Weltklimakonferenz in GlasgowUSA will hundertausende verlassene Öl- und Gasbohrlöcher versiegeln

Das US-Innenministerium hat angekündigt, ein "aggressives Programm" zu starten, um hunderttausende verlassene Öl- und Gasbohrlöcher zu versiegeln. Das Problem mit den alten Bohrlöchern.

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Bohrloch
Die USA wollen ein "aggressives Programm" gegen verlassene Öl- und Gasbohrlöcher fahren. © (c) AP (Matthew Brown)
 

Die US-Regierung hat auf der Weltklimakonferenz in Glasgow angekündigt, ein "aggressives Programm" zu starten, um Hunderttausende verlassene Öl- und Gasbohrlöcher zu versiegeln. Hintergrund ist ein nationaler Aktionsplan zur Reduzierung des Ausstoßes von klimaschädlichem Methan. Hinter dem - unter Normalbedingungen -  farb- und geruchlosem Gas verbirgt sich die chemische Verbindung CH4 und das zweitschädlichste Treibhausgas nach CO₂. Laut einer Statistik des Weltklimarats ist Methan für die Hälfte der bisherigen Klimaerwärmung von rund einem Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit verantwortlich.

In einer gemeinsamen Erklärung wollen sich die USA und die EU nun dazu verpflichten, die vom Menschen verursachten Methanemissionen bis zum Jahr 2030 um mindestens 30 Prozent gegenüber dem Stand von 2020 zu reduzieren. Wird die Initiative erfolgreich umgesetzt, könnte die Klimaerwärmung bis 2050 der EU-Kommission zufolge um rund 0,2 Grad reduziert werden. Alle US-Bundesstaaten seien dadurch erstmals aufgefordert, Pläne zur Reduzierung des Methan-Ausstoßes zu entwickeln.

Rinder, Müll und alte Bohrlöcher

Um Methan zu reduzieren, muss man wissen, wo es entsteht. Weitläufig bekannt ist, dass Methan vor allem im Agrarsektor von Rindern bei der Verdauung produziert wird. Auch auf Mülldeponien soll der Ausstoß des klimaschädlichen Gases stark begrenzt werden. Am konkretesten werden die USA jedoch hinsichtlich ihrer Öl- und Gasindustrie. So will man Hunderttausende alte, verlassene Quellen versiegeln. Die Umweltschutzbehörde EPA schlage in diesem Rahmen auch ausgeweitete Vorschriften für neue Öl- und Gasbohrlöcher vor, teilte das Weiße Haus mit: Um gegen Methan-Lecks vorzugehen, sollen die Vorschriften für Betreiber von Pipelines verschärft werden.

Mittlerweile haben sich nach Angaben des Weißen Hauses mehr als 90 Staaten der Initiative "Global Methane Pledge" zur Methan-Reduzierung angeschlossen. In Österreich beträgt der Anteil an Methan laut aktueller Treibhausgasinventur des Umweltbundesamts 7,8 Prozent, was bei rund 80 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten im Jahr 2019 etwas mehr als 6 Millionen Tonnen entsprechen würde. 

100 Staaten wollen bis 2030 Entwaldung stoppen

Ebenfalls im Zuge des Weltklimagipfels haben sich mehr als 100 Staaten dazu verpflichtet, die Zerstörung von Wäldern und anderen Landschaften bis 2030 zu stoppen. Die beteiligten Länder, darunter auch die gesamte EU, repräsentieren 85 Prozent der weltweiten Waldfläche, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer. Für das Vorhaben werden bis 2025 etwa 12 Milliarden US-Dollar (10,3 Milliarden Euro) an öffentlichen Geldern mobilisiert. Hinzu kommen 7,2 Milliarden US-Dollar (6,2 Mrd. Euro) private Investitionen.

Wälder gelten als die Lunge unseres Planeten, sie nehmen etwa ein Drittel der jährlich vom Menschen ausgestoßenen CO₂-Emissionen auf. Doch schrumpfen sie bedenklich, wie es in der Mitteilung weiter hieß: Jede Minute gehe eine Fläche von etwa 27 Fußballfeldern verloren.

Kommentare (1)
Adiga
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bedenkliches Konzernverhalten

Das Firmen überhaupt Öl und Gas suchen und fördern dürfen und danach die Bohrlöcher und was sie sonst noch an Umweltzerstörung vor Ort getätigt haben einfach so den Rücken kehren können, ohne sich darum kümmern zu müssen, ist sowieso eine ziemlich bedenkliche Unart von konzernverhalten. Wahrscheinlich passiert sowas aber leider wohl nicht nur im fernen NordAmerika und wird wohl auch sonstwo toleriert und hingenommen, weil die Politik die großen Konzerne und deren Verantwortungslosigkeit fast überall schützt oder gar noch unterstützt.

Und als Entschuldigung für all das fasselt man dann immer von "man müsse wettbewerbsfähig bleiben." Dabei geht's doch meistens nur darum - wie man den maximalen Output an Selbstbereicherung erreicht. Firmen und Konzeren können die Regeln oft so festlegen wie es ihnen am besten gefällt, weil die Politik ja sowieso meist mit im Boot sitzt und vom Kuchen etwas abbekommt.