In Sinabelkirchen steuert die KI den Strom fürs Lkw-Laden
Am Areal von Jerich Logistics in Sinabelkirchen entstand um drei Millionen Euro ein riesiger Elektro-Ladepark. Die Steuerung übernimmt die Künstliche Intelligenz.
Als Pionierleistung bezeichnet Vulkanlandobmann Josef Ober jenes Großprojekt, das vor wenigen Monaten am Firmenareal von Jerich Logistics in Sinabelkirchen und damit aus dem „Vulkanland-Boden“ gestampft wurde.
Auf den Dachflächen des Logistikunternehmens erstreckt sich eine Photovoltaik-Landschaft samt Großspeicher sowie drei Ladepunkte für E-Lkw und acht Ladepunkte für E-Pkw errichtet. (Genaueres in der Infobox) Kostenpunkt: Drei Millionen Euro.
Das Besondere: Speicher und Energieflüsse werden über eine Künstliche Intelligenz gesteuert. Bedeutet: Fährt ein Fahrzeug zum Tanken vor, entscheidet die KI, woher sie den Strom bezieht, direkt von der Photovoltaik, vom Speicher oder aus dem Netz. Dazu analysiert sie im Hintergrund die Stromerzeugung, die Marktsituation und vergleicht Preise.
Was ist ein Ladehub?
Ein Ladehub ist ein zentraler Knotenpunkt, an dem mehrere leistungsstarke Ladepunkte für Elektrofahrzeuge gebündelt an einem Standort zur Verfügung stehen.
In Sinabelkirchen entstand eine Photovoltaikanlage mit 1,3 MWp, ein Großspeicher mit 2000 kWh, drei Ladepunkte für E-Lkw und acht Ladepunkte für E-Pkw.
„Dadurch können wir auch einen günstigen Strompreis anbieten und ersparen uns einen riesigen Netzausbau“, veranschaulicht Anton Reicht, Geschäftsführer der Reicht Holding, der gemeinsam mit Daniela Müller-Mezin von Jerich Logistics und Müllex als Firma „Green Charge“ den Ladehub betreibt.
Eigene Ladekarte
Denn: Nicht nur die eigene E-Flotte, die in den nächsten Monaten ausgebaut werden soll, „tankt“ an den Ladestationen, sondern auch externe. „Es ist ein öffentlicher Ladehub, den auch andere Firmen nutzen können“, bestätigt Daniela Müller-Mezin.
Zusammenarbeitet man etwa mit der benachbarten Firma „MAN“, aber auch Firmen aus Niederösterreich schicken ihre E-Lkw regelmäßig nach Sinabelkirchen zum „Laden“. Der Standort direkt an der Autobahnabfahrt sei ideal. Voll aufgeladen ist die Lkw-Batterie in maximal 1,5 Stunden.
Fürs Stromtanken können über „Green Charge“ eigene Ladekarten beantragt werden. „Diese sind an allen Ladestandorten in ganz Österreich gültig“, so Reicht. Künftig sollen auch andere Tankkarten akzeptiert werden.
Weitere Ladehubs geplant
Umgesetzt wurde das Millionen-Projekt von der „Solarel GmbH“. Die Firma mit Sitz in Paldau ist spezialisiert auf Photovoltaik-Großanlagen und Energie-Komplettlösungen. Gerade im Logistik-Bereich sei die Nachfrage riesig, weiß Geschäftsführer Andreas Wagner.
Die Firma ist österreichweit tätig, zu ihren Kunden gehören Großhandelskonzerne, Genossenschaften, Müllentsorger und Logistiker. „Es ist ein Zukunftsthema, das Potential ist groß“, sagt Wagner.
Weitere „Ladehubs“ für E-Autos und E-Lkw sind in Planung. Auch in der Steiermark liebäugelt man mit diversen Standorten, vorrangig an Hauptverkehrsadern, wie Reicht betont: „Es laufen bereits Initiativen, um E-Lkw steiermarkweit zu versorgen.“ Geplant seien sowohl Schnell-Ladestationen , als auch „Over-Night-Charging“, also das Aufladen über Nacht.

Im Gespräch ist auch das Areal beim Rasthaus Dokl in Hofstätten an der Raab. Jenes wurde ja erst vor wenigen Monaten von der Reicht Holding erworben, nachdem die Firma Stiglechner Ende 2025 in Insolvenz geschlittert war. Mit Detailinformationen hält sich Reicht allerdings noch bedeckt. „Ladestationen sollen kommen, Genaueres will ich noch nicht verraten“, sagt der Geschäftsführer.