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Kulinarik & Genuss

Alte Rezepte zum Nachkochen

In unserer Serie stellen wir regelmäßig alte, längst vergessene Rezepte vor. Die Reichenfelserin Gudrun Steinkellner hat viele davon unter www.kochenwiefrüher.at zusammengefasst.

Gudrun Steinkellner
letzten Monat2. August 2026 um 14:00
ReichenfelsRezepte
ChronikLavanttal
Zucchini werden erst seit den 1970er-Jahren in unseren Gärten angebaut und sorgen seitdem für Rekordernten. Die Babyboomer unter uns kannten sie in ihrer Kindheit noch nicht. Zucchini wurden aus den mit der Entdeckung Amerikas zu uns gekommenen Gartenkürbissen in Italien gezüchtet. 
Das Rezept für den Zucchinikuchen stammt von Manfred Mikula aus Klagenfurt, er hat uns das Rezept seiner Mutter zur Verfügung gestellt. 

Rezept für Zucchinikuchen
Zutaten. 5 Eier, 300 g Zucker, 1 Prise Salz, 1 gehäufter TL Zimt, 1 gehäufter TL Natron, 1 gehäufter TL Lebkuchengewürz, 3 Riegel Kochschokolade, ¼ l Pflanzenöl, 400 g Zucchini, 350 g Mehl, ½ P. Backpulver. Passierte Marillenmarmelade, 1 TL Zitronensaft. Glasur: 100 g Butter, 120 g Kochschokolade, einige Tropfen Pflanzenöl.

Zubereitung. Die Zucchini reiben und einige Minuten stehen lassen. Eier, Zucker und eine Prise Salz in einer Küchenmaschine sehr schaumig schlagen. Zimt, Natron und Lebkuchengewürz zugeben. Die Kochschokolade im Wasserbad oder in einer Mikrowelle weich werden lassen. Das Pflanzenöl und die weiche Schokolade unter den Teig rühren. Die Zucchini ausdrücken und gleichzeitig mit dem mit dem Backpulver vermischten Mehl mit einem Kochlöffel einmengen. Bei 170 °C im Backrohr 45 min backen. Die Marillenmarmelade mit Zitronensaft verrühren und auf dem ausgekühlten Kuchen verteilen. Für die Glasur Butter und Kochschokolade im nicht zu heißen (!) Wasserbad aufschmelzen. Wenn die Temperatur zu hoch ist, wird die Glasur matt. Einige Tropfen Pflanzenöl sorgen für zusätzlichen Glanz. Den Kuchen damit glasieren.
Weichseln sind höchstwahrscheinlich die Urahnen unserer Kirschen. Die Kultur der Weichseln (= Sauerkirschen) geht auf die Gegend um das Kaspische und das Schwarze Meer zurück. Weichseln kannte man im antiken Griechenland und bei den Persern bereits um 300 v.Chr. Bei uns wurden sie erst im Mittelalter angebaut. Weichseln werden bis weit hinauf im Norden kultiviert. Bei uns wachsen und reifen sie sogar bis auf 1600 m Seehöhe! Sauerkirschen sind Vitaminbomben, man sagt ihnen nach, dass sie Entzündungen und Arthritis im Körper hemmen, die Verdauung ankurbeln und bei Stoffwechselstörungen regulierend wirken. Und sie sind eine der wenigen Quellen von natürlichem Melatonin, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert, daher wird Weichseln eine positive Wirkung bei Schlafstörungen nachgesagt. 

Rezept „Brauner Weichselkuchen“

Zutaten: 80 g Kochschokolade, 5 Eiklar, 1 Prise Salz, 140 g Butter, 140 g Zucker, 5 Eidotter, 150 g geriebene (Wal-)Nüsse, 50 g Mehl, 1 Messerspitze Backpulver, 300 g Kirschen oder Weichseln.

Zubereitung: Die Schokolade zerlassen. Die Eiklar mit einer Prise Salz zu einem festen Eischnee schlagen. Butter, Zucker und die Eidotter schaumig rühren, dann die zerlassene Schokolade, Nüsse und das Mehl-Backpulver-Gemisch sowie den Eischnee vorsichtig unterheben. Den Teig in eine befettete und bemehlte Tortenform mit 26 cm Durchmesser füllen und mit den Weichseln dicht belegen. In das auf 180 °C vorgeheizte Backrohr geben und 50 Minuten backen. Mithilfe der Nadelprobe feststellen, ob der Teig durchgebacken ist. Die fertige Torte leicht überkühlen lassen, dann mit Staubzucker bestreuen. Die Torte wird auch mit Kirschen, Ribiseln, Pfirsichen und Marillen sehr gut.
Früher wurden Ribiseln in Kärnten auch Ribasl oder Ribarle (Ribarlan) genannt „Ich bin auf einem Bergbauernhof aufgewachsen, wir waren acht Kinder. Die ganzen Sommerferien über haben wir auf dem Feld, vor allem beim Heumachen, geholfen und wir Kinder mussten alle Ribiseln brocken, wir hatten ja viele Ribiselstauden – daraus hat meine Mutter Marmelade und Saft gemacht. Beides musste den ganzen Winter über reichen, andere Säfte oder Marmeladen gab es bei uns nicht. Baden gehen oder Ausflüge machen, das gab es bei uns nie“, so hat es mir vor einigen Tagen eine ungefähr 60-jährige Bäuerin aus dem Grenzgebiet zwischen der Steiermark und Kärnten erzählt. „Wir kannten es nicht anders und bei allen anderen war es auch so.“
Bereits im Mittelalter wurden Ribiseln in Klostergärten kultiviert. Heute werden sie in nahezu allen Ländern mit gemäßigtem und kühlem Klima angebaut. Insgesamt gibt es an die fünfzig verschiedene Ribiselsorten. Je nach Sorte sind die Beeren hell- bis dunkelrot, weiß, gelb oder schwarz. Die Bezeichnung Johannisbeere leitet sich davon ab, dass die Ribiseln rund um den Johannistag (24. Juni) beginnen, reif zu werden.

Rezept für Ribiselnocken:
Zutaten: 160 g Mehl, 1 Prise Salz, 4 EL Milch, 2 Eier, 2 EL Zucker, 1 Packung Vanillezucker, 200-250 g rote Ribiseln. Butter(-schmalz) oder Pflanzenöl zum Herausbacken. Staubzucker.

Zubreitung: Mehl, Salz, Milch, Eier, Zucker und Vanillezucker zu einem Teig verrühren. Die Konsistenz soll wie bei einem eher dicken Palatschinkenteig sein. Die Ribiseln vorsichtig untermengen. In einer großen Pfanne Butter, Butterschmalz oder Pflanzenöl gut erhitzen. Mit einem großen Löffel für jeden Nocke einen Esslöffel Teig hineinsetzen, so viele, wie in der Pfanne Platz haben. Die Nocken sollen sich nicht berühren. Auf beiden Seiten 2 bis 3 Minuten bei mittlerer Hitze goldbraun backen. Die fertigen Nocken im Backrohr bei 70 Grad warmhalten, bis alle fertig sind. Mit Staubzucker bestreuen. Dazu wird kalte Milch getrunken. 
Statt der Ribiseln können auch Schwarzbeeren verwendet werden.
Kraut, Kohlrabi, Kohlsprossen, Karfiol, Brokkoli, Romanesco: Alle stammen vom Wildkohl ab, der schon in der Jungsteinzeit verzehrt wurde. Bereits die Kelten und Germanen bauten Kohl an. Im deutschsprachigen Raum ist Kohlrabi seit dem 19. Jahrhundert verbreitet. Interessanterweise finden sich trotzdem nur wenige Rezepte für Kohlrabi in den alten Kochbüchern! Und bereits seit dem 19. Jhdt. gibt es Vegetarier in Österreich, diese wurden anfangs Kohlrabi-Apostel genannt. Die Bezeichnung Kohlrabi wurde in etliche andere Sprachen übernommen, beispielsweise ins Englische, Russische und Japanische.


Rezept für Kohlrabisoße:
Zutaten. 2-3 frische, mittelgroße Kohlrabi, ¼ l Gemüsesuppe. Béchamelsoße: 1 EL Butter, 1 EL Mehl, Milch, Salz, Pfeffer, Muskatnuss, 2-3 EL Schlagobers, Petersilie. 
Zubereitung. Die Kohlrabi schälen und in ca. 2 cm große Würfel schneiden. Die zarten kleinen Blätter zur Seite legen. Die Würfel in kochender Gemüsesuppe bissfest garen. Für die Béchamelsoße die Butter in einem Topf zerlassen, das Mehl mit einer Schneerute einrühren, mit kalter Milch aufgießen und unter ständigem Rühren aufkochen lassen. Mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss und Schlagobers abschmecken. Die Kohlrabiwürfel in die Soße geben und kurz erhitzen. Die Kohlrabiblätter fein schneiden und darübergeben, wenn man das nicht so gerne mag, mit gehackter Petersilie bestreuen. Passt zu gekochtem Rindfleisch mit Salzerdäpfeln, auch Frankfurter passen gut dazu. Die Sauce ist auch ohne Fleisch mit Erdäpfeln ein sehr gutes, leichtes Sommeressen.
Rezept für "Mohnwoaza" Zutaten. 500 g glattes Mehl, 1 Würfel Germ, 1/4 l Milch (bei Bedarf etwas mehr), 60 g Butter, 60 g Zucker, 1 TL Salz, 2 Eier, feingeriebene Schale einer halben Biozitrone.Fülle: 50 g geriebener Mohn, 1/4 l Milch, 100 gHonig, 2 EL Rum, 2 TL Zimt, Saft einer halben Zitrone,1 Handvoll Rosinen. Zubereitung. Etwas Milch leicht erwärmen, Germ darin auflösen, Dampfl zubereiten. An warmen Platz zugedeckt 20 Minuten gehen lassen. Restliche Milch etwas anwärmen, Salz, Butter oder Schmalz und Zucker darin auflösen und zum Mehl geben, Eier und etwas geriebene Zitronenschale dazugeben. Mit Dampfl verkneten, bis sich der Teig glatt von der Schüssel löst - bemehlt 40 Minuten rasten lassen.Fülle: Milch aufkochen, Mohn dazugegeben und noch einmal aufkochen. Masse überkühlen lassen, mit Honig, Rum, Zimt, Zitronensaft und Rosinen abschmecken. Germteig dünn auswalken, mit Fülle bestreichen und einrollen. Den Teig in eine mit Butter ausgestrichene Rein oder Reindlingform geben und zugedeckt 45 Minuten gehen lassen. In das kalte Backrohr stellen und auf 180 °C einschalten. Die Backzeit beträgt ungefähr 50 Minuten. Beim Backen ein feuerfestes Schüsserl mit Wasser ins Rohr stellen, dann trocknet der Teig weniger aus. Zehn Minuten heraußen stehen lassen und aus der Form stürzen.
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