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Spätes Roman-DebütFelix Mitterer, der "Wilde" und die adeligen Hofnarren

Gut Ding braucht Weile: Mit 72 Jahren präsentiert Felix Mitterer seinen Debüt-Roman. In „Keiner von euch“ setzt er Angelo Soliman, dem legendären „Hofmohr“ von Wien, ein Denkmal und rechnet mit dem Rassismus ab.

ARCHIVBILD: AUTOR FELIX MITTERER WIRD 70
Auf neuen Wegen: Felix Mitterer © APA
 

Er wurde begafft, gehasst, heimlich wegen seiner enormen Intelligenz bewundert oder gerade deshalb noch mehr angefeindet. Einer kleinen, halbwegs toleranten Minderheit, diente er als Symbolfigur der im Habsburgerreich zaghaft beginnenden Aufklärung; für Toleranz und Gleichberechtigung sollte er einstehen. Die große Mehrheit aber stillte an ihm ihre Schaulust, ihren Voyeurismus und ihre Fremdenfeindlichkeit.
Die tragische, letztlich auch äußerst makabre Lebensgeschichte von Mmadi Make, der mutmaßlich aus dem heutigen Nigeria stammte, als Bub von Sklavenhändlern verschleppt wurde, rund um das Jahr 1725 in Sizilien strandete, dort kirchlich getauft wurde und den Namen Angelo Soliman erhielt, ehe er als „Geschenk“ in Wien, bald danach am kaiserlichen Hof landete und dort Kammerdiener wurde, inspirierte Künstler immer wieder zu unterschiedlichsten Interpretationen. Für einen berührenden Höhepunkt sorgte Literaturnobelreisträgerin Olga Tokarczuk in ihren Reise-Essays mit dem Titel "Unrast". Zumal Soliman seine beiden perversen Beinamen über den Tod hinaus haften blieben. Er war der Wiener „Hofmohr“ oder aber der „schwarze Wilde“ aus Wien, dem nach seinem Tod eine letzte Ruhestätte verwehrt blieb – er landete, stümperhaft ausgestopft und halbnackt, in einem Schaukasten im Kaiserlichen Naturalienkabinett. 1848 brannte der Schauraum ab, das Objekt der bürgerlichen Begierde wurde eingeäschert.

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