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Unregelmäßigkeit beim CountdownHöllenritt zur Atmosphäre der Sonne verschoben

Nasa verschob Start der Sonde, die näher als jemals zuvor an einen Stern herankommen soll. Während der letzten Minuten des Countdowns sei eine Unregelmäßigkeit aufgetreten. Erforschen soll die Sonde die Korona unserer Sonne und ihre geheimnisvollen Winde.

Ein Pionierflug, der bei der Nasa große Hoffnungen weckt
Ein Pionierflug, der bei der Nasa große Hoffnungen weckt © (c) APA/AFP/NASA/JohnsHopkins APL/HO (HO)
 

Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat den Start der weltweit ersten Sonde, die durch die Sonnenatmosphäre fliegen soll, verschoben. Der Stopp sei angeordnet worden, weil eine Unregelmäßigkeit während der letzten Minuten des Countdowns aufgetreten sei. Das teilte die NASA am Samstag via Twitter mit. In den nächsten 24 Stunden will man einen neuen Anlauf unternehmen.

"Die beiden 'Helios'-Sonden Mitte der 70er untersuchten erstmals die Sonnenumgebung, die der 'Solar Orbiter' der ESA soll im Februar 2020 starten – doch so nahe wie nun mit der 'Parker Solar Probe' kam der Mensch der Sonne noch nie!": Wolfgang Baumjohann, Direktor des Instituts für Weltraumforschung in Graz, kann sich für die neue Mission der Nasa, für die sich heute erstmals ein Flug mitten in die Atmosphäre der Sonne auf ihren Weg machen soll, im wahrsten Sinne des Wortes erwärmen.

Ganz neue Dimensionen

Die direkte Vor-Ort-Messung der äußersten Atmosphärenschicht, eröffne laut Baumjohann ganz neue Dimensionen. Es stellen sich zwei Kernfragen: Wie werden die Teilchen des Sonnenwindes beschleunigt? Und: Wie wird die Korona auf bis fünf Millionen Grad aufgeheizt, während die sichtbare Sonnenoberfläche "nur" etwa 5500 Grad heiß ist? Zudem erwartet man sich durch das 1,5-Milliarden-Dollar-Projekt Erkenntnisse über die Funktionsweise von Sternen. Die gesammelten Daten könnten Wetterprognosen präziser machen. "Die 'Parker Solar Probe' wird Fragen über Solarphysik beantworten, die uns seit über sechs Jahrzehnten fesseln", jubelt Nasa-Forscherin Nicola Fox.

Der Sonne entgegen

Die Parker Solar Probe soll sich der Sonnenoberfläche bis auf 8,5 Sonnenradien (ca. 5,9 Millionen Kilometer) nähern und Dutzende Male durch ihre Atmosphäre fliegen. Mit einem Tempo von etwa 692.000 Kilometern pro Stunde wird die vor allem mit Instrumenten zur Messung energetischer Partikel ausgestattete Sonde außerdem das schnellste vom Menschen gefertigte Objekt aller Zeiten sein.

Helios 1 und Helios 2 hielten seinerzeit mit rund 45 Millionen Kilometern noch einen gebührenden Respektabstand ein. Die neue 685 Kilo schwere und etwa autogroße Sonde soll sich bei ihrem Höllenritt bis auf 6,2 Millionen Kilometer die an die im Schnitt 149,6 Millionen Kilometer von der Erde entfernte Sonne heranwagen – was in astronomischen Dimensionen erstaunlich nahe ist: Um so weit zu kommen (für den 19. Dezember 2024 wird der ganz heiße Moment anvisiert), sind sieben Vorbeischwungmanöver an der Venus nötig – deren Schwerkraft die Sonde für sich nutzt.

"Sehr aufregend"

Astrophysiker Eugene Parker, heute 91 Jahre alt, gab der Sonde ihren Namen. Er zeigt sich geehrt – und zuversichtlich: "Die Sonde fliegt in eine Gegend des Alls, die wir noch nie erkundeten. Es ist sehr aufregend, dass wir da endlich hinschauen können. Ich hätte gerne detailliertere Messungen der Sonnenwinde. Ich bin mir sicher, es wird da Überraschungen geben."
Um überhaupt vom heute vor allem von Elon Musks SpaceX-Raketen frequentierten Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ins Weltall zu kommen, greift man auf eine der mächtigen "Delta IV Heavy"-Raketen zurück. Dem Projekt geht eine sehr lange Geschichte voraus: Bereits 1958 legte die National Academy of Sciences Pläne für die Erforschung der Sonne aus extremer Nähe vor.

Die Sonde soll die äußerste Atmosphärenschicht der Sonne erkunden
Die Sonde soll die äußerste Atmosphärenschicht der Sonne erkunden Foto © (c) AP (Ed Whitman)


Bleibt noch die Frage, wie die "Parker Solar Probe" den enormen Temperaturen und der extremen Strahlung standhalten kann: "Im Wesentlichen wie die Feuerwehr", sagt Baumjohann und meint damit den speziellen Karbonpanzer von fast zwölf Zentimeter Dicke. Damit soll der künstliche Sonnentrabant auf seinen elliptischen Bahnen gut 1370 Grad Celsius aushalten.

Keine Frage: Einem Stern so hautnah zu kommen, ist etwas für ganz robuste Naturen.

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