Egal ob gekauft oder geliehen - der E-Roller boomt als urbane Art der Fortbewegung. Inzwischen sieht man die elektrifizierten Tretroller in der Stadt überall. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass die Zahlen der Unfälle mit E-Scootern deutlich steigen: Im Jahr 2019 endete in Österreich für 1200 E-Scooter-Fahrer die Ausfahrt im Spital.

Das zeigen Daten des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), das nun die erste umfassende Studie zum Thema abgeliefert hat und eine Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen für E-Scooter im Straßenverkehr ortet. Zu den Forderungen zählen konkrete Vorschriften bezüglich der Bremsvorrichtungen, eine verpflichtende Ausstattung mit Glocke oder Hupe, intensivierte Kontrollen der Einhaltung des Fahrverbots auf Gehsteigen und konkrete Maßnahmen, die das korrekte Abstellen von Leih-Rollern fördern, anstatt sie einfach irgendwo abzustellen.

Zu wenig Wissen über E-Scooter-Regeln

Eine österreichweite Befragung von 501 E-Scooter-Nutzern und 598 -Nichtnutzern verdeutlichte drastische Info-Defizite: Beide Gruppen sind nicht ausreichend über die für E-Scooter geltenden rechtlichen Regelungen informiert. Fußgänger fühlen sich durch rücksichtslose E-Scooter-Fahrer besonders stark gefährdet. Brenzlige Situationen entstünden durch Unachtsamkeit, Ablenkung, Verkehrsregelmissachtungen, Vorrangverletzungen, zu hohe Geschwindigkeiten und zu geringe Sicherheitsabstände. Auch das ungeordnete Abstellen von E-Scootern stört die Mehrheit der Befragten: Für viele Fußgänger wurden E-Scooter bereits zu Stolperfallen.

Flott unterwegs, nur drei Prozent tragen Helm

Die Tempomessungen des KFV zeigen: E-Scooter sind mit durchschnittlich 15,1 km/h in Fahrt. Der Rekord der Messungen liegt bei 31 km/h. 15 Prozent der 938 gemessenen E-Scooter-Fahrer waren mit mehr als 20 km/h unterwegs, Männer dabei durchwegs schneller als Frauen.

Deutlich geringer ist das Tempo auf verbotenem Terrain: Auf Gehsteigen wurden durchschnittlich 10,3 km/h gemessen, die im Mischverkehr mit Fußgängern aber immer noch zu hoch sind. Auch in der Annäherung an nicht signalgeregelte Radfahrerüberfahrten sind E-Scooter – ebenso wie Fahrräder – um einiges zu schnell unterwegs: Statt der maximal erlaubten 10 km/h brausten E-Scooter mit durchschnittlich 15,4 km/h heran.

Bremsen auf dem Prüfstand

E-Scooter müssen gesetzeskonform mit einer „wirksamen Bremsvorrichtung“ ausgestattet sein. Aber wie wirksam sind die derzeit genutzten Bremssysteme tatsächlich? Auf einer Teststrecke wurden die Bremswege von fünf handelsüblichen E-Scooter-Modellen im Vergleich zu jenem eines handelsüblichen Trekkingfahrrads gemessen. Getestet wurden E-Scooter mit verschiedenen Bremssystemen (elektrischer Handbremse, Handhebelbremse, Fußtrittbremse und Kombinationen) in der Ebene, im Gefälle (5 Prozent Längsneigung) und bei verschiedenen Ausgangsgeschwindigkeiten (15/20/25 km/h). Bei 15 km/h in der Ebene und einer angenommenen Reaktionszeit von einer Sekunde wurde ein Anhalteweg von 5,8 bis 10,3 Metern verzeichnet.

Am schnellsten zum Stillstand kam das Fahrrad: mit einem durchschnittlichen Anhalteweg von 5,5 Metern und einer durchschnittlichen Bremsverzögerung von 6,6 m/s². Nur eines der fünf getesteten E-Scooter-Modelle lieferte bessere Werte als die für Fahrräder vorgeschriebene Mindestbremsverzögerung von 4 m/s².

Die aktuell noch sehr abstrakt gehaltene gesetzliche Vorgabe einer „wirksamen Bremsvorrichtung“ reicht laut KFV nicht aus, weshalb es für konkrete Vorschriften plädiert: einen Mindestwert für die Bremsverzögerung (4 m/s²) und zwei voneinander unabhängige Bremsvorrichtungen, von denen mindestens eine unabhängig vom elektrischen System des Fahrzeugs funktioniert.

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