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Kritik an Corona-MaßnahmenFelix Mitterer arbeitet nach Causa Ischgl an "Piefke-Saga 5"

Tiroler Autor: "Das müssen wir einfach machen" - Empörung über Umgang mit Kunstschaffenden in der Coronakrise - "Keiner von Euch" bleibt wohl einziger Mitterer-Roman.

ARCHIVBILD: AUTOR FELIX MITTERER WIRD 70
© APA/HERBERT NEUBAUER
 

Felix Mitterer arbeitet nach der Causa Ischgl an einem fünften Teil der "Piefke-Saga". "Das müssen wir einfach machen. Ich arbeite bereits an einem Exposé", so der Tiroler Autor im Interview mit der APA anlässlich des Erscheinens seines ersten Romans "Keiner von Euch". Das Buch über den afroösterreichischen Kammerdiener Angelo Soliman soll sein einziger Roman bleiben.

Der Wunsch nach einem weiteren Teil der Erfolgsserie "Piefke-Saga" sei mehrfach an ihn herangetragen worden. Nach dem, was da in einigen Tiroler Tourismusorten passiert sei, müsse eine Fortsetzung einfach sein, meinte der Autor in Anspielung auf die Coronafälle dort. Er hoffe, dass der ORF an Bord sein werde. "Die Darsteller leben ja noch, die wären jedenfalls mit Begeisterung wieder dabei", so Mitterer. Er habe inzwischen viele Informanten in den Tiroler Dörfern. "Wenn wo etwas passiert, erfahre ich es. Das war früher viel schwieriger", sagte er. Er sei guten Mutes, dass sich das Projekt realisieren lässt.

Kritik an Kultur-Maßnahmen

Schockiert zeigte sich der Schriftsteller über die Behandlung der Kunst- und Kulturschaffenden in der Coronakrise. Die Regierungen Mitteleuropas hätten der Branche viel zu spät geholfen. "Wahnsinn, dass das alles so unglaublich spät daherkommt", so Mitterer über die Hilfen. Es zeige sich, dass der Stolz auf das Kulturland Österreich nur ein Fähnchen am Stock sei. Mitterer selbst ist durch den Ausfall von Lesungen und Theateraufführungen betroffen. So fällt wegen der Absage der Tiroler Volksschauspiele das Stück "Verkaufte Heimat: Bombenjahre", die Fortsetzung seiner Südtiroler Familiensaga, aus, ebenso die nun auf 2021 verschobene Uraufführung von "Don Quichote". "Das trifft einen schon hart. Aber viele Künstler hat es noch härter getroffen", erklärte Mitterer, "Ich selbst habe ja meinen Roman - lesen kann man ja immer - und werde meinen Kinofilm haben." (Anm.: Sein Einsiedlerstück "Märzengrund" wird von Adrian Goiginer verfilmt.) Er habe damit ein "Riesenglück". "Ich sitze eh daheim und schreibe. Man kann halt nicht rausgehen und seine Liebsten umarmen, das tut schon weh", sagte Mitterer.

Die Arbeit geht dem 72-Jährigen nicht aus: "Es wird wohl als nächstes wieder ein Drehbuch geben. Ich habe ja das große Glück, dass immer wer was von mir will. Ich muss immer getreten werden, damit ich was liefere." Über sein Buch "Keiner von Euch", das am 19. Mai im Haymon Verlag erschienen ist. meint er: "Es ist mein erster Roman und auch mein letzter." Zu einem Roman habe er sich entschlossen, "weil ich Haymon auch einmal eine Prosa versprochen habe", was er nun nach seiner Autobiografie "Mein Lebenslauf" (2018) erneut eingehalten habe. Einen weiteren Roman will Mitterer nicht schreiben. Er habe zwar schon Überlegungen angestellt zum Lawinenunglück von Galtür, "ich hab mir ja so vieles vorgenommen, aber das werd' ich wohl nicht mehr machen". Andererseits "sag niemals nie", denn derzeit sei die Stimmung ja eher depressiv, doch die Coronakrise werde vorbeigehen "und dann wird man sehen".

Bewunderung für Romanautoren

Jedenfalls gelte seither seine uneingeschränkte Bewunderung den Romanautoren für ihren langen Atem und die viele, oft jahrelange Arbeit, so der Dramatiker. "Man hat keine Fesseln auferlegt, man kann schreiben, was man will und so viel man will. Da kannst du tausend Leute auftreten lassen, es kostet nichts", sah Mitterer auch Vorteile. Theaterstücke seien dagegen mit 80 Seiten schon fast zu lang, und wenn mehr als sechs Figuren aufträten, würden bereits Kürzungen verlangt.

Mit dem Stoff rund um Angelo Soliman, einem als Kind geraubten Afrikaner, der wohl Mmadi Maké hieß, und im Wien des 18. Jahrhunderts zum Kammerdiener und Freimaurer aufstieg, nach seinem Tod aber ausgestopft und ausgestellt wurde, beschäftigte sich Mitterer seit Mitte der 1990er-Jahre. "Ich wollte unbedingt über ihn schreiben, das war mir ein ganz großes Anliegen. Ein unglaubliches Schicksal: Er ist Aushängeschild der Aufklärung und zeigt, was Bildung alles möglich macht - übrigens wie auch bei mir persönlich. Er ist hochgeehrt, hochgebildet und endet so! Das ist doch schrecklich!", so Mitterer.

Er recherchierte viel für "Keiner von Euch", vor allem den Arbeiten der deutschen Anthropologin Monika Firla habe er viel zu verdanken. Entstanden ist "ein Sittenbild von Wien im 18. Jahrhundert mit viel Fiktion drinnen". Er habe mit dem Stoff ganz frei umgehen wollen. So fänden sich zahlreiche Figuren mit realen Vorbildern, er habe aber auch einiges vorweggenommen. "Ich beschreibe sonst nur die Wirklichkeit. Es hat mich selbst gewundert, dass ich doch auch einige Fantasie in mir habe", sagte Mitterer. Das Buch sollte eigentlich "Angelo" heißen, "aber das ging ja nicht. Der Name wurde ihm auferlegt". Diesen Rassismus gebe es immer noch, "das hat ja nicht aufgehört". Er habe versucht, Maké ein Denkmal zu setzen, und die Geschichte für ihn im positiven Sinne zu Ende zu bringen. Die Wirklichkeit war viel trostloser: Das Präparat mit der Haut von Angelo Soliman wurde 1848 bei einem Brand zerstört.

Im Kern dreht sich seine Geschichte um den Kampf der alten Ordnung gegen die Aufklärer, die gleiche Rechte für alle forderten. Wie steht es heute damit? "Wir sind immer noch nicht genug aufgeklärt", stellte der Dramatiker fest. Die Reichen seien immer noch zu reich, die Armen immer noch zu arm, "auch bei uns". Mitterer zeigte sich über die Ungleichheit gegenüber Afrika entsetzt. Das Unrecht, das die Kolonialmächte dort angerichtet hätten, bestehe weiter, ja verstärke sich eher noch. Selbst die Sklaverei gebe es weiter. Dass durch die Coronakrise die erkämpften Rechte hierzulande in Gefahr sind, befürchtete Mitterer dagegen nicht. "In der Demokratie würden sich die Menschen dagegen zur Wehr setzen, zumindest hier in Mitteleuropa", war er überzeugt.


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Kommentare (8)
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VH7F
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Der lustige Landesrat bekommt sicher seinen Fixplatz?

Der bei der zib so brilliert hat.

dieRealität2019
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jetzt sind es mehr als 1.128, die Schlange der Selbstdarsteller und in Szene setzenden

wird immer länger die das Corona Virus und seine Nachhaltigkeiten mißbrauchen, eigentlich reicht bereits zu fragen, wer ist noch nicht in dieser SChlange? wer hat noch nicht Kohle bekommen oder möchte noch, naja wir sind ein demokratischer Rechtsstaat mit freier Meinungsäußerung, da ist alles möglich.

0A0G4FLK9CKZ4QC8
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ob Tobias Moretti dann wieder den Dorfhengst gibt?

mit 60?
Warum auch nicht. Es gibt viele die mit 60plus noch meinen sie wären unwiderstehlich......

Amadeus005
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Teil 5 war ja schon

Jeder „Am Schauplatz“ von Ischgl von Herren Resetarits. Alle bei der „Seilbahn“. Während der fast“live“ war, wird das dann halt Teil 6 hinten nach.

lieschenmueller
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Alle Darsteller leben leider nicht mehr

Kurt Weinzierl - der so großartig den Bürgermeister und Hotelier spielte.

Isidor9
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Überfällig

Großartig! Ich freue mich darauf und wünsche viel Resilienz, weil da werden die Ischglapologeten alle Hebel in Bewegung setzen um das Projekt zu verhindern.

crawler
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Wieso sollten

sie es denn verhindern? Ist doch nebenbei auch Werbung.

Hieronymus01
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Ich hoffe das es mehr als eine untethaltsame TV-Serie wird.

Und dass es ein ungeschöntes Bild von der ausufernden Tourismusbranche zeigt.