Todesfälle 2021 Gegangen, aber nicht vergessen

Sie haben Spuren hinterlassen, die auch nach ihrem Tod sichtbar sein werden. Sie haben Großes bewirkt und der Nachwelt hinterlassen. Sie sind von uns gegangen in diesem Jahr, aber sie bleiben in Erinnerung.

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FRIE­DE­RI­KE MAY­RÖ­CKER

Die Verdichterin des Wortes

Sie schrieb nicht nur Worte, sie war ganz Wort, Dich­te­rin aus tiefs­ter Seele, Ver­dich­te­rin von höchs­ten Gna­den. Frie­de­ri­ke May­rö­cker mach­te aus ihrer „Zet­tel­wirt­schaft“ große Li­te­ra­tur, die sich in kei­nen (Zet­tel-)Kas­ten ein­ord­nen ließ. Sie war eine stil­le, ex­pe­ri­men­tier­freu­di­ge Poe­tin, die Zart­heit und Ra­di­ka­li­tät in Ein­klang brach­te. „Meine Texte ent­ste­hen durch sich fort­pflan­zen­de Augen“, hat sie ein­mal ge­sagt. Frie­de­ri­ke May­rö­cker hat am 4. Juni im Alter von 96 Jah­ren die Augen für immer ge­schlos­sen. Die Worte blei­ben ge­öff­net.

Friederike Mayröcker
Friederike Mayröcker Foto © (c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

 

HUGO POR­TISCH

Er schrieb selbst Geschichte

Er hat Welt­ge­schich­te be­schrie­ben und selbst (Jour­na­lis­ten-)Ge­schich­te ge­schrie­ben. Er hat ge­mein­sam mit Gerd Ba­cher Ös­ter­reich I und Ös­ter­reich II aus der Taufe ge­ho­ben und damit his­to­ri­sche Auf­klä­rung in die Wohn­zim­mer ge­bracht. Und er hat es wie kaum ein an­de­rer ver­stan­den, kom­pli­zier­te po­li­ti­sche Zu­sam­men­hän­ge so zu er­klä­ren, dass es auch die in­ter­es­sier­ten Laien ver­stan­den haben. Dass er aus­ge­rech­net am 1. April im Alter von 94 Jah­ren ge­stor­ben ist, über die­sen „Scherz“ hätte Hugo Por­tisch wohl herz­haft la­chen kön­nen.

 

GER­TRAUD JES­SE­RER

Tragik bis in den Tod

Sie trug die Ver­letz­lich­keit in ihrem Ge­sichts­aus­druck und ver­kör­per­te sie in ihren zahl­rei­chen Rol­len – und das Leben hielt für die Schau­spie­le­rin ei­ni­ges an Ver­let­zun­gen be­reit. Ihr Mann Peter Vogel ver­üb­te 1978 Selbst­mord, ihr Sohn Ni­ko­las Vogel starb im Juni 1991 als Kriegs­be­richt­er­stat­ter im Alter von 24 Jah­ren wäh­rend eines Bom­bar­de­ments am Flug­ha­fen in Lai­bach. Eine Tra­gik war auch ihr ei­ge­ner Tod: Ger­traud Jes­se­rer kam am 9. De­zem­ber im Alter von 77 Jah­ren bei einem Woh­nungs­brand in Wien ums Leben.

 

ARIK BRAU­ER

Der friedvolle Mahner

Er hat nur davon ge­sun­gen, selbst hat er das Köp­ferl nie in den Sand ge­steckt. Er war so viel – und jede Pro­fes­si­on war eine Pas­si­on. Er war Maler, Dich­ter, Mu­si­ker, hat den Aus­tro-Pop auf die Sprün­ge ge­hol­fen. Er war Leh­rer und Mah­ner und hat seine fried­vol­le, nie aus­gren­zen­de Stim­me immer für Frei­heit, De­mo­kra­tie und So­li­da­ri­tät er­ho­ben. „Er war der Schieds­rich­ter mei­ner Werte“, hat Otto Schenk ein­mal über ihn ge­sagt. Am 24. Jän­ner hat Arik Brau­er im Alter von 92 Jah­ren seine letz­te fan­tas­ti­sche Reise an­ge­tre­ten. Als Er­in­ne­rung an den gro­ßen Men­schen­freund wurde heuer der Arik-Brau­er-Pu­bli­zis­tik­preis ins Leben ge­ru­fen, er soll künf­tig jähr­lich ver­lie­hen wer­den.

Arik Brauer
Arik Brauer Foto © (c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

MILVA

Die sozialistische Diva

Sie trug nicht nur wegen ihrer roten Haar­pracht den Bei­na­men „La Rossa“ oder – nach ihrem ita­lie­ni­schen Ge­burts­ort – „La Pan­te­ra di Goro“. Als Sän­ge­rin und Schau­spie­le­rin ar­bei­te­te die über­zeug­te So­zia­lis­tin mit Gior­gio Streh­ler, Mikis Theo­do­ra­kis, Ennio Mor­ri­co­ne, Mont­s­er­rat Ca­ballé oder Astor Piaz­zol­la zu­sam­men, 15 Mal nahm sie am San Re­mo-Fes­ti­val teil. Auch mit Songs von Brecht/Weill ging die viel­spra­chi­ge Diva auf Tour­nee. Maria Ilva Biol­ca­ti, bes­ser be­kannt als Milva, starb am 23. April im Alter von 81 Jah­ren in Mai­land.

Milva
Milva Foto © (c) dpa-Zentralbild/Wolfgang Kluge (Wolfgang Kluge)

 

CHAR­LIE WATTS

Kein Titel, aber ein Sir

Mick Jag­ger und Keith Ri­chards mögen im Ram­pen­licht ste­hen, aber er gab den Takt vor – und sorg­te mit sei­ner stoi­schen Ruhe auch immer wie­der für Kal­mie­rung unter den streit­ba­ren Al­pha­tie­ren in der Grup­pe. Bei den Rol­ling Sto­nes war er als Schlag­zeu­ger zwar der Rock­mu­sik ver­pflich­tet, aber seine große Liebe galt auch dem Jazz. Jag­ger wurde zum Rit­ter ge­schla­gen, aber so etwas hatte er nicht not­wen­dig – denn er war oh­ne­hin durch und durch ein Sir. Char­lie Watts ist am 24. Au­gust im Alter von 80 Jah­ren in Lon­don ge­stor­ben.

 

PRINZ PHI­LIP

Der Mann hinter der Königin

Sein Humor war grenz­wer­tig, und die Fett­näpf­chen, in die er ziel­si­cher trat, von gro­ßem Aus­maß. Auch seine Fahr­küns­te und au­ßer­ehe­li­chen Avan­cen waren le­gen­där. Den­noch war er der Kitt der brü­chi­gen Royal Fa­mi­ly und der ge­lieb­te Le­bens­mensch von Queen Eliz­a­beth II., hin­ter der er als Prinz­ge­mahlt mit Re­spekt­ab­stand stets ein­her­ging wie eine treu er­ge­be­ne Schild­krö­te. Am 9. April ist HRH Prin­ce Phi­lip, Duke of Edin­burgh, ge­stor­ben. Er wurde 99 Jahre alt.

Prinz Philip
Prinz Philip Foto © (c) AFP (VICTORIA JONES)

 

SEPP FOR­CHER

Die Heimat erklärt, nicht verklärt


Er hat uns die Hei­mat er­klärt, ohne sie zu ver­klä­ren. Er hat mit ru­hi­gem Ton, in dem aber immer die Lei­den­schaft lo­der­te, Ös­ter­reich zum Klin­gen ge­bracht. Sepp For­cher – ge­bür­ti­ger Römer, aber ver­wur­zelt in Süd­ti­rol – war ein blitz­ge­schei­ter Cha­ris­ma­ti­ker, der seine Bo­den­haf­tung nie als At­ti­tü­de aus­spiel­te. Den Weg von der Berg­hüt­te vor die Fern­seh­ka­me­ra fand er erst im mitt­le­ren Alter, an sei­ner Seite immer Gat­tin Helli, die Ende No­vem­ber starb. Drei Wo­chen spä­ter, am 19. De­zem­ber, folg­te ihr Sepp For­cher nach. Er wurde 91 Jahre alt.

Sepp Forcher
Sepp Forcher Foto © (c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

 

DIE TOTEN 2021 

Tanya Roberts, US-Schauspielerin, 65. Ludwig Fels, dt. Schriftsteller, 74. Phil Spector, US-Musikproduzent, 81. Hans Staudacher, öst. Maler, 98. Erich Leitenberger, langjähriger „Kathpress“-Chefredakteur, 77. Larry King, US-Talkshow-Legende, 87. Christopher Plummer, kanad. Schauspieler, 91. George Shultz, ehem. US-Außenminister, 100. Larry Flynt, legendärer US-Porno-Verleger, 78. Lawrence Ferlinghetti, US-Dichter, 101. Klaus Emmerich, öst. Journalist/ORF-Korrespondent, 92. James Levine, US-Dirigent, 77. Peter Patzak, öst. Autor und Regisseur, 76. Peter Fichna, ORF-„ZIB“-Legende, 90. Adam Zagajewski, poln. Dichter, 75. George Segal, US-Schauspieler, 87. Bertrand Tavernier, frz. Filmemacher, 79. Rudolf Burger, öst. Philosoph, 82. Jim Steinman, US-Komponist, 73. Thomas Fritsch, dt. Schauspieler, 77. Milva, ital. Chansonsängerin, 81. Christa Ludwig, dt. Mezzosopranistin, 93. Alexander Bisenz, öst. Kabarettist, 59. Max Mosley, langjähriger Präsident des Motorsport-Weltverbandes FIA, 81. Edi Finger junior, Sportjournalist und ORF-Radiomoderator, 72. Kurt Wolff-Votava, ORF-Radiomoderator, 75. 3. Peter Elstner, früherer ORF-Sportreporter, 81. Donald Rumsfeld, früherer US-Verteidigungsminister, 88. Bill Ramsey, US-dt. Schlagersänger, 90. Erich Schleyer, dt.-öst. Schauspieler, Buchautor, 81. Gian Franco Kasper, langjähriger FIS-Präsident, 77. Alfred Biolek, dt. TV-Moderator, 87. Joe Michael „Dusty“ Hill, US-Rockmusiker (ZZ Top), 72. Martin Blumenau, öst. Radiomoderator/FM4-Mitbegründer, 60. Günther Kräuter, öst. Politiker (SPÖ) u. Volksanwalt, 64. Rudolf Edlinger, öst. Politiker (SPÖ)/Finanzminister 1997-2000, 81. Don Everly, US-Rock-’n’- Roll-Legende, 84. Charlie Watts, Schlagzeuger der Rolling Stones, 80. Chick Corea, US-Jazzmusiker, 79. Heide Keller, dt. Schauspielerin, 81. Mikis Theodorakis, gr. Komponist, 96. Jean-Paul Belmondo, frz. Filmlegende, 88. Caspar Einem, öst. Politiker (SPÖ); Innenminister 1995-1997, 73. Ferry Radax, öst. Avantgarde-Filmemacher, 89. Peter Lodynski, öst. Schauspieler/Entertainer/Autor, 84. Edita Gruberova, slowak. Opernsängerin, 74. Colin Powell, US-Generalstabschef; Außenminister 2001-2005, 84. Herbert Salcher, öst. Politiker (SPÖ); ehem. Gesundheits- u. Finanzminister, 92. Oswald Wiener, öst. Schriftsteller, 86. Ted Herold, dt. Rock-’n’-Roll-Musiker, 79. Horst Chmela, Wienerlied-Legende, 82. Noah Gordon, US-Romanautor, 95. Sir Frank Williams, langjähriger Teamchef und Gründer des gleichnamigen Formel-1-Rennstalls, 79. Desmond Tutu, früherer Erzbischof von Kapstadt, Anti-Apartheid-Ikone, 90.

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WASGIBTSNEUES
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Liebe Kleine

das sie in ihrer Auflistung aber Erzbischof Desmond Tutu nicht erwähnen empfinde ich als Ignoranz.
Desmond Tutu war nicht nur eine hohe Persönlichkeit in Südafrika, dort hat er wesentlich zum friedliche Übergang von der Apartheid zur Regenbogennation beigetragen. Er war auch eine weltweit bekannte Persönlichkeit und Friedensnobelpreisträger.
An Archie, wie man in nannte, und seiner Einstellung könnten sich viele Priester, speziell auf Seiten der katholischen Kirche ein Beispiel nehmen

Kleine Zeitung
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Desmond Tutu

Die "Totenliste" stammt aus dem Print-Jahresrückblick, der am 25. Dezember erschienen ist, Desmond Tutu verstarb am 26. Dezember. Aber wir haben seinen Namen jetzt in der Online-Version eingefügt. Dass er eine herausragende Persönlichkeit war, steht völlig außer Zweifel. Danke für den Hinweis. Die Redaktion.

eston
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Klar: über Feiertage kommt alles

aus der Konserve ;-)