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"Der Trend zu hoher Qualität aus Kärnten bleibt"

Barbara Wakonig führte als Obfrau zehn Jahre lang das Genussland Kärnten als Bewegung zur Bewusstseinsbildung für bäuerliche Produkte an. Jetzt hört die Vernetzerin trotz schwieriger Zeiten zuversichtlich auf.

Barbara Wakonig war 14 Jahre lang für das Genussland Kärnten tätig, zehn Jahre davon als Obfrau
© Dieter Kulmer
Barbara Wakonig war 14 Jahre lang für das Genussland Kärnten tätig, zehn Jahre davon als Obfrau

Sie waren zehn Jahre Obfrau des Genusslandes Kärnten, haben wesentlich zum Wachsen dieses Zusammenschlusses von bäuerlichen Produzenten, Direktvermarktern, Handelsbetrieben, Wirten und Schulen beigetragen. Jetzt, da sie aufhören: Haben Sie Sorge, ob es gut weiterlaufen wird?
BARBARA WAKONIG: Nein, überhaupt nicht. Es wird sehr gut weiterlaufen, weil es ein sehr gutes und engagiertes Team gibt, mit dem ich tief verbunden bleibe. Wir haben gemeinsam ein trag- und zukunftsfähiges "Haus" gebaut. Ich war 14 Jahre mit dabei, seit der Genussland-Neugründung 2009 und der Entpolitisierung. Zehn Jahre lang war ich Obfrau. Nächstes Jahr werde ich 60, mein Ehemann Christian ist vor zweieinhalb Jahren erblindet, das braucht viel von meiner Kraft. Wir wollen uns nächstes Jahr eine Auszugswohnung schaffen und den landwirtschaftlichen Betrieb 2025 an unsere Tochter Anna (28) übergeben.

Wie definieren Sie für Nichtkenner das Genussland Kärnten?
Es ist eine Bewegung zur Bewusstseinsbildung für Kärntner bäuerliche Produktion und der Weg zur Erhaltung der Kärntner Landwirtschaft und dadurch zur Erhaltung unseres schönen Kärntens. Wir sind ein kulinarischer Wegweiser für alle, die in Kärnten gewachsene und veredelte Produkte kaufen wollen. Es geht um Imagebildung für agrarische Produkte und Dienstleistungen, um Produktvermittlung und Beratung. Kärnten ist mit dem Genussland Vorbild für ganz Österreich. So etwas gibt es sonst in keinem anderen Bundesland.

Zur Person

Barbara Wakonig (58) stammt aus Kraig, Matura an der HBLA Pitzelstätten, Lehrerinausbildung in Ober-St.-Veit. Verheiratet, Bäuerin, Direktvermarkterin, vierfache Mutter, fünffache Oma. War für den Bauernbund Kammerrätin in der LK-Vollversammlung, war im LK-Vorstand. 14 Jahre war Wakonig im Genussland Kärnten (Markeninhaber Land Kärnten) tätig, zehn Jahre als Obfrau.
Am 21. Juli wird die Nachfolgerin/der Nachfolger gewählt.

Der Kostendruck auf Bauern, Wirte wie Konsumenten steigt stark an. Immer mehr Kärntnerinnen und Kärntner müssen sparen. Droht damit, dass Bauern zu billigerem Produzieren und Konsumenten zu billigerer Massenware greifen und die Genussland-Qualitäts- wie Herkunftssicherung zum Hemmnis wird?
Wir hatten zuletzt harte Sitzungen, weil der finanzielle Druck für alle groß ist: für Wirte, für Bauern, für Einzelhändler. Wegen der Konsumenten gibt es Sorgen. Sie werden vielleicht weniger bei uns einkaufen, aber bei gewissen Produkten wie Brot bleiben. Marketing ist enorm wichtig. Grundsätzlich bin ich optimistisch. Denn der Trend zu bewusster Ernährung bleibt ja und damit jene Leute, die hohe Qualität wollen. Wir werden diese Phase jetzt durchtauchen. Ich bin froh, dass der Landesregierung die bäuerliche Produktion parteiübergreifend ein Herzensanliegen ist.

Keine Sorge, dass bäuerliche Mitgliedsbetriebe wegen des Kostendrucks aufgeben könnten?
Wir haben in Summe 1000 Beratungen gemacht – und haben aktuell 612 Lizenzpartner: 420 Bauern und Manufakturen, 106 Genusswirte, die unsere Kärntner Produkte kaufen, 71 Handelsbetriebe, 15 Schulen. Ja, es sind auch Partner abgesprungen, es gab Betriebsauflösungen und manche Lizenzpartner wurden gekündigt, weil die Qualität nicht mehr gepasst hat. Aber jene, die jetzt mit uns diesen Weg gehen, die gehen ihn auch weiter.

Direktvermarktung als (überlebens-)wichtiges Standbein für Bäuerinnen und Bauern bedeutet zwar höhere Wertschöpfung, aber auch hohen Arbeitseinsatz. Wie passt das zur Work-Life-Balance, die immer mehr junge Leute wollen?
Gar nicht. Der Diskussion "Wenig arbeiten und viel verdienen" kann ich nichts abgewinnen. Ich sehe allerdings auch die vielen jungen Betriebsnachfolger, die tolle und innovative Ideen haben und umsetzen.

Wie sehr bewirken Klimawandel und ökologischer Fußabdruck, dass heimisch Produziertes mehr Chancen bekommt?
Die Situation für Bauern wird durch die Wetterkapriolen immer schwieriger. Der Klimawandel ist auf unseren Äckern angekommen. Viele Bauern überlegen, neue Kulturen anzubauen. Wir haben heuer erstmals Durumweizen angebaut, das war bis jetzt in Kärnten nicht möglich. Wir haben bei uns am Hof bereits probiert, Hafermilch zu produzieren. Unsere Tochter Anna will Mandel- und Haselnussbäume pflanzen. Wir Bauern müssen den Klimawandel auch nutzen.

Wie schwer ist es, bäuerliche Produkte wie Topfen und Schweinefleisch zu platzieren, wenn Ernährungstrends hin zu Veganem und Vegetarischem, hin zu Mandelmilch, Bulgur und Tofu stärker werden?
Ja, es wird schwerer. Aber Veränderungen gab und gibt es immer. Bauern müssen sich anpassen. Gemüseanbau und Weinbau boomen derzeit. Ich bin überzeugt, dass für jeden Platz ist. Auch für die traditionelle Kärntner Landwirtschaft bleibt Platz.

Die Coronapandemie mit den Lockdowns hat den bäuerlichen Produzenten ein Hoch beschert. Direktvermarktungshütten schossen wie Schwammerln aus dem Boden, bäuerliche Produkte und Versorgung wurden wertgeschätzt. Das nimmt wieder ab, Selbstbedienungshütten schließen teils wieder. Was ist zu tun?
Ich hoffe, dass die Inflation wieder sinkt. Wichtig ist die Bewusstseinsbildung für Kärntner bäuerliche Produkte und die Vertrauensbildung. Die muss bei den Kindern beginnen. Ich backe oft mit kleinen Kindern bei uns in der Hofgreißlerei Brot, das sie dann duftend mit nach Hause nehmen. Viele Kinder haben keine Ahnung, wo und wie Dinkel und Roggen wachsen, sie hatten noch nie Getreide und Mehl in der Hand – und sind dann total begeistert. Wichtig sind uns auch die Genuss-Schulen als Partner, Schülerinnen und Schüler etwa in Pitzelstätten oder in der Tourismusschule, die mit unseren Kärntner Produkten arbeiten und sie später in ihrem Alltag und in ihrem Betrieb weiter verwenden.

Bauern beklagen den Preisdruck der Handelsketten, wenn sie zu Partnern werden. Der Druck wird in Zeiten wie diesen noch größer, oder?
So ist es. Da gibt es von Handelsketten wenig Einsehen. Mit unserem Eierring Herzogstuhl war ich bei einigen Preisverhandlungen dabei. Hart. Wir kaufen für unsere Hühner als Futter gentechnikfreies Soja aus dem Donauraum. Der Preis hat sich in den beiden letzten Jahren verdreifacht. Das können wir über den Eierpreis so nie weitergeben. Es ist schwer. Wobei Konsumenten ab Hof die Eier billiger kaufen können als in Handelsketten. Die Spanne fällt weg. Die Direktvermarktung ist die große Chance für Bauern. Auch weil die Abhängigkeit von anderen nicht da ist.

Sie sind Bauerntochter, sind Bäuerin geworden, haben mit ihrem Ehemann Christian dessen elterlichen Hof in St. Georgen am Sandhof nahe Klagenfurt übernommen, sind mit der Hofgreißlerei Direktvermarkterin und waren über Jahrzehnte in öffentlichen Funktionen: Was ist Ihnen in der Vorbildwirkung als Mutter von vier Töchtern und fünffache Oma wichtig?
Für meine Familie ist mir Zusammenhalt, die Liebe zueinander, das Aufeinanderschauen – auch auf die ältere Generation wie jetzt auf meinen 93-jährigen Schwiegervater, das Zusammenhalten in schweren Phasen wichtig. Wichtig ist mir auch das Dankesagen: an meine Familie, mein Team im Genussland, die Landesregierung – und an meinen Mentor Walfried Wutscher.

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