Israel ein außergewöhnlich junges Land ist. Mit durchschnittlich 3,1 Kindern pro Frau hat es die höchste Geburtenrate aller Länder in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Vor allem strengreligiöse Wohngebiete sind von der Pandemie stark betroffen.

Die epidemiologischen Untersuchungen der Behörden nach Entdeckung von Corona-Fällen seien langsam und mangelhaft, sagt Afek. "All dies hat dazu geführt, dass wir jetzt die zweite Welle haben." Die Lehre für andere Länder: "Sie müssen extrem vorsichtig sein, vor allem, was Großveranstaltungen angeht." Insgesamt sei er jedoch optimistisch. "Eine Kombination von Impfstoff und schnelleren Tests, die auch zu Hause gemacht werden können, wird die Pandemie stoppen", meinte Afek.

Viele Kinder infiziert

Professor Gabi Barabasch, wie Afek ehemaliger Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, sah ebenfalls Festhallen, Restaurants, Gasthäuser und Schulen als Hauptansteckungsorte. "Hier gibt es in einer Klasse 30 bis 40 Schüler." Besonders in den Altersgruppen von zehn bis 19 Jahren habe es zahlreiche Infektionen gegeben. "Dies hat zur Ausbreitung im ganzen Land geführt, mit ständig steigenden Zahlen."

Das Gesundheitsministerium habe im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus völlig versagt, lautet sein vernichtendes Urteil. Außerdem habe das Volk "sich gehen lassen und unverantwortlich gehandelt". Barabasch ist dafür, dass die Armee - die schon für die sogenannten Corona-Hotels zuständig ist - das Krisenmanagement übernimmt. In 20 Hotels landesweit stehen 4.300 Zimmer zur Isolation von Corona-Infizierten sowie für Patienten mit mildem Verlauf zur Verfügung.

Eine Rückkehr zu einer Art Normalität erwartete Barabasch frühestens nach dem Winter 2021/2022. Auch das sei aber nicht sicher, lautete die düstere Prognose des Experten.

Gesundheitsminister Juli Edelstein sagte, nur ein "Wunder" könne noch einen weiteren erzwungenen Stillstand verhindern. Aus Sicht von Experten würde dies die Wirtschaft des Landes, die ohnehin mit den Folgen des ersten Lockdowns zu kämpfen hat, noch weiter zurückwerfen. Der Finanzwissenschaftler David Gerschon von der Hebräischen Universität in Jerusalem riet daher entschieden davon ab. Ein Lockdown ist aus seiner Sicht eine "mittelalterliche Methode", die ein Land zerstören kann. Er warnte vor einer Generation von Arbeitslosen, die entstehen könnte. In Israel liegt die Arbeitslosenquote derzeit bei über 20 Prozent, der Unmut in der Bevölkerung wächst.

Vertrauen verspielt

Im Verlauf der Krise hat die Regierung viel Vertrauen verspielt. Dies zeigt sich an zunehmend wütenden Demonstrationen in Tel Aviv und Jerusalem. Nach einer Umfrage des Israelischen Demokratie-Instituts (IDI) sind 75 Prozent der Israelis enttäuscht oder zornig über die Corona-Politik der Regierung.

Afek ging allerdings davon aus, dass die wirklichen globalen Herausforderungen noch bevorstehen. "Das nächste Großereignis ist der Winter, wenn die Grippe und Corona zusammenkommen - und man nicht zwischen ihnen unterscheiden kann."

Noch dramatischer formulierte es Zvi Hauser, Vorsitzender des Außen- und Sicherheitsausschusses der Knesset. "Was jetzt passiert, ist eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was uns im Winter erwartet - Wir haben drei Monate Zeit, uns an allen Fronten vorzubereiten", sagte er nach Angaben der Nachrichtenseite ynet. "So wie in Science-Fiction-Filmen, wenn es heißt, in drei Monaten wird ein Meteorit auf der Erde einschlagen."

 


Corona: Wie verhalte ich mich richtig?

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Kommentare (20)
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Irgendeiner
18
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"ein zweiter Lockdown erscheint unausweichlich. " " "Die Lockerungen waren dann viel zu hastig und ohne klare Strategie"

Wer hat sich angeblich von dem Architekturbachelor in virologischen Fragen beraten lassen,ach ja, der Studienabbrecher.was machma, aufsperren ohne Daten,weils populär ist und sonst nix.
Nächstes Jahr in Jerusalem,das ist diesmal kein frommer jüdischer Wunsch.

X22
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Ich rätsle wer der Architekturbachelor sein mag

Hat Netanyahu dies studiert oder bezieht's sich auf seine Siedlungspolitik oder steh ich gedanklich am Abstellgleis

Irgendeiner
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Der hat einen kleinen Abschluß in Architektur und einen in Management,

aber die Assoziation mit der Landnahme ist auch nicht schlecht,jedenfalls laß ich mich vom dem der Gilde Darwins fernstehenden Populisten auch nur in Virenfragen beraten wenn ich taulos wie ein Studienabbrecher bin,aber selbst da würd ich wohl den lokalen Förster fragen,der ist auch da zumindest näher dran.Steuergesetzgebungsfragen bespricht er dann wohl mit seinem Schneider,oder schlimmer,mit Blümel,man lacht.

wollanig
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Das hat man davon,

wenn man dem Gezeter der roten Oppositionsschwätzer nachgibt.

Irgendeiner
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Erstens haben nur die Wiener Roten und dann die Blauen

den Zug genommen,zweitens heißt der Opportunist der auf alles aufspringt und sein Image über alles stellt während er er sachfremden Mumpitz faselt, Basti und der und nur der ist Letztverantwortliche,der hat noch nie auf inhaltliche Kritik was geändert,immer nur auf Stimmungen um drauf zu surfen,vom freundlichen gesicht der integration zum Routenschließer,nicht,der ist ja sogar im Stande eine Pandemie megalomanisch im Griff zu haben und dann erst draufzukommen was exponentiell sei, das mußt erst einmal vorhüpfen.Und wolli, schieb seine Inkompetenz nicht den Kritikern hin,Du hast ihn dorthin gewählt und er ist verantwortlich und Licht wird auf fallen auf Dich und Dein Politikverständnis,man lacht.

Irgendeiner
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Ach, ich seh das viele Rot,

es macht so einen ablehnenden Eindruck,da scheinen Einwände zu sein, ich möchte sie hören, gemma,

Irgendeiner
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Wie lese ich denn dieses Rot wieder,

eine semiotische Gesprächsverweigerung vielleicht? Wird nicht gehen, Du kennst mich immer noch nicht,wird schon,man lacht.

Lodengrün
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Ist Israel

nicht das Corona Vorbildland unseres Bundeskanzlers?

bimsi1
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Ja, aber Òsterreich hat klüger agiert.

Auch ein israelischer Experte bestäigte , dass Òsterreich in den letzten Wochen klüger agiert habe, als Israel - dank Kurz und Anschober.

Lodengrün
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Corona App

Habe ein Iphone 5S und kann bis dato noch alles machen weshalb ich mir noch kein späteres Modell zulege. Dachte, ich installiere einmal das Corona App. Nichts damit, die Iphone Software taugt dafür nicht mehr. Also nehme ich das Iphone 6S. Funktioniert, muss aber ständig das bluetooth eingeschaltet haben und mich an alle auf 1 Meter nähern, dass das anspricht. Diese Nähe brauche ich nicht, der Energieverbrauch passt auch nicht, - Deinstallation.

user10335
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Handys können mit Bluetooth keine Entfernungen messen,

Alte Handys musste man nebeneinander legen, um Daten mit Bluetooth übertragen zu können! Wichtiger ist, dass jetzt auch "Fast"-Kontakte schon ab 5 Minuten anstatt wie anfangs erst nach 15 Minuten registriert werden. (Sollte nach meiner Meinung noch kürzer sein!) Interessant wäre es sicher, dass man wenigstens abrufen kann, wieviele Kontakte in welchem Zeitraum gespeichert wurden.

scionescio
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@Lodengrün: ob es ein Meter oder fünf Meter sind, ist bei jedem Handymodell anders ...

... da bei Apple die Anzahl der Modelle überschaubar ist und Apple die Daten der verbauten Bluetooth-Chips herausrückt (Sendestärke, Lage der Empfangsantennen, etc.) funktioniert dort die Abschätzung der Entfernung aus der Stärke des Empfangssignals noch am Besten - bei den Android-Smartphones ist die Lage wegen der Hersteller-/Typenvielfalt hoffnungslos: Tests haben ergeben, dass nicht zuverlässig zwischen 50cm und 5m unterschieden werden kann (ganz abgesehen davon, dass man nicht sagen kann, ob eine Wand dazwischen war, ob die Personen Rücken an Rücken gestanden sind, etc.) - mit einem Wort: die App macht absolut keinen Sinn, weil die technischen Voraussetzungen für eine Abstandsmessung nicht gegeben sind.

Lodengrün
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Danke @scio

bin alles andere als in technischer Hinsicht beschlagen. Mich fasziniert wie es arbeitet, was dahinter ist, davon habe ich nicht den blassesten Schimmer. Aber mit Ihrer Erläuterung komme ich der Sache doch ein wenig näher. Nochmals vielen Dank.

wollanig
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Muss mich an alle auf 1 Meter nähern...

Köstlich! Lodi hat wieder mal was nicht verstanden.

scionescio
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@wollanig: ... vielleicht hat er es doch verstanden und nur seine Versuchsanordnug geschildert ...

... während Wollanig das Gelesene nicht in einen Kontext setzen konnte?

selbstdenker70
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..

Was nicht erwähnt wird, die halbe Welt hat Israel als Vorbild genommen und die Lockerungen Schritt für Schritt 1:1 von Israel übernommen. Es wird ja so getan als hätte sich unser Gesundheitsminister ein System ausgedacht was in Wahrheit aber ein Kopie von Isreal ist, zb der 14 Tage Zyklus ect. Den Rest kann man sich denken....

lombok
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"Doch inzwischen steht das Mittelmeerland schlechter da als die meisten europäischen Länder"

Dieser Vergleich hinkt - nachdem die meisten europäischen Länder mittlerweile gut bis sehr gut dastehen, ist es nicht allzu schwer, dass Israel schlechter dasteht.

Gedankenspiele
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Totale Datenüberwachung

Da sieht man wieder was es bringt die Leute mit Hilfe ihrer Handys zu überwachen und auszuspähen- außer interessante Daten für den Staat und und private Firmen bringt es nichts.

Wir müssen Abstand halten und Hygienemaßnahmen anwenden! Das sind die Gebote der Stunde und keine Apps und Überwachung der Handydaten von Regierungen.
Sieht man gut an Israel, Südkorea usw.. Gilt auch für Österreich!

0A0G4FLK9CKZ4QC8
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Natürlich haben Sie Recht!

Aber bitte vergessen Sie nicht die unverbesserlichen Querlaeufer. Und die machen alles zunichte!

lucie24
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Die messen anders

Bei uns werden nur Menschen getestet, die nachweislich Kontakt zu positiv getesteten haben. Oder eben wenn die Symptome sehr schlimm sind.

80% der Fälle verlaufen so mild dass sie unerkannt bleiben. Was ja anscheinend kein Problem ist, da Krankenhäuser noch immer fast leer etc.