Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Sollen Kinder, die in Österreich geboren wurden, automatisch eine Staatsbürgerschaft erhalten?

© Adobe Stock
Begehrt, aber mit hohen Hürden versehen: ein österreichischer Pass

Eine neue Initiative mit prominenten Unterstützern fordert eine österreichische Staatsbürgerschaft für hier geborene Kinder. Aber ist eine solche Regelung sinnvoll?

Eine breit getragene Plattform startet eine Initiative unter dem Motto „Ein Pass, der passt“ für die Verankerung des Geburtslandprinzips, wie es in zehn EU-Staaten und weltweit in 82 Ländern existiert. Zusammengefasst: Kinder, die hier geboren werden, sollen unter bestimmten Voraussetzungen von Geburt an die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten. Rund 300.000 hier geborene Menschen haben einen anderen Pass, insgesamt sind es rund 1,9 Millionen Menschen.

Unter den Erstunterzeichnern der Petition finden sich namhafte Persönlichkeiten wie Franz Vranitzky, Franz Fischler, Irmgard Griss und Alma Zadić.

Prinzip gilt in Deutschland, Irland, Belgien

Als Beispiel wird Deutschland genannt. Seit 2000 erhalten Kinder ausländischer Eltern automatisch die Staatsbürgerschaft, wenn die Eltern davor etliche Jahre verfestigt in Deutschland gelebt haben. Anfangs waren dies acht Jahre, 2024 wurde dies auf fünf Jahre reduziert. In Irland müssen die Eltern drei Jahre gelebt haben, in Belgien sind es zehn. Einen konkreten Vorschlag liefert die Initiative nicht.

Es gibt jedoch auch vereinzelte Stimmen, die sich eine Regelung wie in den USA wünschen. Dort ist automatisch jeder US-Staatsbürger und jede US-Staatsbürgerin, der oder die auf amerikanischem Staatsgebiet auf die Welt kommt. US-Präsident Donald Trump unternahm zuletzt einen erneuten Versuch, dieses Recht zu kippen. Der Supreme Court hatte dem Vorhaben jedoch bereits zuvor einen Riegel vorgeschoben.

Sind entsprechende Erleichterungen in Österreich sinnvoll? Diskutieren Sie im Forum mit.

Pro: Zugehörigkeit und Mitbestimmung ergeben Integration

18 Prozent der österreichischen Bevölkerung im Wahlalter (16+) dürfen nicht wählen. Keine Zugehörigkeit, keine Mitbestimmung – das fördert nicht gerade den Zusammenhalt, das demokratische Verständnis oder die Integration. Kinder und Jugendliche, die in Österreich geboren und aufgewachsen sind, sollten auch rechtlich als zugehörig anerkannt werden. Mehrere Studien aus Deutschland zeigen das Ergebnis eines Geburtslandprinzips: Bessere Ausbildung, besseres Einkommen, weniger Jugendkriminalität. Das könnte also auch für Österreich von Vorteil sein. Livia Steiner

Kontra: Automatische Einbürgerung? Nein.

Dass Österreich seine Vergabepraxis in Sachen Staatsbürgerschaft lockert, ist alternativlos. Sonst schauen wir tatenlos zu, wie immer weniger Menschen wahlberechtigt sind und Bundesheer sowie Zivildienst das Personal ausgeht. Dass die Politik das grundsätzlich verstanden hat, zeigt der stetige Abbau legistischer Hürden in den letzten Jahren. Nachdem der rot-weiß-rote Pass ein hohes Gut ist, muss es aber weiterhin Regeln geben, die über das bloße Geburtsrecht nach US-Vorbild hinausgehen. Erleichterungen, vor allem für hier Geborene: Ja. Automatische Einbürgerung? Nein. Christina Traar